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"Nachhaltiges" Smartphone Fairphone 3 vorgestellt

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Alles begann mit einem Projekt bei einem Holländischen Forschungsinstitut. Die Idee: Man muss doch Smartphones herstellen können ohne Mensch und Natur auszubeuten und ja, es geht!

Fairphone hat sich vorgenommen, möglichst viele Bauteile seiner Smartphones nachhaltig und unter menschenwürdigen Bedingungen produzieren zu lassen © Fairphone/CC BY-NC-SA
Fairphone hat sich vorgenommen, möglichst viele Bauteile seiner Smartphones nachhaltig und unter menschenwürdigen Bedingungen produzieren zu lassen | © Fairphone/CC BY-NC-SA

Im Jahr 2013 kam das erste Fairphone auf den Markt, ein modulares Smartphone mit transparenter Lieferkette und unter Vermeidung so genannter Konfliktrohstoffe. Die Idee kam an und so wurde im Juni 2015 das Fairphone 2 der Weltöffentlichkeit präsentiert, das nun auch quasi in kompletter Eigenregie entwickelt wurde. Dafür wurde ein Crowdfunding-Projekt gestartet, das Geld kam zusammen und das Gerät auf den Markt. Gestern also ziemlich genau vier Jahre später wurde in Berlin das Fairphone 3 präsentiert, das ab Anfang September im Handel sein wird.

Sven Oswald hat die Idee und die Geschichte des Fairphone von Anfang an begleitet und berichtet darüber.

Fairphone hat sich vorgenommen, möglichst viele Bauteile seiner Smartphones nachhaltig und unter menschenwürdigen Bedingungen produzieren zu lassen © Fairphone/CC BY-NC-SA
Fairphone/CC BY-NC-SA
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Erklär nochmal etwas ausführlicher die Idee des Fairphones, was ist daran fair?


Alles, also alles was geht. Es gibt ja verschiedene Probleme bei der Herstellung von Smartphones, die man angehen muss: Zum Beispiel die Rohstoffe, beispielsweise Coltan, Cobalt und Zinn, die häufig in Mienen in Kriegsgebieten abgebaut werden - unter menschenunwürdigen Bedingungen. Hier wird konfliktfreies Zinn und Wolfram verwendet und recyceltes Kupfer und Kunststoffe sowie – ja das gibt es – Fairtrade-Gold.

Das zweite große Problem sind die Arbeitsbedingungen in den Fabriken, die die Dinger zusammenbauen. Hier wird nur dort produziert, wo Sicherheit gewährleistet ist und die Arbeitsbedingungen stimmen und durch eine Bonuszahlung an die Arbeiter wird aus einem Mindestlohn ein existenzsichernder Lohn.

Das klingt schon mal fair, aber inwieweit sind die Geräte selber anders als andere Smartphones?


Sie sind für die Ewigkeit gemacht, also so konstruiert, dass sie nicht alle zwei Jahre weggeschmissen werden müssen und dass sie auch mehrere Betriebssystemupgrades überleben.

Fairphone hat die modulare Bauweise weiterentwickelt und verfeinert, um mit dem dritten Modell zukünftig ein noch zuverlässigeres und robusteres Smartphone zubieten © Fairphone/CC BY-NC-SA
Fairphone hat die modulare Bauweise weiterentwickelt und verfeinert, um mit dem dritten Modell zukünftig ein noch zuverlässigeres und robusteres Smartphone zubieten | © Fairphone/CC BY-NC-SA

Wie geht sowas?


Durch die schon erwähnte modulare Bauweise. Während die anderen großen Hersteller alles fest verkleben und somit unaustauschbar machen, sind im Fairphone aktuell sieben verschiedene austauschbare Module drin, vom Akku über die Kamera über den Prozessor und das Display, also alles, was man aktualisieren muss, wenn es schneller sein muss und alles, was man normalerweise austauschen muss, wenn es mal runterfällt oder so. UND: Man kann es alles selber machen, braucht keine teuren Werkstätten, kein Einschicken, das spart wohl auch schon 30 Prozent CO2.

Das überzeugt, aber letztendlich spielen Design, Preis und Leistung eine große Rolle bei der Entscheidung, kann das Fairphone 3 bei anderen Smartphones mithalten?


Also im Design muss man Abstriche machen. Wenn nicht alles eng verklebt ist, wird so ein Smartphone eben etwas dicker und auch die Displayränder sind etwas größer, aber dafür liegt der Schraubenzieher zum selber reparieren von Anfang an mit bei.

Ansonsten ist es ein wirklich brauchbares Mittelklasse-Smartphone mit 5,6 Zoll Display, 64 GB Speicher und MicroSD-Slot, einer 12 und einer 8 Megapixel Kamera vorne, einem Fingerabdrucksensor und Android 9 als Betriebssystem. Bei einem Preis von rund 450 Euro ist es eine echte Alternative mit der man gleich mehrfach Gutes tut!