Nachruf

radioeins trauert um Françoise Cactus

Françoise Cactus von Stereo Total hat immer am letzten Dienstag im Monat auf radioeins "Die Sendung" moderiert. Heute ist die Musikerin völlig unerwartet verstorben. radioeins-Musikchefin Anja Caspary mit einem Nachruf.

Françoise Cactus © Brezel Göring
Françoise Cactus | © Brezel Göring
Françoise Cactus © Brezel Göring
Brezel Göring
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Françoise Cactus ist tot. Die bekannte Berliner Musikerin ist heute morgen gestorben. Das ist ein sehr trauriger Tag, denn Françoise Cactus war uns hier bei radioeins sehr verbunden. Sie hat seit 2016 eine eigene Sendung gehabt und uns alle an ihrem unglaublichen Auskennerinnenkosmos teilhaben lassen, hat ausschließlich Vinylplatten zu Themen wie Autos, Sex, Tieren, Frauen, Männern, das Tanzen u.v.m. aufgelegt und so charmant und vor allem geistreich und lustig Lieder mit ihrem französischen Akzent kommentiert.

Sie wird uns sehr fehlen!

Dienstag hätte man sie wieder am Mikrofon auf radioeins hören können. Ihr Mann Brezel Göring, mit dem sie nicht nur gemeinsam Musik seit fast 30 Jahren machte, wird am 23. Februar "Die Sendung" alleine moderieren. Er hat drum gebeten, es wird eine Art Vermächtnis sein, er wird Lieder spielen, die sie gerne mochte, Hörspiel-Sprachausschnitte etc..

Françoise Cactus hat Trash, Garagenrock und Sixties-Beatmusik mit französischem Chanson auf deutsch, englisch und französisch fusioniert. Eine einzigartige Melange, die nur sie konnte.

Françoise war schon seit den 80ern eine Berühmtheit, seit sie 1986 nach Berlin gekommen war und eine Band gegründet hatte – die Lolitas. Die waren in Westberlin eine große Nummer, vor allem sie – die sexy Französin, die nicht nur sang, sondern dabei am Schlagzeug saß und den Beat trommelte. Das beides zu können ist hohe Kunst – da kann auch Bela B ein Lied von singen.

Zusammen mit Brezel, den sie 1993 kennenlernte, gründete sie STEREO TOTAL und wurde deutschlandweit bekannt – vor allem auch mit dem Song „Liebe zu dritt“.

Sie war eine ganzheitliche, frauenbewegte Künstlerin, manchen wird vielleicht noch ihre lebensgroße gehäkelte Wollpuppe, die „Wollita“, im Gedächtnis sein – da gab es vor 20 Jahren noch einen Skandal in der BILD und Co., weil deren große Brüste mit gehäkelten Brustwarzen aus roter Wolle als pornographisch empfunden wurde.

Sie war ein unglaublich freundlicher Mensch, lebensbejahend, geistvoll, trotz aller Talente ganz bescheiden. Mit Ende 50 ist sie an Brustkrebs gestorben, der wiederkam und im letzten Jahr metastasierte. Sie wusste, dass sie nicht mehr lange leben würde, aber hat ihre Sendung für radioeins trotzdem immer gemacht, auch wenn es ihr schlecht ging. Zum Teil ist sie dafür extra aus dem Krankenhaus ins Homestudio gefahren – um diese beiden Stunden zu machen.