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Bücher über Kinderrechte

Kinderbücher mit Wiebke Keuneke

Heute vor 30 Jahren ist die UN-Kinderrechtskonvention für Deutschland völkerrechtlich in Kraft getreten.

Bücher über Kinderrechte
Bücher über Kinderrechte | © radioeins

Wiebke Keunekestellt uns Bücher zum Thema vor.

Warum gibt es denn so explizit Kinderrechte – denn eigentlich könnte man doch meinen, dass sie natürlich mit unter die Menschenrechte fallen?

Weil es leider nicht gereicht hat, so die traurige Antwort. Vor 74 Jahren haben sich die Vereinten Nationen auf die Erklärung der Menschenrechte geeinigt, aber sie mussten feststellen, dass Kinder und Jugendliche doch nur indirekt und vertreten durch Erwachsene Zugang zu ihren Rechten bekommen haben (oder halt nicht). Also zum Beispiel Eltern im Namen ihrer Kinder entscheiden, was dazu führt, dass Erwachsene alles unter sich ausmachen. In der UN-Kinderrechtskonvention, die für alle unter 18 Jahren gelten, steht ausdrücklich, dass die Kinder und Jugendlichen selber und unmittelbar Träger*innen dieser Rechte sind – also nicht passives Anhängsel oder gar Eigentum ihrer Eltern sind. Und ihre Sichtweise bei allen Maßnahmen, die sie betreffen, ernst und wahrgenommen werden muss..

Was sind denn die wichtigsten Rechte aus der UN-Kinderrechtskonvention?

Insgesamt umfasst die UN-Kinderrechtskonvention 54 Artikel. Die sage ich jetzt nicht alle auf (findet man in den Büchern) aber interessant ist, wie sie gegliedert werden. In die Schutzrechte (P wie Protection) Dazu gehört natürlich Schutz vor Gewalt jeglicher Art , aber auch der Schutz vor Suchtstoffen und ein extra Artikel gilt dem besonderen Schutz für geflüchtete Kinder. Dann gibt es die Versorgungsrechte (P wie Provision) also das Recht auf gute Gesundheitsversorgung (angefangen vom Recht auf sauberes Wasser etc) und natürlich das Recht auf Bildung. Das steht seit Corona erheblich in der Kritik. Und schließlich die Beteiligungsrechte (P wie Participation), zu denen gehört, dass Kinder und Jugendliche das Recht auf eine freie Meinung haben und dass diese auch in Entscheidungsprozessen miteinbezogen wird. Das fordert ja Fridays For Future. Anderes - konkretes Beispiel für Berlin: Wenn es also um die Sicherheit von Schulwegen geht, müsste – theoretisch – der Senat die Meinung der betroffenen Schüler*innen miteinbeziehen. Es wäre also nicht übertrieben sondern im Sinne der UN-Kinderrechtskonvention eine Kinderbeauftragte im Senat zu haben. Deutschland hat sich nämlich verpflichtet diese Kinderrechte umzusetzen und sogar jedes Jahr ein bisschen besser zu werden.

Und wird Deutschland jedes Jahr ein bisschen besser bei der Einhaltung und Umsetzung der Kinderrechte?

Dem mit Abstand größten Kritikpunkt, dem sich Deutschland gegenüber den Kontrollinstanzen der Vereinten Nationen wiederholt stellen muss, ist, warum in einem der reichsten Länder der Welt die Kinderarmut nach wie vor so hoch ist. Mit dem gesonderten Schutz von geflüchteten Kindern in Sammelunterkünften sieht es auch nicht sonderlich gut aus und das Recht auf Bildung ist wie gesagt auch stark in der Kritik.

Du hast drei Buchempfehlungen für unterschiedliche Altersgruppen, die Sie online auf radioeins.de in Ruhe nachlesen können. Sagst Du noch einen Satz pro Buch.

Unbedingt. Weil man nicht früh genug anfangen kann, seine Rechte zu kennen damit man sie einfordern kann, aktueller denn je: das Recht auf Frieden, auf Gewaltlosigkeit, auf Schutz, das Buch schon für Vorschüler, geradezu poetisch, perfektes Geschenk, es heißt: „Ich bin ein Kind und ich habe Rechte.“

Dann für 11/12-jährige „Know your rights“ – ein Büchlein so groß wie ein Smartphone, perfekt in der U-bahn lesbar. Allein das Vorwort von Luisa Neubauer ist es schon wert das Buch zu kaufen. Wer es noch ein bisschen internationaler will, braucht das Buch „Du hast Rechte“ entstanden in Zusammenarbeit mit Amnesty International. Es geht noch einen Schritt weiter und stellt junge Aktivist*innen aus aller Welt vor, die für ihre Rechte eintreten und gibt Tipps, wie man selber aktiv werden kann.

Buchempfehlungen:


Ab 4 Jahren:
„Ich bin ein Kind und ich habe Rechte“
von Alian Serres, NordSüd Verlag.

»Ich bin ein Kind mit Augen, Händen, einer Stimme, einem Herzen und mit Rechten.« 1992 wurde die UN-Konvention über die Rechte des Kindes in Deutschland ratifiziert. Doch noch immer ist deren Einhaltung keine Selbstverständlichkeit. Dieses Buch will dazu beitragen, dass die Kinder ihre Rechte kennen. Farbenfroh und poetisch, aber dennoch unmissverständlich werden die wichtigsten der insgesamt 54 Kinderrechte vorgestellt.


 

Ab 11/12 Jahren:
„Know your rights – Klartext über die Rechte von Kindern und Jugendlichen. Mit einem Vorwort von Fridays for Future-Aktivistin Luisa Neubauer“
von Claudia Kittel, Dressler-Verlag.

Die Rechte von Kindern und Jugendlichen sind Menschenrechte – und werden doch häufig missachtet. Umso wichtiger, dass du deine Rechte genau kennst. Denn sie müssen nicht nur geschützt, sondern auch in den entsprechenden Debatten berücksichtigt und verwirklicht werden. So will es die UN-Kinderrechtskonvention. Kinderrechtsexpertin und Erziehungswissenschaftlerin Claudia Kittel erläutert dir deine Rechte und hilft dir, sie zu verstehen. Kurz und knackig, informativ und empowernd. Damit du für dich und deine Rechte einstehen und in Diskussionen stark bleiben kannst.


 

„Du hast Rechte! Kinderrechte erklärt für Kinder und Jugendliche“ von Geraldine Van Bueren/Angelina Jolie für Amnesty International, Loewe Verlag.

Deine Rechte, deine Zukunft! Wusstest du, dass du ein Recht auf Freizeit hast? Auf Bildung? Oder auf ein sicheres Zuhause? Obwohl diese Rechte unabhängig von deiner Nationalität, Hautfarbe, Geschlecht, Alter, Religionszugehörigkeit oder sexuellen Orientierung gelten, ist ihre Einhaltung nicht überall selbstverständlich. Lerne, wie Kinderrechte entstanden sind und welche es gibt. Erfahre, wie sich Kinder und Jugendliche weltweit für ihre Rechte einsetzen und wie du dich ihnen anschließen kannst. Nutze deine Rechte – denn nur so kannst du dein Leben und das von vielen anderen zum Positiven verändern! Mit einem Vorwort von Angelina Jolie, Sondergesandte des UN-Flüchtlingshilfswerks