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New York verbietet Diskriminierung wegen auffälliger Frisuren

Als erste Stadt in den USA verbietet New York City die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer Haarmode. Die neuen Richtlinien gelten ab dieser Woche.

Eine junge Frau freut sich über den Dächern von Brooklyn in New York City © imago/Westend61
New Yorker Gesetz verbietet Diskriminierung von Haarmoden | © imago/Westend61

Ob Cornrows, Dreadlocks, Bantuknoten - Angestellte in Geschäften, Arztpraxen oder Restaurants in New York haben dafür hingegen schon ihre Jobs verloren. Weil sie sich nämlich weigerten, ihren traditionellen Haarstil für eine Allerweltsfrisur abzulegen. Das soll ihnen ab sofort nicht mehr passieren.

Das neue Gesetz garantiert absolute Freiheit auf dem Kopf: Natürliches Haar, frisiert oder nicht-frisiert, geschnitten oder ungeschnitten. Wer dafür von seinem Arbeitgeber oder irgendjemanden benachteiligt wird, beleidigt oder gar gefeuert, der darf klagen. Für solche Diskriminierung droht in New York ab sofort eine Höchststrafe von einer Viertelmillion Dollar. Und wer für seinen Zopf gefeuert wird, kann sich wieder einklagen.

New York ist nach eigenen Aussagen die erste amerikanische Stadt mit solchen Regeln. Die Menschenrechtskommission im Big Apple gilt als eine der strengsten des Landes, wenn es darum geht, Diskriminierung auszuräumen.

Brauchen wir eine solche Richtlinie nicht auch endlich in Berlin? Ein Kommentar von der Kulturjournalistin Jenni Zylka.

Eine junge Frau freut sich über den Dächern von Brooklyn in New York City © imago/Westend61
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Also ich persönlich werde ehrlich gesagt wohl nie ganz aufhören, Menschen aufgrund ihrer Frisuren zu diskriminieren, dafür sehen manche Schnitte einfach zu beschissen aus, ich will nur mal an die klassischen Fußballer-Vokuhilas erinnern, mit denen ich aufwachsen musste, aber da dass überhaupt keinerlei Konsequenzen auf irgendetwas hat, macht das nichts.

Diese Richtlinie, die am Dienstag von der Human Rights Commission in New York ausgegeben wurde, hat aber natürlich einen ernsten Hintergrund: Es soll vor allem darum gehen, rassistische Diskriminierung gegen Afro-AmerikanerInnen auszuschließen, die es bekanntlich seit den Zeiten der Sklaverei gab und gibt, also heutzutage werden immer noch Menschen aufgefordert, ihre Dreadlocks oder Cornrows oder Afros abzuschneiden oder zu stutzen. Und das wird jetzt eben verboten, was absolut richtig ist.

Der Hintergrund für dieses aktuelle Gesetz war, dass ein schwarzer Wrestler von seinem weißen Trainer aufgefordert wurde, seine Dreads abzuschneiden, und im letzten Jahr gab es auch schon eine Entscheidung, weil eine schwarze Frau mit Dreadlocks geklagt hatte, die einen Job aufgrund ihrer Frisur nicht bekam. Diese Human Rights Commission hat dennoch klar gesagt, dass das Gesetz sich an alle richtet.

Was ich jetzt daran interessant finde, sind zwei Dinge: Erstens muss man dann aber auch aufhören, diese ganzen Whiteys mit Dreadlocks wegen cultural approbiation, also kultureller Aneignung anzufeinden – denn die Freiheit der Frisuren gilt natürlich für jeden und jede, ob das nun bekloppt aussieht oder nicht, und ob man seine angeblichen Wurzeln nun auf dem oder dem anderen Kontinent zu spüren vermeint. Und die zweite Sache ist, und da komme ich auf die Frage, ob Berlin eine solche Richtlinie braucht: So schön es, wie gesagt, wäre, manche Frisuren einfach für immer aus meinem Blickfeld verschwinden zu lassen – eigentlich bin ich schon absolut dafür, dass jeder und jede auf seinem Kopf tragen darf was er oder sie oder es will. Und das gilt auch für Kopftücher, denn das ist ja eher die aktuelle Diskussion in Deutschland: Wie wäre es also mit "Your Head Your Right"?

Denn man kann da schon eine Parallele sehen, viele Kopftuchträgerinnen beziehen sich ja bei ihrer Entscheidung ebenfalls auf ihren kulturellen Hintergrund im Islam, gar nicht unbedingt auf einen religiösen, und da sollte natürlich gelten, was für die Dreads in New York gilt: Auch wenn ich persönlich die Gründe für das kulturelle oder religiöse Tragen von Kopftüchern nicht verstehe, weil ich die Idee nicht kapiere, dass die Haare der Frau vor fremden Blicken verborgen werden müssen, und immer denke – aha, ist das bei glatzköpfigen Frauen dann anders bzw. wie schaffen es wir Hetero-Frauen bloß, uns zu beherrschen, wenn wir immer mit diesen ganzen sexy Undercuts in Versuchung geführt werden, also auch wenn ich das alles nicht verstehen, ist es mir schnurz.

Haare, Kopftuch oder Klamottenstil sind eine persönliche Entscheidung, ich sage das immer wieder gern, in etwa zu vergleichen mit der Relevanz von Musikgeschmack. Kann man mitgehen, oder eben nicht, das macht den Menschen als Menschen nicht schlechter, sondern lässt ihn nur als Berater in Stilfragen ausscheiden. Insofern: "Your Head Your Right" werde ich dem Regierenden Michael Müller mal vorschlagen – bin gespannt, ob er sich dann gleich vorbildlich ein paar Dreads eindrehen lässt, ich vermute aber eher nicht.