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Miss Germany-Wahl mit schwangerer Kandidatin

Übermorgen findet wieder die wichtigste Wahl des Jahres statt: Eine von 16 jungen Frauen wird im Europapark in Rust im Breisgau zur Miss Germany gekürt!

Archivbild: Miss-Germany-Wahl 2008 © imago images / Hartenfelser
Archivbild: Miss-Germany-Wahl 2008 | © imago images / Hartenfelser

Diese Wahl gibt es schon seit 1927, aber in diesem Jahr verzeichnet sie gleich mehrere Prämieren: Erstmals wird die Schönheitskönigin von einer rein weiblichen Jury gewählt, zum ersten Mal sind zudem zwei Mütter unter den Kandidatinnen, (und ebenfalls zum ersten Mal) ist eine der Kandidatinnen schwanger, im vierten Monat nämlich.

Ändert das etwas an der Intention einer Miss-Wahl, dass jetzt auch schwangere Kandidatinnen mitmachen können, oder dass eine reine Frauenjury wählt? Ein Kommentar von Jenni Zylka.

Archivbild: Miss-Germany-Wahl 2008 © imago images / Hartenfelser
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Ehrlich gesagt war ich fassungslos als ich diese Meldung gestern vielfach las, das Motto der Miss Germany Wahl in diesem Jahr lautet nämlich auch noch: „Empowering authentic women!“, und in der Jury sitzen Frauen wie Frauke Ludowig, die ehemalige CSU-Politikerin Dagmar Wöhrl oder die Fitness- und Ernährungsexpertin Anna Lewandowska die bestimmt niemand Spielerfrau nennt, weil sie einem sonst ganz fit einen auf die Mütze haut, und ich war wirklich fassungslos und hab sofort gedacht, dass ich meine Medienbeobachtung unbedingt auch auf Misswahlen ausdehnen muss – mir war noch nicht mal klar dass es so etwas wie Schönheitswettbewerbe, in denen die Kandidatinnen sich vorher in einem Catwalk-Trainingscamp in Ägypten vorbereiten, und auch noch ein bestimmtes Alter nicht überschreiten dürfen, nämlich 39 Jahre, mit anderen Worten: so lange dürfen sie offiziell als schön gelten, dass es also so etwas in Deutschland überhaupt noch gibt, das ist der Wahnsinn.

Und jetzt eine Schwangere, alle Wetter, die hat dann ja einen Bauch! Aber das ist ja kein schlechter Bauch sondern ein guter Bauch, beziehungsweise ein süßer Bauch, und darum darf sie ihn auch zeigen. Allerdings nicht im Bikini denn der Bikini-Contest ist seit diesem Jahr ebenfalls passé, die Frauen müssen andere Herausforderungen meistern wie Abendgarderobe präsentieren oder auf High Heels tanzen. Und ich überlege die ganze Zeit, wie man überhaupt je darauf kommen konnte, jemandem einen Preis dafür zu geben, dass er bzw. sie so hübsch aussieht sprich unseren seit Jahrmillionen geltenden normativen Attraktivitätskriterien Ebenmäßigkeit, Jugendlichkeit, volles Haar und so weiter so perfekt entspricht – das ist ungefähr so als würde man jemanden für seinen Namen auszeichnen, weil der besonders viele E’s drin hat.

Dass das eine reine Frauenjury ist, ist in diesem Fall wirklich schnurz, hier beurteilen Menschen andere Menschen treudoof nach ihrem Äußeren, und nicht für etwas, was sie gelernt haben, geleistet haben oder praktischerweise können. Da ich aber durchaus für jeden Spaß zu haben bin, schlage ich jetzt einfach vor, dass man die Kriterien nochmal ein kleines bisschen ändert: Die Kandidatinnen sollten neben dem Catwalk und dem Tanzen und der Abendgarderobe auf jeden Fall ein paar mehr Challenges erfüllen, es gab zum Beispiel früher mal in einem meiner Tipps-für-Regentage- Beschäftigungs-Kinderbücher eine Bauanleitung für einen selbstgebauten Plattenspieler, so mit Nähnadel und Pappkiste und einem Papier-Lautsprecher, ich hab es nie geschafft den nachzubauen, aber das könnten die Miss Germanys doch mal machen! 

Oder sie sollen an den Fluss Elz gehen, der nämlich durch Rust fließt, und in einer bestimmten Zeit einen Fisch angeln, und wer den längsten hat gewinnt! Oder sie könnten sich in einer Partie Curling oder Eisstockschießen messen, das wäre auch lustig, das kann man im ägyptischen Trainingscamp vielleicht nicht so gut vorbereiten, aber sei’s drum, und ihr merkt schon, mir schwebt da eher so eine Art Schlag-die-Miss vor. Aber ich finde wirklich, wer 100 000 Euro bekommt, übrigens Preisgeld das dann mit Aufträgen verrechnet wird, also die Gewinnerin muss die Kohle danach abarbeiten, wer soviel bekommt, der muss auch ein bisschen was zeigen, und ich meine nicht süße Kugeln oder Bikinis sondern selbstgebaute Plattenspieler. Mein Alternativ-Motto dazu lautet dann: Empowering practical women! Und in die Jury würde ich mich dann natürlich auch wählen lassen, aber nur wenn die Fitness- und Ernährungsexpertin nicht neben mir sitzt.