radioeins- und BR-Podcast

radioeins-Programmchef Robert Skuppin über "Zeit für Local Heroes"

Sie sind mutig, hartnäckig und bescheiden. Sie halten die Gesellschaft zusammen und gestalten Politik im Kleinen - unsere Local Heroes.

Robert Skuppin © radioeins/Schuster
Robert Skuppin | © radioeins/Schuster

Die Kabarettistin Franziska Wanninger und der Satiriker Serdar Somuncu gehen für die Podcast-Reihe "Zeit für Local Heroes" von radioeins und Bayern 2 (BR) an die Basis, also dahin, wo unsere Heldinnen und Helden der Lokalpolitik Demokratie im Kleinsten möglich machen und nur selten dafür beklatscht werden.

Lokalpolitker*innen überwinden Hindernisse, erleben Anfeindungen und investieren viel Herzblut in ihre Arbeit – auch nach Feierabend. Was motiviert sie? Franziska Wanninger und Serdar Somuncu besuchen zwölf Local Heroes in Berlin, Brandenburg und Bayern und schwenken das Spotlight auf sie und ihre Arbeit.

radioeins-Programmchef Robert Skuppin blickt auf die Entstehung des Projekts und Podcasts "Zeit für Local Heroes" und auf die Zusammenarbeit innerhalb der ARD-Rundfunkanstalten.

Robert Skuppin © radioeins/Schuster
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Das Gespräch mit Robert Skuppin in voller Länge:


radioeins: Warum überhaupt kam es auf diese Idee beim Kaffeetrinken? Man könnte ja auch sagen, es gibt auch eine Menge andere Menschen, die man gerade beleuchten könnte – Pflegekräfte, Ehrenamtliche und mehr.

Robert Skuppin: Ich glaube es gab tatsächlich die Geschichten, soweit ich mich an damals erinnern kann, und klar, da wurden auf einmal Geschichten erzählt von Kommunalpolitikern, die auch Kolleginnen und Kollegen hatten, die ich auch selber gemacht habe, über deren wahnsinniges Engagement und in der Art und Weise, wie sie versuchen auf der, sage ich mal, untersten Ebene der Politik, auch für die Gesellschaft was zu erreichen. Und wenn dann eine Geschichte zur anderen kommt, dann stellt man natürlich sehr schnell fest, wenn man in den Medien arbeitet, dass wir darüber jetzt nicht so intensiv berichten, dass das häufig nicht so in der Öffentlichkeit stattfindet, sondern wir uns natürlich auch stärker auf Spitzenpolitiker, Bundespolitik oder Landespolitik eben auch beziehen, und, dass es vielleicht mal ganz spannend wäre, die Menschen, die wirklich an der Basis die Arbeit tun, dafür eigentlich kaum Geld bekommen, kaum Anerkennung, häufig ehrenamtlich tätig sind und, wie wir wissen, vor allem in den letzten Jahren eben auch massiv angefeindet, angegriffen worden sind, du hast es ja schon gesagt, dass man sich mit denen mal wirklich beschäftigt, denen eine Bühne gibt und die beobachtet und sich mit ihnen auch tatsächlich auseinandersetzt.

Robert Skuppin: "Für uns sind es an dieser Stelle mal Helden"


radioeins:
Sind die deshalb automatisch alle Heldinnen und Helden, wie ihr es jetzt im Titel sagt? Local Heroes.

Robert Skuppin: Das weiß ich nicht, aber unsere Sichtweise war davon geprägt. Die Sichtweise war von Anfang an zwar schon geprägt, dass wir natürlich auch kritisch darüber berichterstatten wollen, aber trotz alledem wollen, dass sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden – auch mit den Problemen, die sie haben, mit der Art und Weise, wie sie ihre Arbeit eben auch präsentieren. Das soll kein Denkmal sein. Ja aber, dass wir schon sagen: Für uns sind es an dieser Stelle mal Helden. Und das ist der Fokus gewesen an dem Punkt – irgendwie zu sagen „Wow, das ist schon Wahnsinn, was ihr leistet und wie ihr euch einsetzt, und wir euch darum bemüht, dass diese Demokratie auch funktioniert.“

radioeins: Wer jetzt die letzten Tage radioeins gehört, hat halt vielleicht immer mal ein Ausschnitt gehört. Da gibt es zum einen unseren Kollegen Serdar Somuncu, den Kabarettisten, der hier in Berlin-Brandenburg mit diesen Politiker*innen spricht. Und es gibt aber auch sehr viel bayerischen Zungenschlag, weil es ja eine Kooperation ist mit dem BR. Wie ist es dazu gekommen?

Robert Skuppin: Das lag tatsächlich daran, dass, als dieses Projekt hier im rbb entstanden ist, schon als crossmediales Projekt dann irgendwann klar war, es gibt ja auch noch die Themenwoche, die der Bayerische Rundfunk veranstaltet, und dann ist man auf den Bayerischen Rundfunk zugegangen und hat gesagt, wollt ihr an diesem Projekt nicht mitmachen. Das ist ja auch passiert. Im Fernsehen lief auch der große Film am Montag dieser Woche, abends. Und gleichzeitig hat man dann gesagt, dann lasst uns doch auch den Podcast zusammen machen. Könnte ja auch mal ganz spannend sein, hier für die Region, wenn wir ein bisschen was Bayrisches hören.

Für den radioeins-Programmchef ist die Zusammenarbeit mit den anderen ARD-Rundfunkanstalten "eine Bereicherung".


radioeins:
Es ist die ARD-Themenwoche „Stadt, Land, Wandel“, weshalb da ganz viel gerade in allen möglichen ARD-Sendern passiert. Aber es gab ja vor kurzem schon mal einen anderen Podcast auch hier auf radioeins. „Cui Bono: WTF happened to Ken Jebsen?“ war sehr erfolgreich. Der war aber auch schon eine Kooperation, zum Beispiel mit dem NDR. Kriegen wir es nicht mehr allein hin? Ist das die Zukunft?

Robert Skuppin: Ja, es ist auf jeden Fall die Zukunft. Wir würden es vielleicht auch alleine hinkriegen. Aber die Frage ist: Ist das tatsächlich sinnvoll? Und vor allem haben wir dann doch große Probleme. Als regionales Programm geht es radioeins sehr gut hier in der Region. Aber Podcasts werden ja anders gemessen. Ich glaube, dass unsere Podcasts, die wir selber machen, auch in der Region Berlin-Brandenburg auch gut abgefragt werden. Aber dummerweise werden ja Podcasts anders bewertet, nämlich als nationale Produkte. Und daher stellen dann alle ARD-Anstalten fest, dass sie da eben auch langsam Probleme bekommen, wirklich wahrgenommen zu werden. Das ist ein gigantischer Trend, der entstanden ist. Und deshalb probiert man jetzt schon mal so Koalitionen und Allianzen aus, um gemeinschaftlich eben auch Themen zu entwickeln, die gemeinschaftlich dann auch zu produzieren und dann auch zu gucken, ob man da nicht gemeinschaftlich eben auch national eben Erfolg hat. Das ist was Neues. Die ARD kennt das im Fernsehen besser als im Hörfunk, und für den Hörfunk ist es eine Herausforderung. Aber es ist eine Bereicherung. Wir lernen jetzt tatsächlich Kollegen kennen, die ähnlich arbeiten wie wir, zu denen wir Jahrzehnte eigentlich keinen richtigen Kontakt hatten.

Das Interview führte radioeins-Moderatorin Nancy Fischer.