Schaubühne

"Eine große Ratlosigkeit" - Thomas Ostermeier über den Kultur-Lockdown

Auch die Schaubühne muss gemäß dem Beschluss von Bund und Ländern und der Umsetzung durch das Land Berlin ihre Pforten vom 2. bis 30. November schließen. "Schwierig wird es in den nächsten Jahren, schwierig werden die Lang- und Spätfolgen dieser Coronakrise", sagt der künstlerischer Leiter und Regisseur an der Schaubühne.

Thomas Ostermeier, Künstlerischer Leiter und Regisseur an der Schaubühne Berlin © Brigitte Lacombe
Thomas Ostermeier, Künstlerischer Leiter und Regisseur an der Schaubühne Berlin | © Brigitte Lacombe

Nächste Woche hätte eigentlich Thomas Ostermeiers neue Regiearbeit "Das Leben des Vernon Subutex" Premiere gefeiert - nach dem Weltbestseller von Virginie Despentes. Doch diese Premiere fällt nun dem zweiten Kultur-Lockdown zum Opfer.

Wir haben den Künstlerischer Leiter und Regisseur an der Schaubühne, Thomas Ostermeier, gefragt, wie das Haus die Pandemie-Zeit bislang verkraftet hat, wie er sein Team motiviert und ob uns das Stück über den Obdachlosen und DJ-Guru Vernon Subutex Trost gespendet hätte.

„Dass es Maßnahmen braucht, darüber sind wir uns einig. Auf der anderen Seite sind wir irrsinnig traurig, weil wir nicht spielen können und weil wir ganz viel zu zeigen haben“, sagt Ostermeier. Im November wird die Kurzarbeit in der Schaubühne, nach seiner Aussage, helfen. Viele Mitarbeiter*innen, die die Vorstellungen abends betreut hätten, werden jetzt in Kurzarbeit geschickt. „Im Moment kommen wir dadurch über das Jahr. Schwierig wird es in den nächsten Jahren, schwierig werden die Lang- und Spätfolgen dieser Coronakrise“.

„Wo ich mich wirklich stark für machen will ist gar nicht so sehr die Schaubühne im speziellen, sondern vielmehr die Situation der freien Künstler in ganz Deutschland, die Situation der Musiker, die Situation der Clubbetreiber, die Situation der Live-Musik-Clubbetreiber, die Situation der Nachtclubs, Bars, kleine Restaurants, kleine Initiativen, Nachbarschaftsinitiativen oder Leute, die sich was aufbauen - die sind so brutal erwischt worden - also Musiker, Komponisten, selbständige Künstler. Galerien werden zugemacht während gleichzeitig man immer noch durch Gebrauchtwagen- oder Neuwagenhäuser spazieren darf, darf ich nicht mehr in eine Galerie gehen. Also da finde ich eigentlich müsste der Kampf stattfinden“, sagt Thomas Ostermeier.

Thomas Ostermeier, Künstlerischer Leiter und Regisseur an der Schaubühne Berlin © Brigitte Lacombe
Brigitte Lacombe
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