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Wie über die Frauen bei der Fußball-WM berichtet wird

Gestern wurde wieder heftig Profifußball gespielt – Deutschland gewann 1:0 gegen Spanien, Sie haben es bestimmt mitbekommen. Sie haben es auch mitbekommen, weil – im Gegensatz zu früheren Weltmeisterschaften im Frauenfußball – die mediale Berichterstattung zum Sportevent zugenommen hat, was ja eine gute Nachricht ist.

Deutschlands Sara Däbritz (l-r), Klara Bühl, Giulia Gwinn und Lea Schüller beim Training in Frankreich © dpa/Sebastian Gollnow
Zylka: "Es ist selbstverständlich völlig indiskutabel, mit sexuellem bzw. in diesem Fall sexistischen Unterton zu berichten" | © dpa/Sebastian Gollnow

Nicht ganz so einfach ist das allerdings mit dem Ton der Berichterstattung. Immer wieder fällt auf, wie sehr vor allem Boulevardmedien das Äußere der Spielerinnen in den Vordergrund stellen - „Hässlicher Auftaktsieg dank unserer Hübschesten“ titelte BILD nach dem ersten Deutschlandspiel, und die Münchner tz kürte besagte Spielerin, Giulia Gwinn, gar zum „DFB-Hottie“.

Wieso haben Zeitungen ein so auffälliges Sexismusproblem, vor allem wenn es um Sportberichterstattung geht? Ein Kommentar von der Kulturjournalistin Jenni Zylka.

Deutschlands Sara Däbritz (l-r), Klara Bühl, Giulia Gwinn und Lea Schüller beim Training in Frankreich © dpa/Sebastian Gollnow
dpa/Sebastian Gollnow
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Die genannten Zeitungen haben generell ein Sexismusproblem. Aber dass auch Sportlerinnen, die nicht etwa Bikinifotos einreichen und um Seite 2-Abdruck bitten, sondern eigentlich nur durch ihr Sporttalent auffallen, dass auch die von dieser Sicht- und Berichtweise getroffen werden, das ist schon gruselig.

Ich möchte das Thema etwas grundlegender angehen und mal in die feministische Theorie gehen: Sportler- und Sportlerinnenkörper sind prinzipiell und schon immer auch Objekte der Begierde. Das ist bei den fußball- oder tennisspielenden Männern oder bei Zehnkämpfern genau wie bei den Frauen. Es gibt auch Fotostrecken von „unseren Jungs“ mit eingeölten Körpern in knappen Shorts, es gibt nicht umsonst den Trikottausch, bei dem Tattoos und Körperformen mit Lust zur Schau gestellt werden – und auch männliche Heterozuschauer und Sportfans empfinden und genießen das, wenn sie es auch nicht so deutlich, wie ich zugeben würden.

Ich merke ja mein Alter zum Beispiel daran, dass ich früher auf die Spieler stand und jetzt auf die Trainer – ich freue mich immer, wenn die Kamera an den Spielfeldrand schwenkt und da ein Ü40 Mann mit gut sitzendem Anzug über den Muskeln steht, die von seiner Karriere zeugen, und das sage ich wirklich als Fußballfan – das Spiel gucke ich trotzdem mit Leidenschaft. Man kann und darf das schon beides wahrnehmen.

Meine Nenn-Freundin Judith Butler hat übrigens mal einen schönen Aufsatz dazu verfasst, also über die von allen Geschlechtern, ob konstruiert oder nicht, wahrnehmbare Sexualität im Sport.

Dennoch gibt es diesen spezifischen Sexismus, der auch viel tiefer drin steckt: Lange Zeit wurde ja der Frauenfußball, der, knickknack, auch nur als Abgrenzung zum richtigen Fußball so heißt, genau wie bei Frauenbüchern übrigens, ist ja keine richtige Literatur sondern Frauenliteratur, jedenfalls wurden Fußballspielerinnen früher mit Lesbisch-sein konnotiert, da gab es den beleidigend gemeinten Begriff des Mannweibs, insofern ist das momentan schon fast eine Entwicklung, den Spielerinnen nicht mehr prinzipiell eine bestimmte sexuelle Ausrichtung zu unterstellen, die man als Hetero auch noch ablehnt. Sondern sie quasi genauso zu objektifizieren, wie alle anderen.

Aber es ist selbstverständlich völlig indiskutabel, mit sexuellem bzw. in diesem Fall sexistischen Unterton zu berichten – nichts dagegen hätte ich, wenn ein Sportredakteur seinem Kumpel oder seiner Frau erzählt, dass er total auf DFB-Hottie Giulia Gwinn steht, das kann er ja privat ruhig, aber das hat nichts in der Zeitung zu suchen. Auch nicht, wenn Gwinn auf ihrem Instagram-Account mit Hot Pants vor dem Spiegel posiert – nebenbei sieht die für mich vor allem aus, wie ein echt junges Ding, die ist 19, und dass Sportredakteure von Boulevardzeitungen in den seltensten Fällen unter 40 sind, gibt dem Ganzen noch eine weitere unangenehme Note, aber auf die gehe ich jetzt aus Zeitgründen nicht ein.

Zusammengefasst: Ich bin froh, dass der Fußball in der Frauenliga die gleiche Entwicklung durchmacht, wie andere Sportarten, und demensprechend ernst genommen wird, auch wenn er faktisch langsamer oder – bei USA gegen Thailand mit einem 13:0 - irgendwie irrer gespielt wird, ich finde das macht nix, bei der professionellen Leichtathletik oder Profischwimmen werden Frauen und Männer ja auch nicht miteinander, sondern untereinander verglichen.

Ich warte aber händeringend darauf, dass dieser strukturelle Sexismus, der immer dann auftauchen kann, aber nicht muss, wenn Männer Frauenkörper begutachten, dass der auch aus der Sportberichterstattung getilgt wird. Aber wenn ihr mich jetzt in der Abmoderation unbedingt rbb-Hottie nennen wollt, dann dürft Ihr das trotzdem tun.