Alles andere als pille-palle

Kinderbücher über Achtsamkeit

Kinderbücher mit Wiebke Keuneke

Das Leben ist vielfältig und mitunter schwierig. Aber Kinder wollen alles ganz genau wissen, egal ob knorke oder kompliziert. Und das sollen sie auch. Zum Glück gibt es zu (fast) allen Themen Kinderbücher. Mithilfe von Expert*innen wählen wir die besten für Sie aus und lernen, wie man mit Kindern über den Tod, Rassismus, Behinderung, Religionen und alles andere, was angeblich "nur für Erwachsene" ist, spricht.

Buchcover "Ein gutes Gefühl" von Jan Lenarz und Lena Kuhlmann © Ein guter Verlag
Buchcover "Ein gutes Gefühl" von Jan Lenarz und Lena Kuhlmann | © Ein guter Verlag

Passend zum neuen Jahr, das noch so frisch vor uns liegt, spricht Wiebke Keuneke heute über das Thema Achtsamkeit für Kinder.

Buchcover "Ein gutes Gefühl" von Jan Lenarz und Lena Kuhlmann © Ein guter Verlag
Ein guter Verlag
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W.K.: Genau – und die Eltern sitzen jetzt zu Hause mit ihren Kindern, Schulen zu, Kitas zu, versuchen nebenbei irgendwie im Homeoffice zu arbeiten – und denken jetzt: "Achtsamkeit", tickt die nicht mehr richtig? Wir sind momentan froh, wenn wir uns nicht zerfleischen. Kann ich sehr gut nachvollziehen, aber Entwarnung, es ist gar nicht soo eine Kraftanstrengung und im Endeffekt profitiert der Familienfrieden davon.

S.W.: Also ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, um mit einem kleinen Achtsamkeitstraining anzufangen, und Du hast ja gute Kinderbücher mitgebracht, die den Eltern dabei helfen können.

W.K.: Und ob. Das sind zum Beispiel ganz praktische, wie das Buch "Ein gutes Gefühl". An dem hat Lena Kuhlmann mitgearbeitet. Sie ist Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche.

"Wenn Kinder lernen auf ihre Gefühle zu achten und achtsam zu sein, profitieren sie davon ein Leben lang und eigentlich auch in allen Lebenssituationen, weil sie die Möglichkeit haben sich zu regulieren und sich andern gegenüber mitzuteilen, wie geht’s mir gerade, was brauche ich von dir.“

Das Buch funktioniert wie ein Tagebuch, in dem man jeden Abend einträgt, wie es einem geht. Dafür gibt es so kleine Monster, die alle möglichen Gefühle darstellen. Mithilfe der Eltern geht das sogar schon im Vorschulalter.

Heute bin ich von Mies van Hout
Heute bin ich von Mies van Hout | © Aracari

Da kann man auch schon einen kleinen Eindruck von der Anmutung der Bücher bekommen. Ein ganz simples, aber nicht minder starkes Buch ist "Heute bin ich" mit toll gezeichneten Fischen, die sehr deutlich die ganze Bandbreite der Gefühle zum Ausdruck bringen.

"Das schöne ist, dass die Gefühle da relativ neutral nebenher existieren, also die Fische und das sie nicht bewertet werden und das ist auch was, was in der Achtsamkeit praktiziert wird also man versucht einfach die Gefühle anzunehmen, es ist, wie es ist ohne dass man die kategorisiert, also die böse Wut oder so", erklärt Lena Kuhlmann.

Also das Prinzip ist, wenn Kinder ihren Gefühlen Aufmerksamkeit schenken und schon von klein auf lernen, diese Emotionen genau zu benennen, können sie in einem zweiten Schritt daraus dann mit der Zeit ableiten, was sie brauchen, also z.B. mal allein sein, oder Wut rausschreien müssen oder eine Umarmung.

Der Daily Lama von Saskia Gaymann
Der Daily Lama von Saskia Gaymann | © mediahochzwei

S.W.; Wenn ich an Achtsamkeit denke, dann denke ich automatisch auch an Yoga, Atmen, Meditation – gibt es das für Kinder auch so?

