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Bald höhere Bußgelder auf achtlos weggeworfenen Müll in Berlin

Wer in Berlin Müll auf die Straße wirft, muss künftig mit deutlich höheren Strafen rechnen. Für weggeworfene Zigarettenkippen, Kaugummis oder Einwegbecher sollen demnach bis zu 120 Euro fällig werden. Hundekot auf dem Bürgersteig soll bis zu 300 Euro kosten, in Grünanlagen sogar bis zu 1.500 Euro. Bisher sind die Bußgelder von Bezirk zu Bezirk unterschiedlich, jedoch deutlich geringer als jetzt geplant.

Ausgedrückte Zigaretten auf der Straße © imago/Dehli-News
Für achtlos weggeworfene Zigarettenkippen sollen in Zukunft bis zu 120 Euro fällig werden | © imago/Dehli-News

Müllmachen lohnt sich immer weniger: Obwohl neue bundeseinheitliche Regeln erst im nächsten Jahr in Kraft treten, hat der neue Bußgeldkatalog, der am Dienstag vom Berliner Senat angekündigt und vorgestellt wurde, bereits kräftig Staub und Wut aufgewirbelt.

Zigarettenkippen auf die Straße zu werfen, oder auch durchgekaute Kaugummis cool beim Gehen auszuspucken kann danach demnächst bis zu 120 Euro kosten. Das große Geschäft des süßen Dobermanns nicht ordnungsgemäß per Hundekotbeutel zu entsorgen, sondern in der Grünanlage liegen zu lassen kostet dann bis zu 1500 Euro. Empörte, aber auch zustimmende Reaktionen gab es schon jede Menge im Netz. Dabei soll Berlin doch einfach nur sauber bleiben!

Nützen diese höheren Bußgelder wirklich etwas? Ein Kommentar von der Kulturjournalistin Jenni Zylka.

Ausgedrückte Zigaretten auf der Straße © imago/Dehli-News
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Sie haben ihren Nutzen im Prinzip schon fast komplett entfaltet – man spricht drüber. Diese Sache mit dem Erziehen und Bestrafen von Bürgern und Bürgerinnen ist ja enorm gefährlich, ich muss in dem Zusammenhang immer an diese herrliche Kishon-Geschichte denken, in der Kishon durch die Schweiz fährt, ein Bonbon aus Schweizer Schokolade isst, und dann große Schwierigkeiten hat, das „Schokoladenpapierchen“ wegzuwerfen, denn jedes Mal wenn er es wegschmeißt, kommt ein Schweizer und sagt „Sie haben was verloren“. Sogar wenn er es in einen Mülleimer wirft, denn „der muss sauber bleiben“, am Ende wirft er das Papierchen aus dem Fenster eines fahrenden Zuges, und der hält dann natürlich per Notbremsung an.

Ist übertrieben. Aber manchmal denke ich, verzeiht mir bitte, diese schwarze Pädagogik ist tatsächlich, was den Umgang mit Müll betrifft, die einzige Möglichkeit, und ich glaube, wenn man auch noch Stockschläge in den Bußgeldkatalog aufnehmen würde, wäre das gar nicht mal so schlecht, rein aus Abschreckungsründen, man muss sie ja nicht ausführen. Das hält man im Übrigen mit den Geldstrafen ja ganz genauso – denn diese höchstens 1500 Euro Strafe für den Stinkehaufen in der Grünfläche werden ja nur verhängt, wenn der Hund und sein Besitzer auf frischer Tat ertappt werden und quasi nachgewiesen werden kann, wes’ Haufen dort zum Himmel stinkt.

Und ich sehe genauso wenig, dass die Ordnungsamtmitarbeiter es schaffen, alle Zigaretten und Kaugummis auf dem Alexanderplatz im Nachhinein den jeweiligen Benutzern und Benutzerinnen zuzuordnen, man muss dann ja nur sagen: Kim? Rauch ich nicht. Oder Hubba Bubba? Kau ich nicht. Beziehungsweise mein Hund kackt nie. Und bekanntlich schmeißen die Leute viel weniger oder gar nichts auf die Straße, wenn Ordnungsamtmitarbeiter*innen in Sichtweite sind.

Effektiver als der Katalog wäre also vermutlich, mehr Ordnungshüter*innen anzustellen. Aber vielleicht auch ähnlich unrealistisch.

Anfangen könnte man aber tatsächlich mal beim Kampf gegen den Müll damit, die Hundekotbeutel nicht aus Plastik sondern aus diesem tollen biologisch abbaubaren Maismehlzeug anzubieten, denn Hundekot, der ja vielleicht doch weniger der Umwelt schadet als eine Sunkisttüte, ausgerechnet in einen Plastikbeutel zu packen und in den Gesamtmüll werfen zu lassen, ist auch ein bisschen hirnrissig. Die abbaubaren Kotbeutel, ich hasse das Wort, gibt es übrigens auch schon.

Und ich möchte außerdem nochmal deutlich machen, ich finde Menschen, die mutwillig Müll in die Straßen oder Parks werfen, sind ganz klar ignorante und/oder provokante Arschlöcher. Dennoch muss es bei dem Thema Müll immer in erste Linie um Müllvermeidung gehen – und in zweiter Linie darum, wo man ihn entsorgt. Denn wenn weniger Müll da ist, haben die Arschlöcher weniger zum in-die-Straßen-Werfen.

Das Vermüllungs-Phänomen ist ebenso sehr ein Verhaltensproblem, als auch ein Problem unserer Wegwerf-Konsumgesellschaft. Somit sind wir alle verantwortlich. Vielleicht sollte man den Ärger über die angeblichen neuen hohen Bußgelder, die ja sowieso kaum verhängt werden, einfach mal nehmen und damit ein bisschen die Verpackungsindustrie bombardieren. Und dann könnte man noch Projekte ausschreiben die „Hundehaufen zu Dünger“ heißen, buäh. Ich muss aufhören, mir wird blümerant.