Harald Martenstein über - Zustimmung im Internet, streitbare Theologinnen und die Schwierigkeit, sich aufs Dauerjasagen umzustellen

Harald Martenstein
Harald Martenstein | © dpa

Ständig erwartet der Computer von einem, dass man auf "einverstanden" klickt. Dabei wäre nichts schöner als ein knallharter Konflikt und pauschale Ablehnung.

Seit einer Weile – seit wann genau, weiß er nicht – fordert Harald Martensteins Computer ständig, dass er ihm zustimmt. Sobald er eine Seite aufruft, die er noch nie aufgerufen hat, ploppt ein Fenster auf. Die Seite will irgendwelche Informationen über ihn speichern, sein Verhalten, seine Vorlieben. Ob er dieser Maßnahme zustimmt. Sensible Menschen wären beunruhigt, aber Martenstein ist beim Thema Datenschutz relativ locker. Außerdem steht er immer unter Zeitdruck, das Kind, der Hund, die Redaktionen, die Frau, die Handwerker, Corona, also, diese Reihenfolge ist wirklich Zufall, jedenfalls will ständig irgendwer irgendwas von ihm.

In der Regel sind auf dem Bildschirm zwei Kästchen zu sehen, das eine ist fett gerahmt und farblich hervorgehoben, darin steht "Ich akzeptiere", "Zulassen", "Ich stimme zu", "Einverstanden" oder Ähnliches. Das andere Kästchen ist blass und schwer zu erkennen, ein bisschen manipulativ ist dieses Setting ja schon. Sobald er "Einverstanden" klickt, geht die Reise durchs Internet sofort weiter. Andernfalls, bei Ablehnung, reagiert sein Computer entweder nicht mehr auf seine Befehle, oder es erscheinen Tabellen, und er soll entscheiden, welche Informationen er freigibt und welche nicht. Es sieht nach Arbeit aus und nach Zeit, die er nicht hat oder nicht haben will. Martenstein stimmt also jedes Mal zu.

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Zur Person - Harald Martenstein

Klug und nachdenklich. Mit seiner angenehmen Stimme erklärt er die alltäglichen Nebensachen unserer Welt. Harald Martenstein ist mit seiner Kolumne seit 2007 auf radioeins zu hören.