Bernhard Schlink erzählt in seinem neuem Roman "Die Enkelin" vom kurzen Frühling der Unbeschwertheit: im Mai 1964 findet in Ostberlin ein von der FDJ organisiertes Deutschlandtreffen der Jugend statt, das Publikum kommt aus Ost und West. Der Geschichtsstudent Kaspar ist einer der Besucher aus dem Westen. Vor der Humboldt-Universität begegnet er Birgit, die von ihrem FDJ-Sekretär Instruktionen zum Umgang mit Gästen aus dem Westen bekommt. Aber statt mit Kaspar zu diskutieren, hört sie lieber den Radiosender DT64 mit ihm und beginnt eine Liebesaffäre.

Wie alle seine Bestseller handelt auch Bernhard Schlinks "Die Enkelin" von der neueren deutschen Geschichte: Der verliebte Kaspar verhilft Birgit zur Flucht. Erst nach ihrem Tod entdeckt der mittlerweile Siebzigjährige, was seine Frau ihm ein Leben lang verschwiegen hat: Sie hatte damals eine Tochter in der DDR zurückgelassen. Er tut, was sie immer wollte, aber nicht schaffte: Kaspar sucht nach ihr.

Die Suche wird zu einer Reise in die Vergangenheit und einer Begegnung mit den Wunden und Narben, die DDR, Wende und Anpassung des Ostens an den Westen hinterlassen haben. Als er die Tochter findet, lebt sie verheiratet in einer völkischen Gemeinschaft auf dem Land. Ihre vierzehnjährige Tochter freut sich, dass auf einmal ein Großvater in ihr Leben tritt, wie er sich über eine Enkelin freut. Aber seine Welt ist ihr so fremd wie ihm die ihre.

radioeins hat die Lesung mit Bernhard Schlink live im Radio und als Videolivestream auf radioeins.de übertragen. Moderatorin des Abends war radioeins-Literaturagentin Marie Kaiser.

Bernhard Schlinks "Die Enkelin" ist im Diogenes Verlag erschienen. 368 Seiten kosten 25 Euro.

Bernhard Schlink "Die Enkelin"
Bernhard Schlink "Die Enkelin" | © Diogenes

Bernhard Schlink, geboren 1944 bei Bielefeld, ist Jurist und lebt in Berlin und New York. Der 1995 erschienene Roman "Der Vorleser", 2009 von Stephen Daldry unter dem Titel "The Reader" verfilmt, in über 50 Sprachen übersetzt und mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet, begründete seinen schriftstellerischen Weltruhm.

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