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Claudia Roth: Prägend und polarisierend

An Claudia Roth scheiden sich die Geister: Vielen ist sie zu schrill und zu emotional, zu demonstrativ betroffen über die Missstände dieser Welt. Viele andere schätzen sie als geradlinig und glaubwürdig, als bunten Vogel im Politikbetrieb, als energische Kämpferin für Menschen- und Bürgerrechte.

Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen) © imago/Jens Schicke
Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen) © imago/Jens Schicke | © imago/Jens Schicke

Seit drei Jahrzehnten steht Roth in den Diensten der Grünen, elf Jahre davon als Parteivorsitzende. "Zu meinen Primärtugenden gehört Treue", sagte sie einmal. Ihre Karriere begann 1985 ganz unspektakulär: Sie bewarb sich auf eine Annonce als Pressesprecherin für die Grünen-Bundestagsfraktion. Es folgten 30 Jahre, die sie letztendlich ins Bundestagspräsidium führten, wo Roth seit Ende 2013 eines der sechs Vizepräsidentenämter innehat.

Selbst Etiketten wie "Mutter aller Nervensägen", wie die FAZ einmal schrieb, ärgern die streitbare Politikerin nicht. Im Gegenteil: Im Bundestagswahlkampf 2013 griff sie das Thema selbstironisch auf, eine Parteikampagne für mehr weibliche Mitglieder warb mit dem Spruch: "Wer nervt mehr als Claudia?"    

Die gebürtige Ulmerin arbeitete zunächst als Theater-Dramaturgin, in den 1980er Jahren war sie Managerin von "Ton Steine Scherben". "Ich will ich sein, anders kann ich nicht sein" - dieses Zitat aus einem Lied von Rio Reisers Anarcho-Rock-Band ist ihr Credo. Roth organisierte die Band-Auftritte und lebte einige Zeit in der "Scherben"-Kommune in Schleswig-Holstein.

Steen Lorenzen sprach mit Claudia Roth von den Grünen über ihre Zeit als "Ton Steine Scherben"-Managerin sowie ihre politische Karriere.

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Politisch schloss sich Roth, die in der Nähe von Augsburg aufwuchs, zunächst den linksliberalen Jungdemokraten an. Nach ihrem Wechsel in die Grünen-Fraktionspressestelle 1985 folgte dann rasch ihr Aufstieg in der noch jungen Partei. 1989 zog Roth ins Europaparlament ein, wo sie sich als Menschenrechtsexpertin einen Namen machte. 1994 verteidigte sie ihr Mandat, diesmal als Spitzenkandidatin der Grünen.    

1998 kam Roth über die bayerische Landesliste in den Bundestag. In der rot-grünen Regierung unter Gerhard Schröder (SPD) übernahm sie den Vorsitz des neu geschaffenen Bundestags-Ausschusses für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe.     

Anfang 2001 wurde Roth erstmals Grünen-Chefin und schied deshalb aus dem Bundestag aus. Weil sie ihr im September 2002 neu errungenes Parlamentsmandat nicht wieder aufgeben wollte, gab sie den Parteivorsitz ab - damals galt bei den Grünen noch die strikte Trennung von Amt und Mandat. Von 2004 bis 2013 konnte sie dann beide Funktionen parallel ausüben.

Quelle: AFP