W.K.: Genau – und Lena Kuhlmann hat da einen Buchtipp aus ihrer Arbeit als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin mitgebracht. Und zwar hat es den tollen Namen "Der Daily Lama – wie Sam Freundschaft mit einem Lama schloss". Und das sind kurze Erzählungen über das "Yogasitzen, Lamaköttel und große Träume".

"Ich finde das Buch deswegen so toll, weil man die sehr gut in den Alltag integrieren kann, die sind nicht zu lang, sie sind auch noch sehr lustig und das tolle und das tolle ist, die Entspannungsübungen fließen so nebenbei mit ein. Und da gibt es ganz verschiedene Übungen, Meditation, Körperübung oder so ein Mantra. Da ist für jeden was dabei."

Der Daily Lama ist ein richtiger Entspannungsheld. Und wahrscheinlich hat der auch seine Gedanken unter Kontrolle. Denn wer sich selber schon mal mit dem Thema Achtsamkeit und Co beschäftigt hat, weiß, dass einem die eigenen Gedanken oft das Leben schwer machen – und das kann auch schon bei Kindern im Vorschul- und Grundschulalter so sein.

"Ich glaube, wenn man sich Sorgen macht, dass das Kind viel grübelt und belastet wirken kann, dann ist es schön, wenn man Rituale schafft oder im Tagesablauf bestimmte Momente, in denen man sich diesen Gedanken widmet.“

Das kann z.B. sein, dass man abends immer gemeinsam über den Tag spricht, wie wars, worüber hast du dich gefreut, was war schwierig, wofür können wir dankbar sein, aber auch auf den nächsten Tag guckt und das Kind äußern kann, was es sich wünscht. Passend dazu gibt es das wunderbare Buch von zwei Spanierinnen „Gedanken“.

Happy von Nicola Edwards
Happy von Nicola Edwards | © 360grad

S.W.: Vom Tagebuch, über ein Arbeitsbuch und kurzen Erzählungen hast Du unterschiedliche Formate vorgestellt. Aber wie ich Dich kenne, hast du bestimmt noch einen Buchtipp, wo die Illustrationen besonders gelungen sind.

W.K.: Unbedingt. Und zwar das Buch "Happy – Das Buch vom Glück des Moments". Zauberhaft und vor allem wunderbar divers illustriert. Erster Satz: Das wahre Leben spielt sich direkt vor deiner Nase ab, verpass es nicht, nur weil du dauernd, was zu tun hast. Meine Expertin Lena Kuhlmann ist auch ganz angetan.

"Das find ich immer schön, wenn die Message eines Buches so ein bisschen spielerisch verpackt ist, so zwischen den Zeilen. Das sind dann auch Bücher, die so im Herzen bleiben. Man weiß das vielleicht noch aus der eigenen Kindheit, das man so bestimmte Geschichten einfach nicht vergisst."

Ja, wie zum Beispiel der Meister der Achtsamkeit: Beppo, der Straßenfeger aus Momo, der sagt: "Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude."


Buchtipps von Wiebke Keuneke:

- "Ein gutes Gefühl" von Jan Lenarz und Lena Kuhlmann (Ein guter Verlag)

- "Daily Lama" on Saskia Gaymann (Medhochzwei Verlag)

- "30 Bildkarten für Kinder: Achtsamkeit und Körperwahrnehmung" von Maria Holl (Donbosco Medien)

- "Heute bin ich" von Mies van Hout (Aracari Verlag)

- "Gedanken – Achtsamkeit für Kinder" von Sofia Gil und Merce Gali (Mentor Verlag)

- "Happy" von Nicola Edwards und Katie Hickey (360-Grad-Verlag)

Buchtipps von Wiebke Keuneke
Buchtipps von Wiebke Keuneke | © radioeins

- "Der Achtsame Tiger" von Emilia Dziubak und Przemyslaw Wechterowicz (Mentor Verlag)

- "Das Farbenmonster" von Anna Llenas (Verlagshaus Jacoby & Stuart)

- "Yoga für Kinder" von Violeta Arribas (Mentor Verlag)

- "Der Glücksverkäufer" von Davide Calie und Marco Soma (Carl Auer Verlag)

- "Alle Farben des Lebens" von Lisa Aisato (WOOW Verlag)