Ausstellung | Kupferstichkabinett

Wir heben ab! Bilder vom Fliegen von Albrecht Dürer bis Jorinde Voigt

Am 31. Oktober 2020 ist Berlins Flughafen BER endlich an den Start gegangen. Aus diesem Anlass widmet sich das Kupferstichkabinett unter dem Titel "Wir heben ab!" dem Thema "Fliegen" zwischen jahrhundertelanger Faszination und aktueller Flugscham. Gezeigt werden rund 80 Arbeiten von rund 60 Künstler*innen, darunter Werke von Albrecht Dürer, Rembrandt, Goya, Eugène Delacroix, Max Klinger, Käthe Kollwitz, Robert Rauschenberg bis hin zu Eberhard Havekost und Jorinde Voigt.

Wassily Kandinsky, Fröhlicher Aufstieg (aus: Meistermappe des Staatlichen Bauhauses), 1923, Lithografie in vier Farben auf Vélinpapier © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett/Jörg P. Anders
Wassily Kandinsky, Fröhlicher Aufstieg (aus: Meistermappe des Staatlichen Bauhauses), 1923, Lithografie in vier Farben auf Vélinpapier | © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett/Jörg P. Anders

Wie lange dauert die Reise "Von der Erde zum Mond"? Das fragt sich wohl manch einer beim Blick zum nächtlichen Himmel. Im Untertitel seines gleichnamigen Romans aus dem Jahr 1865 behauptete der französische Schriftsteller Jules Verne, dass die "Direkte Fahrt in 97 Stunden und 20 Minuten" zu absolvieren sei. Als rund 100 Jahre später – am 19. Juli 1969 – die Mondlandung Realität geworden war, hatte die Reisedauer 76 Stunden betragen. Jules Verne hatte also gut geschätzt.

Vögel und Insekten können seit jeher fliegen, Hexen und Dämonen wird diese Fähigkeit zugetraut. Aber der Mensch? Seine Gedankenflüge nahmen ihren Anfang auf dem Papier, bevor sie Realität wurden. Otto Lilienthal, einer der Pioniere der Fliegerei, verband die Luftfahrt mit der Hoffnung auf wirtschaftliche Freiheit, Mobilität und Frieden. 1894 formulierte er als Vision, dass „die Grenzen der Länder ganz ihre Bedeutung verlieren, weil man dieselben bis in den Himmel nicht absperren kann. Man kann sich kaum vorstellen, dass Zölle und Kriege dann noch möglich sind“. Wir sehen heute, dass sich Lilienthals friedvolle Vision nicht erfüllt hat. Wie alles, was der Mensch entwickelt, ist auch das Fliegen ambivalent. Flugzeuge können tödliche Waffen sein, ihre Abgase schädigen die Umwelt, ihre Motoren sind laut.

Und doch hat das Fliegen nicht an Faszination verloren: Seit 2001 gibt es den Weltraumtourismus, die Möglichkeit für Privatpersonen ins All zu fliegen. Und auch fliegende Autos sind heute nicht mehr Science Fiction. Flugtaxis könnten in den nächsten Jahren den Luftraum erobern, Tests mit Drohnen laufen. Im Januar dieses Jahres, 2020, hat zudem das Carplane des Australiers John Brown beim Luftfahrt-Bundesamt in Braunschweig seine Zulassung erhalten. Je nach Bedarf kann damit geflogen oder gefahren werden, jeder ist sein eigener Pilot.

Wie sich die bildlichen Vorstellungen vom Fliegen im Allgemeinen und vom „Homo Volans“, dem fliegenden Menschen, im Besonderen, im Lauf der Jahrhunderte verändert haben, zeigt das Kupferstichkabinett in rund 80 Werken aus dem eigenen Bestand: Zeichnungen, Druckgrafiken und Werke der Buchkunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart werden in acht Kapiteln der Sonderausstellung präsentiert.

Über die Ausstellung "Wir heben ab! Bilder vom Fliegen von Albrecht Dürer bis Jorinde Voigt" im Kupferstichkabinett im Kulturforum sprach Sophia Wetzke mit der Kuratorin der Ausstellung Anna Pfäfflin.

Wassily Kandinsky, Fröhlicher Aufstieg (aus: Meistermappe des Staatlichen Bauhauses), 1923, Lithografie in vier Farben auf Vélinpapier © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett/Jörg P. Anders
Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett/Jörg P. Anders
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Quelle: Kupferstichkabinett