Harald Martenstein über

Ein alter Hund und die Notwendigkeit Gefühle zuzulassen

Früher, im Krieg etwa, war doch alles viel schlimmer als jetzt, in der Corona-Krise. Das mag sein – aber trotzdem dürfen Menschen ihre Lage als unperfekt empfinden.

Harald Martenstein
Harald Martenstein | © dpa

Harald Martensteins Hund ist ein vierbeiniges Gegenstück zu dem Filmstar Johannes "Jopie" Heesters, der sich im Alter von 104 Jahren am Neujahrstag des Jahres 2008 bei einem Treppensturz schwer verletzte. Angeblich wollte er des Nachts in seinem Haus nach unten in die Küche, um eine Zigarette zu rauchen. Zwei Monate später gab Jopie ein Konzert in den Niederlanden, bald darauf spielte er in einer Filmkomödie mit, Regie: Til Schweiger.

Martensteins Hund ist in einer ähnlichen Alterszone, er muss jetzt um die 16 sein, genau weiß das nicht mal er selber. Er ist blind, wie der späte Heesters, und bekommt täglich sechs Pillen sowie eine Tinktur gegen die Nebenwirkungen einer der Tabletten. Im Haus trägt er Babywindeln, die Hundewindeln sind zu teuer. Generell gehört das Halten uralter Hunde zu den eher kostspieligen Hobbys. Er macht das, weil der Hund immer noch deutliche Symptome von Lebensfreude zeigt, er frisst, interessiert sich für Hündinnen und wedelt mit dem Schwanz, wenn er Freunde riecht. Mit 107 bekam Heesters einen Herzschrittmacher. Auch bei Hunden ist das möglich...

Zur Person

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Klug und nachdenklich. Mit seiner angenehmen Stimme erklärt er die alltäglichen Nebensachen unserer Welt. Harald Martenstein ist mit seiner Kolumne seit 2007 auf radioeins zu hören. [mehr]