Radioday "Babylon Berlin"

"Es wird Nacht im Berlin der Wilden Zwanziger" von Robert Nippoldt und Boris Pofalla

Das Berlin der 1920er, die feiernde, rasante Metropole voll exzessiver Lebenslust, während im Hintergrund schon die Gewitterwolken von Weltwirtschaftskrise und Naziherrschaft aufziehen, ist einer der großen Mythen des 20. Jahrhunderts. Illustrator Robert Nippoldt hat den Geist dieser Jahre gemeinsam mit Autor Boris Pofalla in einem atmosphärisch dichten Stadtporträt eingefangen. Eine Musik-CD mit 26 raren Originalaufnahmen macht das Buch zu einem Gesamtkunstwerk.

Steen Lorenzen zusammen mit dem Illustrator Robert Nippoldt (r.) im Studio © radioeins
Steen Lorenzen zusammen mit dem Illustrator Robert Nippoldt (r.) im Studio | © radioeins

Das Berlin der Goldenen 1920er ist eine Erfolgsstory, die das 20. Jahrhundert seinen Kindern und jetzt auch Kindeskindern immer wieder gerne erzählt: so viel Rasanz, Theatralik, Drama, Lichter der Großstadt, Verkehrschaos, Leben, das laut auf sich aufmerksam macht, will es nicht in Hinterhöfen und Mietskasernen verkümmern, Cabaret, Theater, Funk, Film, Reklame, Bubikopf und Monokel, queere Kieze, Charleston und der „Onkel Bumba aus Kalumba“; alles rennt, rast und schwoft, jeden Tag breaking news, Sensationen und Spektakel. An dieser Geschichte, deren Strahlkraft heller leuchtet als fünf Millionen Osram-Birnen (Werk Berlin-Friedrichshain), haben viele mitgestrickt, Kunstschaffende, City Girls, Gigolos, Bohemiens, Intellektuelle, Koksbarone, Ringvereine und Politgangster, Wissenschaftler, Sportskanonen und Spekulanten, Dr. Mabuse, Mackie Messer, Maria, der schöne Maschinenmensch und eine endlose Parade von tanzwütigen Nachtschwärmern.

Nach den Bestsellern Hollywood in the 30s und Jazz: New York in the Roaring Twenties hat sich Illustrator Robert Nippoldt diesmal mit dem Schriftsteller Boris Pofalla zusammengetan, um den Geist dieses Jahrzehnts in einem atmosphärisch dichten Album einzufangen.

Steen Lorenzen sprach über sein Buch "Es wird Nacht im Berlin der Wilden Zwanziger" mit Robert Nippoldt.  


Nippoldt stellt nicht nur bekannte Figuren wie Lotte Reiniger, Christopher Isherwood, Albert Einstein, Kurt Weill, Marlene Dietrich und George Grosz vor, sondern auch Thea Alba, „die Frau mit zehn Gehirnen“, Magnus Hirschfeld, den „Einstein des Sex“, und den berühmt-berüchtigten Ganoven Adolf Leib.

Bevor Weltwirtschaftskrise und Naziherrschaft Berlin das Licht ausknipsen, zeigt uns Nippoldt noch einmal alles: die grellen Lichter der Großstadt und das Grau der Fabriken, Hinterhöfe und Mietskasernen, das Geschrei der Sporthallen und die Stille der Theatersäle, den Gesang der Comedian Harmonists und Marlene Dietrich, die sich zylinderbehütet eine Zigarette anzündet und dann ‒ kluge Frau ‒ ein Dampferticket nach Hollywood kauft.

Es wird Nacht im Berlin der Wilden Zwanziger von Robert Nippoldt und Boris Pofalla © TASCHEN Verlag
Es wird Nacht im Berlin der Wilden Zwanziger von Robert Nippoldt und Boris Pofalla | © TASCHEN Verlag

Buchinfos:

Robert Nippoldt, Boris Pofalla: "Es wird Nacht im Berlin der Wilden Zwanziger", TASCHEN Verlag, Hardcover mit CD, 23,5 x 37 cm, 224 Seiten, 50 Euro

Quelle: TASCHEN Verlag