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Game of Thrones im Wandel der Zeit

Selbst wenn Sie kein Interesse an Fantasy-Schlachtfeldern, Drachenflügen und royalen Familienstreitigkeiten entwickeln können, werden sie es mitbekommen haben: Die letzte Game of Thrones-Staffel läuft, und hat direkt Zuschauerrekorde eingefahren.

Emilia Clarke als Daenerys Targaryen und Kit Harington als Jon Snow in Game of Thrones (Filmstill) © Helen Sloan/Courtesy of HBO via AP
Emilia Clarke als Daenerys Targaryen und Kit Harington als Jon Snow in Game of Thrones (Filmstill) | © Helen Sloan/Courtesy of HBO via AP

Wenn man alle Ausstrahlungsplattformen zusammenrechnet, guckten allein in den USA über 17 Millionen Menschen die erste Folge der finalen Staffel von Game of Thrones, in Deutschland waren es bislang, da sind die Video-on-Demand-Abrufe noch nicht mal drin, schon weit über eine Million.

Aber: Die Macher von Game of Thrones wurden über die Jahre immer wieder mit Sexismusvorwürfen konfrontiert. Dabei ist die Debatte darüber doch längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Schauen wir Zuschauer doch am liebsten klassische Frauen- und Männerklischees an oder hat Game of Thrones sich verändert? Ein Kommentar von der Kulturjournalistin Jenni Zylka.

Emilia Clarke als Daenerys Targaryen und Kit Harington als Jon Snow in Game of Thrones (Filmstill) © Helen Sloan/Courtesy of HBO via AP
Helen Sloan/Courtesy of HBO via AP
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Ich glaube, an beidem ist was dran. Gerade diese Mittelalter-Fantasy-Nummer hat natürlich auch immer etwas Grundreaktionäres – damals, da waren Männer noch richtige Männer, Frauen noch richtige Frauen und Drachen noch richtige Drachen, ich hab zudem bei der Serie eh ab und an Probleme mit der Art der Gewaltdarstellung, mit der Explizität, mit der Perspektive dabei, aber bevor ich jetzt im großen Stil gehated werde: Ich mag GoT trotzdem, und die Serie hat sich tatsächlich auch verändert. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen und es mit der Expertise der Hardcore-Fans aufzunehmen, soviel vielleicht: Ich habe mir nochmal die allererste Folge angeschaut, und sie mit der gerade ausgestrahlten letzten verglichen. Und schon auf der Bildebene kann man genau sehen, was die Autoren und Regisseure aus der Diversity und #metoo-Debatte mitgenommen haben.

Eine der wichtigsten Figuren ist ja Daenerys Targaryen, die Drachenmutter, die wir kennenlernen als barbieartiges ängstliches und bevorzugt in durchsichtigen Nachthemden flanierendes Opfer, das zunächst von ihrem Zwangsehemann vergewaltigt wird, und das Verhältnis dann allein durch die „Waffen einer Frau“ umkehrt, sie lässt sich ein paar Sextricks zeigen, und dann wird es viel schöner mit dem gewalttätigen Ehemann, das ist natürlich ein ambivalentes Narrativ, zumal auf der Bildebene auch der männliche Blick, männliche Sexklischees dominieren, immer wieder junge nackte Frauen, immer wieder Bordelle.

Der andere wichtige und auch mein Lieblingscharakter Tyrion Lannister, gespielt von Peter Dinklage, den lernen wir in einem solchen Bordell kennen, wo er als kleinwüchsiger  Mann die Huren mit seiner Stamina erfreut, dabei kann man - glaube ich - schon davon ausgehen, dass Prostituierten sowas echt sozusagen wortwörtlich am Allerwertesten vorbeigeht.

Aber dann die neue Staffel: Winter is coming bzw. Winter is here, es ist also nicht mehr so warm, dass Frauen nur in Itsybitsy-Nachthemden durch die Gegend laufen, das mag auch eine Rolle spielen – aber Daenerys, und die Entwicklung hat man erlebt, ist jetzt tatsächlich allein in ihrer visuellen Charakterisierung ein anderer Charakter, sie reitet nicht mehr im Damensitz, sie trägt feste Klamotten, zuweilen weint ein männliches Gegenüber, und sie nicht. Sie ist hart, sie ist eine politische Führerin.

Das liegt natürlich auch an der vorgegeben Handlung, an der haben die Serienmacher nicht ganz so viel geändert, das ist ja eine Buchadaption, aber die Bilder sind schon von den wichtigen und richtigen Debatten geprägt. Wenn auch immer noch nicht so sehr, wie es sein könnte.

Es gibt 73 Episoden, von denen wurden gerade mal zarte vier von einer weißen Regisseurin inszeniert, der Rest von weißen Männern, und ebenfalls vier wurden von Autorinnen geschrieben. Liegt auch daran, dass die GoT-Macher gern unter sich bleiben, man hätte da aber viel mehr Diversity reinbringen können, ich tippe auf mangelnden Mut wegen hoher Produktionskosten gekoppelt mit dem Vorurteil, Frauen könnten keine Action.

Und als letztes: Ich meine überhaupt nicht, dass Regisseurinnen weibliche Charaktere per se besser inszenieren, aber es fällt auf, dass bei GoT Themen wie Schwangerschaft, Kind verlieren und so weiter, immer eher dürftig gepinselt werden. Zumal jetzt die meisten Hauptfiguren eh weiblich sind, während in den ersten Staffeln alte weiße Männer das Sagen und den Bildschirm hatten. Wenn diese Veränderung sich stärker hinter der Kamera auswirken würde, dann wäre viel gewonnen. Und wenn dann auch noch ein queerer Drachen auftaucht, das fände ich top.