Do 15.02. 16:41

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Quincy Jones lästert über Musikerkollegen

Quincy Jones ist eine Legende. Michael Jacksons Alben "Thriller" und "Bad" hat er u.a. produziert, zuhause drängeln sich 28 Grammys, mehrere seiner Filmsongs waren für den Oscar nominiert.

Quincy Jones © imago/ZUMA Press
Quincy Jones | © imago/ZUMA Press

Jetzt hat der bald 85jährige Musiker ordentlich vom Leder gezogen und über die Beatles gemeckert, sie seien miese Musiker gewesen, Michael Jackson hat einige Songs ganz frech geklaut, und überhaupt sei moderne Popmusik das langweiligste auf Gottes grüner Erde.

Hat der legendäre Quincy Jones mit seiner Rundum-Kritik Recht? Ein Kommentar von der Kulturjournalistin Jenni Zylka.

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Ja, hat er natürlich. Denn Quincy Jones hat immer Recht. Ja, und klar fragt man sich, was er damit bezwecken will, jetzt quasi auf dem Zieleinlauf mit fast 85 Jahren so eine irre Kollegenschelte publik zu machen, und das auch noch vorzugsweise über Leute, die sich nicht mal mehr richtig wehren können – neben Michael Jackson und den Beatles zieht er auch noch über Prince her, weil der sich damals ja angeblich vor einem Duett mit Jackson gedrückt habe, nach dem Motto: dabei hätte er jawohl den Kürzeren gezogen.

Aber ich muss sagen, ich hab diese ganzen inkriminierten Interviews, auf die sich bezogen wird – mit dem New Yorker, mit dem Newsportal The National – gelesen, die fanden anlässlich einer Dokumentation über Quincy Jones statt, die zu seinem 85. ausgestrahlt werden soll. Und ich finde: Besser und ehrlicher als er kann man diese ganzen Dinge nicht auf den Punkt bringen.

Der Mann ist eine echte Musikerlegende, der ist wahnwitzig talentiert, und dann ist er eben ein Hintergrundmann, dem so etwas wie Zeitgeist, Popaffinität, oder die Frage, was für einen Teenager zählt, eher am Popöchen vorbeigehen, würde ich mal sagen – daher auch diese brutale Ehrlichkeit in Bezug auf die Beatles: Er sagte in dem Interview ja, dass Ringo Starr ein schlechter Schlagzeuger und Paul McCartney ein furchtbarer Bassist ganz am Anfang ihrer Karrieren gewesen wären, und wen man die alten Beatles Live, Star Club Hamburg Platten vom Anfang der 60er kennt, dann weiß man, dass die musikalische Größe tatsächlich erst etwas später zu ihnen kam. Und das Klauen von Riffs oder Beats oder Basslines bei Michael Jackson, das weiß er als Jacksons Produzent aus erster Hand und hat auch die Beispiele parat – das finde ich cool und richtig, dass mal wieder jemand auf die Urheberrechte an geschriebener, also notierter Musik pocht, in Bezug auf Billie Jean sagt er ja, dass die Basslinie von einem Donna Summer Hit geklaut ist, und das stimmt – das macht ja den Song ja nicht schlechter, aber man darf’s doch wohl mal sagen.

Quincy Jones, und das finde ich so sympathisch und spektakulär, benimmt sich auf seine alten Tage kein bisschen mehr US-musikbranchenaffin, er rüpelt herum und nimmt kein Blatt vor den Mund, wie das sonst beim allgemeinen gegenseitigen Beweihräuchern gerade unter den Legenden der Branche üblich ist. Das finde ich eine schöne und unerwartete Punkattitude. Zumal er erstens dabei echt noch gute Laune ausstrahlt, also er ist nicht verbissen so wie Eminem, wenn der über die Kollegen herzieht, und zweitens kriegen ja tatsächlich auch wirkliche Ärsche ihr Fett weg für wirkliches Fehlverhalten – er schießt schwer gegen Weinstein und andere Sexisten im Business, gegen Trump, er äußert sich deutlich zum Thema Rassismus – er hat’s einfach nicht mehr nötig, ein Showtime Lächeln zu zeigen, wenn es nichts zu lächeln gibt. Und nur mal nebenbei, weil ja die Oscarverleihung auch schon wieder ansteht, in ein paar Wochen: Quincy Jones war bis heute der einzige Afroamerikaner, der die Veranstaltung je als Dirigent begleiten durfte, eine DirigentIN hat man übrigens in 90 Jahren Oscar noch nicht auftreiben können. Also Quincy darf meiner Ansicht nach weiter lästern und motzen wie er möchte, ich find ihn trotzdem top.

Und hättest du denn gern mal ein Duett zwischen Prince und Michael Jackson gehört?


Klar, ich hab allerdings mal gelesen dass der Grund, wieso das nie geklappt hat, die erste Zeile aus „Bad“ sein soll, was sie hätten singen sollen, die lautet nämlich bekanntlich: Your butt is mine – also dein Hintern gehört mir, und da hat Prince sich angeblich sowohl geweigert, Michael Jackson dahingehend anzusingen, als auch von ihm angesungen zu werden. Und das gibt mir natürlich ebenfalls schwer zu denken.