Mo 12.04.
2021
18:20

Harald Martenstein

Über sich rasch vermehrende Problemwörter

Viele Wörter, die früher völlig bedenkenlos verwendet wurden, gelten heute als problematisch.

Harald Martenstein
Harald Martenstein | © dpa

In Berlin möchte Bettina Jarasch von den Grünen Regierende Bürgermeisterin werden. Auf der Parteitagsbühne wurde sie gefragt, was sie als Kind werden wollte. Sie sagte: "Indianerhäuptling!" Dieser Berufswunsch schien perfekt zu ihrer Kandidatur zu passen. Sie wollte also schon früh eine Führungsposition, zudem in einem typischen Männerberuf, Häuptling.

Ihr war aber nicht klar, dass "Indianer" inzwischen eines der sich mit affenartiger Geschwindigkeit vermehrenden Problemwörter ist, trotz des Sympathieträgers Winnetou. Das Wort "Indianer" haben diese Menschen sich nicht ausgesucht, es ist eine Fremdzuschreibung, ähnlich wie der Kosename "Hasi" für den Lebenspartner. Er selbst würde sich niemals mit "Ich heiße Hasi" vorstellen. Es gab Unmut beim grünen Fußvolk. Jarasch entschuldigte sich mit der Bemerkung, es habe sich um "unreflektierte Kindheitserinnerungen" gehandelt, sie wolle "dazulernen".

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Klug und nachdenklich. Mit seiner angenehmen Stimme erklärt er die alltäglichen Nebensachen unserer Welt. Harald Martenstein ist mit seiner Kolumne seit 2007 auf radioeins zu hören. [mehr]