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1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Köln hat die älteste jüdische Gemeinde nördlich der Alpen, im Jahr 321 wurde sie zum ersten Mal schriftlich erwähnt - unter dem römischen Kaiser Konstantin. Seit 1700 Jahren also leben Jüdinnen und Juden in Deutschland - ein Grund zu feiern.

Kippas und ein Krempenhut orthodoxer Juden liegen auf einer hölzernen Ablage in einer Synagoge © imago images/Uwe Steinert
Kippas und ein Krempenhut orthodoxer Juden liegen auf einer hölzernen Ablage in einer Synagoge | © imago images/Uwe Steinert

Vor 1700 Jahren gab es ein erstes Zeugnis von jüdischem Leben auf dem Gebiet, das heute Deutschland heißt. Kaiser Konstantin verfügte auf eine Anfrage der Stadt Köln, dass Juden Mitglied des Stadtrates sein dürfen (Edikt vom 11. Dezember 321).

Gestern Nachmittag ist aus der Synagoge in Köln ein Festakt übertragen worden - in die ARD und ins Netz - der Auftakt für ein ganzes Festjahr mit Veranstaltungen, Ausstellungen, Konzerten in ganz Deutschland. Damit soll das Judentum sichtbar gemacht und ein Zeichen gegen den wachsenden Antisemitismus gesetzt werden. Ein Höhepunkt gestern war die Ansprache von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier - in der er unter anderem gesagt hat: „Diese Bundesrepublik Deutschland ist nur vollkommen bei sich, wenn Juden sich hier vollkommen zu Hause fühlen.

Ist Aufklärung und damit Wissen wirklich ein wirksames Mittel gegen Antisemitismus? Der Sozialpsychologe Harald Welzer sagt, dass man Vorurteile nicht durch Aufklärung, Bildung und Wissen abschafft, "denn Vorurteile sind keine Irrtümer oder Wissensdefizite – sie sind selbstdienlich. Sie geben den Antisemiten, den Hassern und Hetzern Orientierung, Selbstaufwertung und gefühlte Bedeutung."

Kippas und ein Krempenhut orthodoxer Juden liegen auf einer hölzernen Ablage in einer Synagoge © imago images/Uwe Steinert
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Zur Person

Harald Welzer

Harald Welzer © radioeins/Saupe
radioeins/Saupe

Harald Welzer kam 1958 in Bissendorf bei Hannover zur Welt. Er studierte Soziologie, Politische Wissenschaft und Literatur. Später promovierte er in Soziologie. Noch ein bisschen später ... [mehr]