Harald Martenstein über

Wörter, die man angeblich nicht mehr aussprechen sollte

Laut einer neuen Liste mit 62 Problemwörtern soll man statt "Häuptling" besser "Hä-Wort" sagen. Die Kommunikation unter Antirassisten dürfte so immer schwieriger werden.

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Podcast Harald Martenstein | © radioeins

Wie gerne würde Harald Martenstein damit angeben, zu den regelmäßigen Lesern der populärwissenschaftlichen Zeitschrift "AmerIndian Research" zu gehören, die sich "indianische Kulturen von Alaska bis Feuerland" zum Thema nimmt. Die Leute würden denken: Dieser Mann interessiert sich wirklich für alles. Aber er hat nur seit etwa vier Jahrzehnten eine allseitig interessierte Freundin. Die liest das.

Sie hat ihn auf eine neue Liste von 62 Wörtern aufmerksam gemacht, die angeblich rassistisch oder sexistisch sind. Die Zahl der Wörter, die man nicht mehr verwenden sollte, wächst seit einigen Jahren in ähnlichem Tempo wie die Staatsschulden, in einigen Fällen durchaus zu Recht. Zum Glück aller sprachsensiblen Autor*innen sind die sehr häufig benutzten Konjunktionen, also Wörter wie "und", "aber" oder "oder", bisher nicht von Säuberungen betroffen. Auch Satzzeichen gelten erstaunlicherweise als politisch unbelastet.

Wieso wird eigentlich das einzige weibliche Satzzeichen, die Klammer, immer verwendet, um weniger wichtige Satzpassagen zu kennzeichnen? Der Punkt dagegen sagt "Schluss jetzt". Muss denn ausgerechnet Martenstein auf den Sexismus der deutschen Interpunktion hinweisen?

Zur Person

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Klug und nachdenklich. Mit seiner angenehmen Stimme erklärt er die alltäglichen Nebensachen unserer Welt. Harald Martenstein ist mit seiner Kolumne seit 2007 auf radioeins zu hören. [mehr]