Medizinische Notizen

Die neue Corona-Teststrategie

mit Dr. med. Julia Fischer

Seit 15. Oktober gilt sie - die neue Teststrategie der Bundesregierung, die regelt, wer wann welche Tests auf das neuartige Corona-Virus bekommen soll.

In einer Teststation in den Niederlanden wird ein Corona-Schnelltest gemacht © dpa/ANP
In einer Teststation in den Niederlanden wird ein Corona-Schnelltest gemacht | © dpa/ANP

Ein ganz wichtiger Baustein darin sind die Antigen-Schnelltests, die ein Ergebnis schon innerhalb von 15 Minuten liefern können. Wie genau funktionieren die, wie sicher sind sie und wer wird sie in Zukunft bekommen?

Das fragen wir unsere radioeins-Ärztin Dr. Julia Fischer.

Wie unterscheiden sich die Schnelltests denn im Testvorgang zu den bisher gängigen PCR-Tests?


Also gleich bleibt, dass ein Abstrich aus dem Nasen-Rachen-Raum genommen wird. Heißt: Wattestäbchen einmal durch den Mund und einmal durch ein Nasenloch ganz weit in den Hals. Die Viren sitzen nämlich ziemlich weit hinten, an der Hinterwand des Rachens - und da hinzukommen kann ein wenig unangenehm sein. Muss aber so sein, damit das Ergebnis korrekt wird- und genau aus diesem Grund sollen auch diese Schnelltests von medizinischem Personal gemacht werden. Sprich: Selbsttests zu Hause sind damit erstmal nicht möglich. Nach dem Abstrich gehts dann anders weiter als bei der PCR: Jetzt wird nämlich das Stäbchen in ein Röhrchen gesteckt und mit einer bestimmten Lösung vermengt, und die Mischung wird dann auf einen Teststreifen getropft. Und ab da funktioniert es eigentlich wie ein Schwangerschaftstest: Ein positives Ergebnis liegt vor, wenn nach grob 15 Minuten zwei farbige Balken auf dem Teststreifen aufrauchen.

Der Schnelltest weist aber andere Teile des Virus nach als der PCR-Test oder?


Genau. Der PCR-Test weist die Erbsubstanz, also die ganz spezifischen Genbausteine des neuartigen Coronavirus nach. Und auf dem Teststreifen des Antigen-Schnelltests sitzen winzige Moleküle, die auf Bausteine aus der Hülle des Virus reagieren - die sogenannten Antigene. Wenn die vorhanden sind, wird der Test positiv.

Und wie sicher ist das Ergebnis m Vergleich zum PCR-Test?


Im Vergleich mit der PCR ist der Schnelltest deutlich weniger empfindlich. Heißt: Er erkennt eine Infektion vor allem dann, wenn die Person sehr viel Virus in sich trägt. So sind positive Ergebnisse zu über 99 Prozent korrekt. Aber: Der Test wird ungenau, wenn die Virusmenge nicht so hoch ist - dann kann er immer mal wieder eine Infektion übersehen und ein negatives Ergebnis liefern, obwohl jemand das Virus sehr wohl in sich trägt. Das Gute daran ist: Mit dem Test kann man ziemlich sicher die ansteckenden Personen identifizieren, die eine Gefahr für andere darstellen könnten - weil die eben besonders viel Virus in sich tragen. Das ist natürlich erstmal super. Gleichzeitig bleibt aber etwas Restunsicherheit, ob nicht vielleicht eine Infektion übersehen wurde.

Was bedeutet das für die Anwendung der Tests - wann ist welcher Test der beste?


Im Prinzip heißt das: Immer, wenn es darum geht, die Diagnose "Covid-19 - ja oder nein?" zu stellen, bleibt die PCR der Goldstandard. Aber mit den Schnelltests können die Labore entlastet werden. Bei Tests, die nicht aufgrund eines dringenden Verdachts gemacht werden, sondern zur Risikoreduktion, eignen sie dich Schnellste prima - und dann können die Labore sich auf die wichtigen PCR-Tests fokussieren und könnten in dringenden Fällen wieder schneller Ergebnisse liefern. Deswegen möchte die Regierung die Schnelltests zuerst primär in medizinischen Einrichtungen - also Krankenhäusern und Pflegeheimen zum Beispiel einsetzen, sodass die Risikogruppen darin vor ansteckendem Personal oder Besuchern geschützt werden.

Auch in Kitas, Schulen oder Gemeinschaftseinrichtungen wie Asylbewerberheimen sind sie denkbar, allerdings wird es erstmal eine recht strenge Priorisierung des medizinischen Bereichs geben - denn noch stehen nicht unendliche Massen an den Tests zur Verfügung.

Das bedeutet wohl auch, die Hoffnung, dass bei Veranstaltungen Einlasskontrollen per Antigentest einen sorgenlosen Aufenthalt in Theatern oder Clubs ermöglichen, ist erstmal Wunschgedanke?


Leider ja. Ich würde uns allen sehr gönnen, wieder fröhlich ein ausgelassenes Veranstaltungs- und Nachtleben führen zu können - aber das können die Schnelltests erstmal nicht leisten. Das Restrisiko, das eine infizierte Person übersehen wird, bleibt - und auf der Prioritätenliste für die Verteilung der Tests stehen die Risikogruppen einfach erstmal ganz oben.