Mo 06.07. 17:10

Schöner Lesen

Leben verboten!

von Maria Lazar

Neu auf Platz 8 der radioeins Bücherliste „Leben verboten!“ von Maria Lazar. Wie mag es wohl sein, wenn einen die ganze Welt für tot hält? Und man ist es gar nicht. Diese Erfahrung macht 1931 der Berliner Bankier Ernst von Ufermann.

Schöner Lesen: Eine Frau liest vor einem Plakat mit einem aufgefächerten Buch
Schöner Lesen: Eine Frau liest vor einem Plakat mit einem aufgefächerten Buch | © dpa

Der Flug gen Frankfurt geht ohne ihn und stürzt prompt nach dem Start ab. Was tun mit der neu gewonnenen Freiheit? Wie überleben? Christian Koch aus der „Hammett“ Krimibuchhandlung in Kreuzberg weiß es, denn er hat den nun erstmals auf deutsch erschienen Roman „Leben verboten!“ von Maria Lazar für uns gelesen.

Inhalt

Berlin 1931. Es hat sich ausgetanzt. Die Roaring Twenties sind vorbei. Massenarbeitslosigkeit, soziale Verelendung und politische Radikalisierung bestimmen den bürgerlichen Alltag. Nach dem großen Börsenkrach von 1929 steht auch der angesehene Bankier Ernst von Ufermann kurz vor dem Bankrott. Er muss dringend nach Frankfurt, um einen neuen Kredit zu verhandeln. Auf dem Weg zum Flughafen werden ihm seine Papiere gestohlen. Das Flugzeug fliegt ohne ihn los. Als es kurz nach dem Start abstürzt, glaubt alle Welt, dass auch er unter den Opfern ist. Ufermann packt die Gelegenheit beim Schopf: Im Dienst eines jungen nationalsozialistischen Zirkels nimmt er eine neue Identität an, fährt nach Wien und taucht dort unter neuem Namen unter. Seine Ehefrau, die schon lange eine Affäre mit Ufermanns Kompagnon unterhält, streicht derweil die exorbitante Lebensversicherungssumme ihres Mannes ein.

Autor*in

Maria Lazar (1895–1948) entstammte einer jüdisch-großbürgerlichen Wiener Familie. Sie absolvierte das berühmte Mädchengymnasium der Eugenia Schwarzwald, in deren Salon Oskar Kokoschka sie 1916 porträtierte und in dem sie mit zahlreichen prominenten Figuren der damaligen Wiener Kulturszene zusammentraf, darunter Adolf Loos, Hermann Broch und Egon Friedell. Seit den frühen 20er Jahren war sie als Übersetzerin tätig und schrieb für renommierte österreichische, skandinavische und Schweizer Zeitungen. Erst als sie 1930 zum nordischen Pseudonym Esther Grenen greift, stellt sich quasi über Nacht ihr verdienter literarischer Ruhm ein; ein Erfolg, der allerdings durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten ein jähes Ende findet. Aufgrund des repressiven Klimas verlässt sie schon 1933 mit ihrer Tochter Österreich und geht zuerst, gemeinsam mit Bertolt Brecht und Helene Weigel, ins Exil nach Dänemark. 1939 flüchtet sie nach Schweden und scheidet 1948 nach einer langwierigen, unheilbaren Krankheit freiwillig aus dem Leben. Ihr breitgefächertes und wagemutiges literarisches Oeuvre geriet schon vor 1945 völlig in Vergessenheit.

radioeins-Bücherliste

Platz

VW

Titel

Autor

01

 

Spiegel und Licht

Hilary Mantel

02

 

Im Jahr des Affen

Patti Smith

03

 

Arbeit

Thorsten Nagelschmidt

04

 

SoKo Heidefieber

Gerhard Henschel

05

 

Stern 111

Lutz Seiler

06

 

Das Holländerhaus

Ann Patchett

07

 

Nochmal Deutschboden

Moritz von Uslar

08

NEU

Leben verboten

Maria Lazar

09

 

Der Wassertänzer

Ta-Nehisi Coates

10

 

Eisenblut

Axel Simon

Stand vom 06.07.2020

Der Beitrag ist noch bis zum 06.07.2021 00:00:00 verfügbar.