Theater

"It's Britney, Bitch!" im Berliner Ensemble

Wir sprechen mit der Hauptdarstellerin Sina Martens.

Als Britney Spears kurz vor der Jahrtausendwende die Bühne betritt, gilt sie als Inbegriff Pop gewordener Unschuld: schön, prinzessinnenhaft, harmlos...

It's Britney, Bitch! (Berliner Ensemble)
Sina Martens (It's Britney, Bitch!) | © Berliner Ensemble

Mickey Mouse Club, Justin Timberlake, Schulmädchenuniform, roter Latex, Heirat. Aber dann: der 6. Februar 2007. Britney Spears rasiert sich öffentlich die Haare ab. "Breakdown", "Absturz", "das Ende" heißt es in den Medien. Klar. Ist ja auch naheliegend. Aber was, wenn nicht? Was, wenn diese Aktion kein Kurzschluss, kein Hilfeschrei, kein psychischer Tiefpunkt war? Warum wurde dieser Moment nicht als Statement, als gezielter Akt der Emanzipation gelesen? Als selbstbestimmtes Ende der Sexualisierung ihrer Person? „Britney survived 2007, you can handle today“ ist vom Meme zur Lebenseinstellung geworden.

Also was, wenn es damals nicht ums Überleben ging, sondern darum, dass eine 26-jährige Frau keine andere Möglichkeit hatte, um aus einer fremdbestimmten und konstruierten Identität auszubrechen? Britney Spears’ Ausbruchsversuch wurde von Presse und Publikum, durstig nach Sensation und nach Leid, als nachvollziehbares Ende beschlossen und manifestiert. Der Ausbruch hatte zur Folge, dass sie bis heute unter der Vormundschaft und absoluten Kontrolle ihres Vaters steht.

It’s Britney, Bitch! ist ein Abend, der nicht behauptet zu verstehen. It’s Britney Bitch! ist eine Liebeserklärung an eine Frau, die mehr ist als nur ein freundlicher Dur-Akkord in der Geschichte des Pop.

It's Britney, Bitch! (Berliner Ensemble)
Berliner Ensemble
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It's Britney, Bitch! (Berliner Ensemble) | © Berliner Ensemble