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Kinderbücher zum Thema LGBTQI

Heute stellt Wiebke Keuneke Kinderbücher zum Thema LGBTQI vor.

Kinderbücher zum Thema LGBTQI
Kinderbücher zum Thema LGBTQI | © Keuneke

Heute stellt Wiebke Kinderbücher zum Thema LGBTQI vor –Wiebke, inwiefern spielt das Thema in Kinderbüchern eine Rolle?

Wiebke Keuneke: Es gibt die Bücher, in denen einfach beiläufig erwähnt wird, dass das Kind zum Beispiel zwei Mütter oder zwei Väter hat – davon gibt es ein paar, aber leider noch nicht so viele. Gerade diese Beiläufigkeit und eine dadurch geschaffene Normalität finde ich ja so enorm gut. Bei mir geht es aber heute um Kinderbücher in denen z.B. Homosexualität ganz explizit Thema des Buches ist. Wie z.B. „Zwei Jungs und eine Hochzeit“ (Südpol Verlag), wo es um genau das geht, zwei beste Freunde, die heiraten wollen. Ein Elternpaar ist ganz stolz, dass andere aber sagt „das geht nicht“.Das Buch beschreibt ganz behutsam, dass Eltern nicht immer alles wissen (und nicht immer Recht haben) und fordert die Kinder auf, auf ihr Bauchgefühl zu hören. Denn: Kinder kommen nicht mit Vorurteilen auf die Welt. Deswegen empfehle ich die Bücher schon im Vorschulalter zu lesen. Das gilt auch für „Flora und der Honigkuss“ (Marta press), in dem es um eine Prinzessin geht, die einfach partout keine Lust hat Frösche zu küssen, einfach aus dem Grund, weil sie überhaupt keinen Prinzen will. Sondern – und so endet das Buch – sie freut sich riesig als sie eine Prinzessin trifft, der es genauso geht wie ihr. Und die küsst sie dann gerne.

Das klingt doch schon mal ganz gut, dass Männer Männer heiraten und Frauen andere Frauen lieben können. Welche Bücher hast Du denn zu den Themen „Trans“ und „Inter“ rausgesucht?

Wiebke Keuneke: Das Buch „ P.S. Es gibt Lieblingseis“ (Marta press) hat nicht nur einen tollen Titel, sondern es ist ein Erklärbuch im weitesten Sinne, heißt in eine Geschichte verpackt, die Kinder so mit 6/7 Jahren sehr gut nachvollziehen können. Erster Schultag, Vorstellungsrunde, mein rechter, rechter Platz ist frei – Kennenlernspielchen. Und dann gibt es Bella, die intergeschlechtlich ist – und keine*r kann etwas damit anfangen, außer der Lehrerin und gemeinsam mit Bella wird erklärt, was Intergeschlechtlichkeit bedeutet, leider geht es erstmal nicht so gut auf, Bella wird vom Jungen- und Mädchenklo runtergemobbt – in der Kita vor der Grundschule gab es einfach Toiletten für alle. Also kommt ein paar Tage später ihr Vater in die Schule und hilft zu vermitteln und will, dass die Kinder sich immer für eine von zwei Gruppen entscheiden müssen, groß oder klein, lockige oder glatte Haare, es gibt nichts dazwischen, auch bei der Frage Erdbeer- oder Schokoeis. Und dieses Gefühl, wie blöd es ist, sich entscheiden zu müssen, das können die Kinder dann gut nachvollziehen. Besonders toll an dem Buch ist, dass es mit Hilfestellungen für den Vorlesenden kommt, wie über das Thema Intergeschlechtlichkeit gesprochen werden kann.

Kinderbücher zum Thema LGBTQI
Kinderbücher zum Thema LGBTQI | © Keuneke

Das klingt so als wäre Erklärbuch aber nicht das einzige Genre, was es zu dem Thema gibt.

Wiebke Keuneke: Genau, wer es etwas weniger plakativ sondern spielerischer haben möchte, dem empfehle ich „Julian ist eine Meerjungfrau“ (Knesebeck). Den wunderschönen Illustrationen nach spielt es vielleicht in einem afrosüdamerikanischen Kontext, ist aber eigentlich auch zweitrangig, denn es geht um Julians Faszination als Meerjungfrau durchs Leben zu gehen und seine Oma, die das unterstützt und fördert und ihm zeigt, dass er damit nicht alleine ist.

Es braucht keinen konkreten Anlass, um den Kindern diese Bücher vorzulesen, ich will wirklich alle ermutigen einfach mal zu einem dieser Büchern zu greifen – und zu schauen, was passiert, zum Beispiel das Buch „Von den Sternen am Himmel zu den Fischen im Meer“ (Edition Assemblage“)

Also, es geht um ein Baby, dass sich nicht entscheiden kann, was es ist. Mal wachsen ihm Flügel, mal Flossen – und es war glücklich und fühlte sich von seiner Mutter geliebt. Bis zu dem Tag an dem es in die Schule kam – und es gefragt wurde, was es denn sei, Junge oder Mädchen – und es war ganz perplex. Den einen Tag trug es ganz viel Glitzer, um den Mitschülerinnen zu gefallen, den anderen Tag ganz dicke Stacheln, um den Mitschülern zu gefallen. Usw. Die Geschichte löst sich dann am Ende gut auf und es wird von den anderen Kindern akzeptiert und gemocht, aber es ist ein schwieriger Weg. Nur die Mutter bleibt immer bei ihren guten Wünschen: „Was immer du dir wünscht, kannst du sein, glaub ich sehr. Von den Sternen am Himmel zu den Fischen am Meer“. Und bei meinem 6-jährigen hat das so ein Strahlen ausgelöst, dieses Gefühl, was, wenn ich alles sein kann, was wenn ich mich nicht entscheiden muss, was, wenn ich heute so und morgen so. Und das fördert dann auch die Akzeptanz und Toleranz. Und – damit komm ich zum Schluss: das wünsche ich allen jungen und jüngsten Radioeins Hörer*innen für die Sommerferien diese Freiheit im Ausprobieren, vor allem im Denken und Fühlen!


Buchtipps


Von den Sternen am Himmel zu den Fischen am Meer (Edition Assemblage)

Julian ist eine Meerjungfrau (Knesebeck)

Julian feiert die Liebe (Knesebeck)

PS: Es gibt Lieblingseis (Mart press)

Flora und der Honigkuss (Mart press)

Zwei Jungs und eine Hochzeit (Südpol)

Herr K macht Wiau (Südpol)

You don't look gay (Bohem)

Der Mann meines Bruders (Carlsen)

Queer heroes 53 LGBTQ Held*innen (Prestel)