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Smart gegen Waldsterben

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Unser Wald hat viele Probleme: Der Klimawandel beschert ihm immer mehr Stürme, mehr Trockenheit und damit auch mehr Brände. Auch Schädlinge fühlen sich immer wohler im heimischen Gehölz.

Kiefernwald in Brandenburg © radioeins/Chris Melzer
Kiefernwald in Brandenburg | © radioeins/Chris Melzer

Im Kampf gegen Waldschäden ist der Förster aber schon lange nicht mehr nur mit Fernglas und Flinte unterwegs, sondern er wird smarter und streift mit Tablet und Smartphone durch die Wälder. Und da kommt radioeins-Multimediaexperte Sven Oswald ins Spiel und berichtet darüber.

Kiefernwald in Brandenburg © radioeins/Chris Melzer
radioeins/Chris Melzer
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Ich stelle mir das ganz lustig vor, der Förster mit dem Tablet mitten im Wald, aber das ist schon Realität, oder?

Mehr und mehr in Deutschland. Denn die Revierförsterei ist seit rund zwei Jahren eher eine Art Wald-Krisenmanagement. Laut Waldzustandsbericht 2019 ist aktuell nur noch jeder fünfte Baum gesund, alle anderen sind zu trocken, vom Sturm zerstört oder vom Borkenkäfer befallen.

Und wie kann die Technik da helfen?

Sie helfen dabei den Baumbestand im Auge zu behalten, das ist allein durch die immer größeren Reviere, die ein Förster betreut, schwieriger geworden. Ein Mensch ist beispielsweise für ein Gebiet von 4400 Hektar verantwortlich, in Radiosprache übersetzt wären das 3000 Fußballfelder, aber es gibt auch immer mehr zu berichten, weil der Wald zu krank ist. Noch vor zwei Jahren wurde alles von Hand mit dem Stift auf einer Papierkarte eingetragen, heute helfen Apps dabei, die auf dem Tablet laufen.

Wie funktioniert das denn?

Die Borkenkäfer APP beispielsweise, die es seit letztem Jahr gibt, zeigt eine Karte des Waldes, ähnlich wie bei Googlemaps, wenn der Förster nun einen befallenen Baum sieht, tippt er aufs Display, die GPS-Koordinaten werden gespeichert und alles am Ende zu einer aktuellen Karte zusammengefügt. Eine Ähnliche App gibt es für Sturmschäden, hier ist es ja häufig wichtig Totholz schnell aus dem Wald zu holen, damit sich der Borkenkäfer nicht noch schneller ausbreitet.

Das klingt komfortabel und sinnvoll, wie kommt diese Digitalisierung des Waldes bei den Förstern an?

Ganz unterschiedlich: Der Altersdurchschnitt der deutschen Förster liegt bei 50, das sind also nicht direkt die Digital Natives und die Branche ist sehr konservativ, mal ehrlich, wenn Du Förster aus Leidenschaft bist, weil Du die Natur liebst, dann ist das vielleicht ungewohnt mit einem Tablet durch den Wald zu stapfen, aber wenn die Apps immer intuitiver zu bedienen sind, wird sich das alles irgendwann voll durchsetzen, denn der Wald braucht Hilfe, auch digitale! Es gibt aber auch Förster und Waldforscher, die sehr affin sind, so gibt es beispielsweise in Eberswalde sogar eine twitternde Buche, die quasi selbstständig über ihren Zustand erzählt, zu finden unter treewatch.net