Internationale Filmfestspiele Berlin

Politische Kurzfilme auf der Berlinale

Die Festivalleitung der Berlinale hat die ersten Preisträger bekanntgegeben. Mit dem Goldenen Bären der "Berlinale Shorts" wird der Kurzfilm "My Uncle Tudor" von Olga Lucovnicova prämiert. Der Silberne Bär der Kurzfilm-Jury geht an den Film "Day is Done" des chinesischen Regisseurs Zhang Dalei.

Heute werden bereits die Gewinner des Goldenen Bären bei der digitalen Berlinale bekannt gegeben. Knut Elstermann berichtet heute Abend wieder live im Berlinale Talk von 19 bis 21 Uhr über die ausgezeichneten Filme.

Bereits gestern gab es schon Goldene und Silberne Bären für die Kurzfilme - die Berlinale Shorts. Die Festivalleitung zeichnet die belgisch-portugiesisch-ungarische Produktion "My Uncle Tudor" mit einem Goldenen Bären aus. Den Silbernen Bären bekommt der chinesische Kurzfilm "Day is Done".

Julia Vismann hat sie angeschaut und berichtet darüber.

Kurzfilme kommen ja immer etwa zu kurz - aber hast Du etwas spannendes entdeckt bei den Kurzen Wettbewerbfilmen der Berlinale?


Ja, 20 Filme aus der ganzen Welt - zwischen zehn und 20 Minuten lang - vom Experimentalfilm bis zum Animationsfilm ist alles dabei. Die sind nicht leicht miteinander zu vergleichen. An einem Film bin ich aber direkt hängen geblieben. "Deine Straße" von der Schweizer Filmregisseurin Güzin Kar. Ein Film in der acht Minuten lang eine karge menschenleere Straße im Gewerbegebiet von Bonn gezeigt wird. Dazu ein starker Text gesprochen von Sybille Berg.

Die Straße heißt Saime-Genc-Ring und ist nach dem jüngsten Opfer des rassistischen Brandanschlags auf das Haus der Familie Genc in Solingen 1993 benannt worden - bei dem alle fünf Familienmitglieder ermordet wurden.

Welche Wirkung hat der Film auf Dich gehabt?


Der hat mich umgeworfen. Es ist eine Anklage und eine Auseinandersetzung mit dem, wie wir Erinnern und da wirkt es gerade zu zynisch, dass eine abgelegene Straße Mahnmal sein soll für ein Kind, dass für immer vier Jahre alt bleiben wird, weil Neonazis es ermordet haben. Der Film zeigt eine schreckliche Kontinuität auf von rassistischen Anschlägen in Deutschland. Einen Preis hat der Film nicht bekommen, weil andere filmisch interessanter waren, sagt der Schauspieler Sebastian Urzendowsky, der gerade in "Wir kinder vom Bahnhof Zoo" zu sehen ist und dieses Jahr zur Berlinale Kurzfilmjury gehört.

An welchen Kurz-Film ging denn der Goldene Bär?


An "Mein Onkel Tudor". Es ist ein rumänischer Film, der ein weiteres heftiges Thema zeigt. Die Filmemacherin Olga Lucovnicova, geboren in der Republik Moldau zwischen Rumänien und der Ukraine, geht zurück in das Haus ihrer Kindheit - alleine mit der Kamera. Sie trifft dort auf Tanten und einen Onkel. Zu sehen ist ein Garten mit reifen Kirschen, es scheint ein idyllischer Blick auf ihre Kindheit. Und dann stellt sie ihrem Onkel die Frage, ob er sich erinnert, an das, was er mit ihr gemacht hat als sie ein Kind war.

Jurymitglied Sebastian Urzendowsky hat vor allem die Intimität dieser Traumabewältigung bewegt, in die wir als Zuschauer*in Schritt für Schritt reingezogen werden.

Die Kamera schwenkt über die Wandteppiche und Details im Haus, während der Onkel zu hören ist, wie er sich rausredet und sagt, er habe doch nichts verbotenes getan, als er sie zärtlich angefasst habe. Eine Vergewaltigung sei das nicht gewesen.

Alle drei Jurymitgleider waren sich gleich einig, dass das filmisch große Kunst ist und den goldenen Bären verdient.

Zu sehen sein werden die Filme dann hoffentlich bei der Sommer Berlinale.