Radioday "30 Jahre deutsche Einheit – Status Quo Vadis?"

Ende Wende - Nicht erlebt und doch geprägt

Ein Feature von Nancy Fischer und Laurina Schräder.

Im Rahmen des Radiodays zu 30 Jahre Deutsche Einheit gibt es ein Feature zum Thema: „Ende Wende – Nicht erlebt und doch geprägt“ von Laurina Schräder (1987) und Nancy Fischer (1986). Die radioeins-Redakteurinnen gehen der Frage „Wie viel ist noch übrig vom Ost-West-Denken bei der Generation, die gar kein Ost und West mehr kennen dürfte?“ nach.

Eine Frau hält ein kleines Deutschlandfähnchen hoch © imago images/Petra Schneider
Nancy Fischer und Laurina Schräder treffen auf Gleichaltrige, Jüngere und Ältere, auf Menschen aus Ost und West und hören, welchen Status Ost und West heute noch für sie haben | © imago images/Petra Schneider

Der Herbst 2020 ist ein besonderer: Denn wir feiern 30 Jahre Deutsche Einheit. Wir sehen mit Sicherheit viele Rückblicke und hören viele Zeitzeugen. Aber wen wir kaum wahrnehmen, sind deren Kinder und Enkelkinder – geboren zwischen 1985 und 1995.

Auf den ersten Blick scheint das logisch: Diese sogenannte Nachwendegeneration hätte ja auch nichts zu sagen zur Wende - sie hat die DDR schließlich nicht mehr bewusst miterlebt.

Auf den zweiten Blick sieht das anders aus: Denn diese Generation wurde viel mehr geprägt, als manch einer denkt. Und so geht es auch den radioeins-Reporterinnen Laurina Schräder, Jahrgang 1987 aus Nordrhein-Westfalen, und Nancy Fischer, Jahrgang 86 aus Thüringen.

Deshalb wollten beide wissen: Wie viel ist noch übrig vom Ost-West-Denken bei der Generation, die gar kein Ost und West mehr kennen dürfte?

Eine Frau hält ein kleines Deutschlandfähnchen hoch © imago images/Petra Schneider
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Der Soziologe Daniel Kubiak vom Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin forscht zu diesem Thema – und stellt fest: Die Abwertung der gesamten Gruppe führe zu einer stärkeren Identifikation mit ihr. Quasi aus Solidarität fühlen die Jüngeren sich als „Ostdeutsche“, die sie eigentlich nie waren. Sie realisieren aber vor allem, dass die eigene Identität vielschichtig ist und die geografische Herkunft genauso mit reinspielt, wie die elterliche Sozialisation.

Eine Umfrage der Sächsischen Zeitung belegt das: Ostdeutsche fühlen sich noch immer, durch alle Bildungsschichten hinweg, als Bürger zweiter Klasse. Überraschend ist, dass dem nicht etwa die Älteren, sondern vor allem die 18- bis 29-Jährigen zustimmen – mit über 70 Prozent.