"Nur über meine Leiche"

KitKat und Sage-Club müssen schließen

Interview mit Sage-Betreiber Sascha Disselkamp zum Berliner Clubsterben

In Berlin müssen offenbar zwei der bekanntesten Clubs schließen. Wie die Berliner Zeitung berichtet, sind dem "Sage" und dem "KitKat"-Club die Räumlichkeiten in Mitte gekündigt worden.

Sage Club © imago images / Stefan Zeitz
Sage Club | © imago images / Stefan Zeitz

In den vergangenen Jahren sind mehrere Berliner Clubs geschlossen worden. Gründe waren unter anderem: Bauprojekte, steigende Mieten oder Beschwerden aus der Nachbarschaft. Der Betreiber des Sage-Clubs Sascha Disselkamp plädierte auf radioeins dafür, die Clubbetreiber mehr an der Stadtentwicklung teilhaben zu lassen.

Vor einem Dreivierteljahr haben die Betreiber bereits die Kündigung bekommen, so Disselkamp auf radioeins. Seitdem bemühten sie sich intensiv um eine Verlängerung des Vertrages - auch mit alternativen Vorstellungen für eine Nutzung des Areals.

Interview mit Sascha Disselkamp...

Sage Club © imago images / Stefan Zeitz
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Clubszene fürchtet Verdrängung

Auch ein Gegenvorschlag der Clubs für die Umgestaltung des Areals sei bisher ohne Reaktion geblieben. "Stattdessen hatten wir Besuch von Immobilienentwicklern." Offenbar plane der Besitzer Neubauten, Details dazu sind aber bislang unbekannt. "Wenn wir das kaufen, würde unser Plan unter anderem ein Hospiz, Alters-WGs und Proberäume" enthalten", so Disselkamp. "Es müssen nicht immer nur Hotels oder teure Büroflächen gebaut werden."

In Berlin wird schon länger ein "Clubsterben" durch steigende Mieten, Lärmbeschwerden und Gentrifizierung beobachtet. Dabei traf es zuletzt bekannte Einrichtungen wie Jonny Knüppel auf der Lohmühleninsel, das White Trash in Treptow oder den Bassy Cowboy Club in Prenzlauer Berg.

Im Mai organisierte die Initiative "Reclaim Club Culture" einen Protestmarsch für den Erhalt der verbliebenen Clubs in der Hauptstadt. "Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass es gerade echt kurz vor Schluss ist", so eine Sprecherin der Initiative damals. Neben Musikclubs hätten im letzten Jahr auch viele Kulturräume oder Gemeinschaftsgärten Investorenprojekten weichen müssen, sagt sie. "Wenn wir so weiter machen mit dem Ausverkauf der Stadt, dann wird es diese Räume hier bald gar nicht mehr geben." Die Initiative forderte unter anderem langfristige Mietverträge oder Rückkäufe, um noch existierende Projekte dauerhaft zu sichern.

Menschen vergnügen sich in einem Berliner Club (Quelle: dpa/XAMAX)
Party im Kitkat Club | © dpa/XAMAX

Studie: Mehr Touristen, gleiche Umsätze

Eine Studie der Clubcommission, einer Interessenvertretung von Berliner Clubs, hatte Anfang des Jahres ermittelt, dass es in Berlin zu diesem Zeitpunkt zwar rund 280 Clubs gebe - also nicht weniger als vor zehn Jahren -, allerdings würden viele Betreiber wirtschaftliche Probleme haben. Zudem sei ein qualitativer Verlust spürbar. "Clubs geraten so unter Verwertungsdruck, dass man einfach nicht mehr experimentieren kann", sagte Lutz Leichsenring von der Clubcommission. Unbekannten DJs eine Plattform geben oder neue Bands ausprobieren, das gehe nicht mehr, weil man nur noch Umsätze generieren müsse, um Kosten zu decken.

Laut der Studie habe sich der Gesamtumsatz der Clubs mit 168 Millionen Euro jährlich und die Zahl der etwas mehr als 9.000 Beschäftigten in der Branche im Zehn-Jahres-Vergleich kaum verändert. Und das, obwohl eigentlich mehr Touristen wegen der Clubs nach Berlin kommen: Etwa drei Millionen waren es vorletztes Jahr. Sie brachten knapp 1,5 Milliarden Euro in die Stadt. Dass der Umsatz der Clubs trotzdem nicht stieg, liege laut Clubcommission an den steigenden Mieten, die sie oft zu zahlen hätten.