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Wenn der smarte Kühlschrank twittert

Web, Mobile, Social Media

Es klingt ein bisschen, wie der perfekte Stoff für eine Moderne Rom-Com. Eine Mutter-Tochter-Geschichte: Tochter, 15, bekommt Online-Verbot, weil sie beim Kochen durch ihr Smartphone abgelenkt war und so beinahe die Wohnung in Brand gesetzt hätte. Alle digitalen Devices wurden eingezogen - also alle, an die die Mutter so gedacht hat.

Das Logo von Twitter vor einer Tastatur © imago/ZUMA Press
"Ich rede mit meinem Kühlschrank, was zur Hölle", twitterte "Dorothy" von ihrem Twitter-Account | © imago/ZUMA Press

Doch der gegen seinen Willen auf digital Detox gesetzte Teenie findet einen Weg mit der Welt zu kommunizieren und treibt die Mama fast in den Wahnsinn. Das würde man so schlucken bei einer Hollywood-Komödie. Aber was nach Drehbuch klingt, war echt und da fragt man sich, wie bekommt man seine Kids überhaupt noch raus aus der digitalen Welt?

Sven Oswald ist unser Mann für das Multimediale und berichtet darüber.

Das Logo von Twitter vor einer Tastatur © imago/ZUMA Press
imago/ZUMA Press
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Mutter konfisziert alle digitalen Devices und Kind bleibt trotzdem online und in diesem Fall auf Twitter aktiv, wie geht denn das?


Mich hat offen gesagt auch überrascht, wie kreativ die 15jährige Dorothy wurde bei dem Versuch ihren Twitter-Account am Laufen zu halten. Man denkt ja viel zu wenig nach, wo überall Kommunikationsmöglichkeiten drinstecken. Nehmen wir mal den guten alten Gameboy in einer etwas neueren Version, dann heißt das Nintendo 3Ds, ist mittlerweile auch bald zehn Jahre alt und kann über Wlan mit anderen Leuten spielen ... aber eben auch twittern, was Dorothy tat. Problem dabei: die Tweets werden mit der Anmerkung „Nintendo 3ds image share“ gekennzeichnet und weil Mama ja nicht dumm ist, hat sie das auf dem Twitter-Account gesehen und zack auch noch den DS konfisziert.

Und damit war Ruhe?


Nein, dann schnappte sie sich ihre Nintendo Wii, also eine noch ältere Konsole, die eigentlich auch nicht twittern kann, und fand einen Weg über ein Spiel, Minecraft, Tweets abzuschicken ... auch das bekam Mama spitz und es war einige Tage ruhig um Dorothy im Netz.

Aber nur einige Tage?


Genau, denn nun begann Dorothy mit ihrem smarten Kühlschrank zu reden und diesen für sich twittern zu lassen. Und weil dieser Krimi im Netz natürlich nicht unentdeckt blieb und viele die Tweets likten und retweeteten, schalteten sich sogar Twitter und LG, der Hersteller des Kühlschranks, ein und etablierten den Hashtag #FreeDorothy.

Wirklich der perfekte Filmstoff und dennoch alarmieren, oder?


Ja, denn es zeigt mal wieder, wie viel fitter und kreativer unsere Kids sind, wenn es um digitale Themen geht und es zeigt, wie machtlos wir in immer smarteren Umgebungen sind, die Online-Aktivitäten unserer Kids zu kontrollieren. Übrigens auch Sprachassistenten, wie Alexa, können twittern, Smartwatches auch, diverse digitale Spielzeuge auch und teilweise sogar Kaffeemaschinen und Waschmaschinen.

Und was würdest Du als Vater zweier noch nicht pubertierenden Kids empfehlen, was den Umgang mit digitalen Devices angeht?


Grundsätzlich nicht verteufeln, interessiert zuhören, wenn die Kids darüber reden, um zu verstehen, was sie machen, sie – gerade in jungen Jahren – nicht damit alleine machen lassen, denn selbst in Kinder-App-Spielen kommt krasse Werbung beispielsweise und ein Modell finden, das auch sie akzeptieren, also beispielsweise jeden Tag 20 Minuten Zeit, gern stapelbar und mittels Müll rausbringen und Staubsaugen die Option sich mehr Zeit zu erarbeiten. Und das unbedingt bevor die Daddelei und Zockerei schon überhandgenommen hat!