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"Sex and the City" kehrt zurück

Vor über 20 Jahren entstand eine Serie, die bis heute als eine der erfolgreichsten US-Produktionen gilt, sie wurde mit Preisen überhäuft, darunter auch viele Golden Globes und Emmys, und es gab sechs Staffeln mit 94 Episoden, zwei Kinofilme, und sogar noch ein Spin-Off.

Die "Sex and the City"-Darstellerinnen (v.l.n.r) Cynthia Nixon, Kristin Davis, Sarah Jessiva Parker & Kim Cattrall im Jahr 1998
Die "Sex and the City"-Darstellerinnen (v.l.n.r) Cynthia Nixon, Kristin Davis, Sarah Jessiva Parker & Kim Cattrall im Jahr 1998 | © imago images / Mary Evans

Stichwort Sex sells - es geht natürlich um „Sex and the City“, die Serie, in der vier New Yorkerinnen um die 30 unverblümt über Sex und Beziehungen sprechen. Ja, das hat damals in den 90ern und frühen 2000ern wahnsinnig eingeschlagen, aber jetzt soll es tatsächlich eine Fortsetzung geben, mit den gleichen Darstellerinnen, jedenfalls dreien davon – Kim Catrall alias Samantha ist nicht mehr dabei.

Kann man denn fast 25 Jahre später mit der gleichen Idee überhaupt noch jemanden hinterm Ofen hervorlocken? Ein Kommentar von der Berliner Kulturjournalistin Jenni Zylka.

Die "Sex and the City"-Darstellerinnen (v.l.n.r) Cynthia Nixon, Kristin Davis, Sarah Jessiva Parker & Kim Cattrall im Jahr 1998
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Das würde HBO bestimmt sonst nicht machen, wenn sie nicht daran glauben würden. Es sind übrigens noch kaum Details über die neue Serie bekannt, nur, dass sie „And just like that“ heißen wird und, dass eben Samantha nicht mehr dabei ist, aber, ob es dann einen Ersatz gibt, keine Ahnung – die drei verbliebenen Schauspielerinnen und der ehemalige Showrunner Michael Patrick King werden jedenfalls als Executive Producers fungieren, haben sich damit also ein Mitspracherecht gesichert.

Klar ist, dass sich die Serie mit den Darstellerinnen, die mit uns gealtert sind, sofern wir so alt sind, dass wir sie von früher kennen, dass die sich damit vor allem an die alten Fans richtet, und, da fängt es ja an: Ich finde positiv, überhaupt eine Serie über Frauen Mitte 50 zu erzählen, und ich halte die Macherinnen für cool genug, dass eben auch zu thematisieren - ich gehe davon aus, dass es nicht nur um Hormonschwankungen und Nachtschweiß gehen wird, aber wieso denn nicht ab und zu.

Ihr habt es vielleicht gemerkt, ich bin auch Fan, das war früher nicht so, da habe ich rein aus jugendlicher Dummheit irrtümlich angenommen, SATC sei oberflächlich und verhandele mit völlig fremden Problemen, ich hab dann erst später verstanden, dass es unter dieser Kicher-Ebene, dieser verklemmten Tussen-Kruste, diesem ganzen huch-mein-Boyfriend-ruft-nicht-an-Problematik und diesem unglaubwürdigen ich-schreibe-eine-Kolumne-in-der-Woche-und-leiste-mir-Manolo-Blahniks-und-ein-Manhattan-Apartment, dass es darunter noch eine andere, weise Ebene gibt, mit Themen, wie dem Verhandeln von Distanz in Beziehungen, der Frage nach Ehrlichkeit in Freundschaften – all das sind ja gar keine Oberflächlichkeiten, man hat, glaub ich, nur damals die Leichtigkeit, mit der diese ondulierten Frauen damit umgehen, mit Unseriosität verwechselt.

Ich habe zudem nichts gegen teure Designerschuhe in der Serie, das ist ja auch ein wenig eine surreale Traumumgebung. Was sich aber ganz klar ändern muss und, ich bin sicher, auch ändern wird, ist das Bewusstsein für gesellschaftliche Diskurse in Bezug auf Diversität. Ich könnte mir gut vorstellen, dass wenn es eine neue vierte Person gibt, dass es dann eine nicht-weiße Person sein könnte bzw. müsste, und, dass überhaupt dieses ganze Universum nicht mehr so schneeweiß sein kann, selbst und erst recht, wenn es in einer leicht angesnobten vorwiegend weißen NY High Society spielt, mit Magnaten wie Mr. Big und Mega-Anwältinnen wie Miranda.

Ich glaube auch, dass Queerness anders verhandelt werden wird als in der alten Serie, in der auf der Hochzeit von Carries gay best friend, wer sonst, Liza Minelli singt. Schön – aber eben Klischee. Cynthia Nixon, die Darstellerin der Miranda ist ja schon lange als lesbisch rausgekommen, ist zudem in die Politik gegangen und kämpft öffentlich für LGBTQ-Transrechte, das wird sich alles in der Serie zeigen. Und auch, wenn die Dreharbeiten zwar erst demnächst beginnen, sind die Drehbücher zu „And just like that“ schon geschrieben und müssen eine Post-Corona und Post-Trump Ära erzählen, denn die erzählte Zeit muss ja immer mit der Ausstrahlungszeit korrelieren, also alle werden ein Corona- und Trump-Trauma haben.

Es gab übrigens tatsächlich vor ca. einem Jahr ein neues Buch der SATC-Erfinderin Candace Bushnell über Frauen um die 50, die aus New York aufs Land gezogen sind, und sich da unglücklich und demotivierend mit dem Älterwerden herumschlagen, das Buch hieß etwas ängstlich: „Is there still Sex in the City?“ und ist ziemlich enttäuschend. Ich glaub unter anderem wegen dieser Verzweiflung ist dieses Buch eben auch nicht die Grundlage für die neue Serie, und sie heißt ja auch anders. Sie wird Unterhaltung bleiben, da bin ich sicher, aber mit einem ernsten Fokus auf Beziehungen und Freundschaften, und ich könnte mir großartige Episoden vorstellen in denen Miranda ausgehen will, und Carrie sagt nee, ich bin zu müde, ich muss morgen früh raus, ich vertrage nichts mehr - das was meine faulen Freundinnen auch immer vorschieben ... insofern – ich bin gespannt.