Medizinische Notizen

Wie gesund kuscheln ist

mit Dr. med. Julia Fischer

Wir haben DEN Valentins-Geschenktipp für Sie: eine Einheit Kuscheln!

Wildschweine - Frischlinge kuscheln in der Sonne © imago/imagebroker
Wildschweine - Frischlinge kuscheln in der Sonne | © imago/imagebroker

Das mag im ersten Moment vielleicht platt klingen, ist aber der Knaller: Kuscheln ist gratis, sehr angenehm und obendrein unglaublich gesund - sagt radioeins-Ärztin Dr. Julia Fischer.

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Warum? Was passiert beim Kuscheln in unserem Körper?


Wissenschaftlich betrachtet ist Kuscheln erstmal nichts anderes als ein Berührungsreiz auf unserer Haut. Jedes Streicheln, jedes Drücken wird hier von winzigen Sensoren aufgenommen und über Nervenbahnen ans Gehirn weitergeleitet - und da sorgt die Berührung dann für ein Feuerwerk aus Hormonen. Das wichtigste ist unser Kuschelhormon Oxytocin - das ist verantwortlich für den Großteil der positiven Effekte von Kuscheln.

Und zwar, welche sind das?


Oxytocin ist zum Beispiel schon während der frühkindlichen Entwicklung superwichtig. Bei Neugeborenen sorgt es nämlich dafür, dass sich bestimmte Nervenzellen im Gehirn überhaupt erst bilden. Wenn das nicht passiert, ist der Hormonhaushalt für immer gestört, die Personen sind ihr Leben lang stressanfälliger und haben eher Schwierigkeiten, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen.

In einem schrecklich fiesen Experiment mit Menschenaffen haben Forscher mal untersucht, was passiert, wenn Babys null Körperkontakt zu ihren Eltern haben und nur eine Flasche in den nackten Käfig gereicht bekommen: die Kleinen sind gestorben. Kuscheln ist also sogar überlebenswichtig. Auch bei Menschen wissen wir, dass Frühgeborene und Säuglinge sich deutlich schneller und besser entwickeln, wenn sie regelmäßig in den Arm genommen werden.

Wow! Und bei uns Erwachsenen?


Hat Oxytocin auch eine ganze Reihe toller Effekte. Studien haben gezeigt, dass es unser Stresshormon Cortisol hemmt. Das heißt, nach einem langen, stressigen Tag kann eine Kuscheleinheit uns entspannen, Ängste vertreiben und für erholsameren Schlaf sorgen.

Und es ist gut für unser Herz-Kreislauf-System: schon wenige Minuten Händchen-Halten zum Beispiel sorgen dafür, dass der Puls sich verringert und der Blutdruck sinkt.

Auf lange Sicht schützt Kuscheln also sogar vor Herzinfarkt und Schlaganfall. Außerdem wurde in Studien gezeigt, dass Oxytocin unser Immunsystem stärkt - Menschen, die viel körperliche Nähe mit anderen austauschen, werden seltener krank.

Oxytocin ist doch auch bekannt als unser Bindungshormon, oder?


Ja, ganz genau. Die wichtigste Bedeutung hat es bei der Bindung zwischen Mutter und Baby - aber auch bei Paaren sorgt es für ein stärkeres Verbundenheitsgefühlt. Und Untersuchungen haben gezeigt, dass es uns unseren Partner attraktiver finden lässt.

Das alles stärkt die Theorie, dass das Oxytocin auch das Hormon für Treue und Monogamie ist: Je mehr Partner miteinander kuscheln, desto mehr Oxytocin wird in ihren Gehirnen ausgeschüttet, desto mehr Lust haben sie auf Kuscheln mit ihrem Partner, den sie obendrein noch total attraktiv finden, das Mehr an Kuscheleinheiten führt zu mehr Oxytocin und so weiter. Und wieder ist das gut für unsere Gesundheit: Die Statistik zeigt nämlich, dass Menschen in Paarbeziehungen länger leben als Singles.

Oxytocin ist also ein echter Alles-Könner - welche Hormone werden beim Kuscheln noch ausgeschüttet und was bewirken sie?


Neben Oxytocin werden noch weitere Glückshormone ausgeschüttet: Dopamin, Serotonin und Vasopressin. Sie sorgen für das Kribbeln im Bauch, das „High“ bei frisch verliebten und machen, dass wir uns wohlfühlen und glücklich sind.

Wer in keiner festen Beziehung ist, muss jetzt nicht verzweifeln: all das funktioniert - in etwas abgeschwächter Form - nämlich auch, wenn man sein Haustier kuschelt oder sich eine Massage gönnt.