Do 05.12. 16:08
radioeins ab vier

Geht doch!

Multikulti in der Platte in Luckau

Das ist doch alles schwierig mit der Integration der vielen Asylbewerber – das haben wir zumindest lange Zeit immer wieder gehört - und hören es aus bestimmten Richtungen immer noch.

Neubaugebiet „Am Mühlberg“ in Luckau © radioeins/Amelie Ernst
Neubaugebiet „Am Mühlberg“ in Luckau | © radioeins/Amelie Ernst

Vor allem standen die DDR-Neubauviertel im Fokus – denn dort gibt es nach wie vor vergleichsweise viele freie Wohnungen, in die in den vergangenen Jahren auch vergleichsweise viele Asylsuchende eingezogen sind. Aber wie sieht es heute aus? Klappt das Zusammenleben?

radioeins-Brandenburg-Reporterin Amelie Ernst hört sich diese Woche um im Land und sucht nach Antworten auf vermeidlich komplexe Fragen – wie eben beim Thema Integration.

Neubaugebiet „Am Mühlberg“ in Luckau © radioeins/Amelie Ernst
radioeins/Amelie Ernst
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Integration ausgerechnet in sozialen Brennpunkten – wo hast Du Dich umgehört?

Ich war in Luckau, mitten im Kreis Dahme-Spreewald, und da im Neubauviertel Am Mühlberg. Über fünfzig Häuser gehören dazu, alle so vier- maximal fünfgeschossig, gebaut Ende der 60er Jahre. Und da gab es bis vor ein paar Jahren eben vergleichsweise viel Leerstand – dann kamen viele geflüchtete Menschen, und die sind dort dann nach und nach eingezogen. Und in dem Zuge ist dort in einem leeren Ladenlokal auch das Quartier 53 entstanden, wo auch mehrmals die Woche Deutschkurse angeboten werden. Aber eben nicht nur.

„Wir haben natürlich die Beratung für Geflüchtete und Einheimische – sei es einen Online-Vertrag kündigen, ein Job-Center-Antrag oder den Arbeitslosengeld I-Antrag beantragen, oder andere Formulare ausfüllen. Oder aber die Kinder in Vereinen anmelden, eine Bewerbung schreiben oder wenn jemand etwas erklärt haben möchte, was er nicht versteht.“

Susanne Herms, Verein „Mensch Luckau“ © radioeins/Amelie Ernst
Susanne Herms, Verein „Mensch Luckau“ | © radioeins/Amelie Ernst

Das sind also alles Angebote für ALLE Menschen im Wohngebiet Am Mühlberg. Das soll so ein zentraler Anlaufpunkt sein, wo es auch Räume für Veranstaltungen gibt, wo Kinder spielen und lernen können. Oder wo man einfach hingeht, wenn’s was zu klären gibt, sagte mir Susanne Herms vom Trägerverein „Mensch Luckau“.

„Gestern hatte ich was ganz Tolles, da habe ich mich gefreut. Da gab es einen kleinen Rangierunfall beim Parken. Es waren Deutsche und Geflüchtete beteiligt und die kamen in der Gruppe zu mir rein und fragten: was machen wir jetzt? Und da habe ich mir gedacht: Mensch super, das kann eine Art Schiedsstelle sein. Und dann habe ich erklärt, wie das mit den Versicherungen geht im Allgemeinen. Und dann waren sie alle beruhigt.“

Also im Zweifel werden in dem kleinen Laden/Quartier 53 auch mal kleinere Nachbarschaftsstreitigkeiten geklärt.

Button des Vereins „Mensch Luckau“ © radioeins/Amelie Ernst
Button des Vereins „Mensch Luckau“ | © radioeins/Amelie Ernst

Das heißt, dieser kleine Laden ist nicht nur Ansprechpartner für Geflüchtete, sondern der bringt die auch mit den anderen Bewohnern zusammen!?

Jein – also bei der Beratung in allen Lebenslagen klappt das schon ganz gut, aber die deutschen Nachbarn nutzen den Treffpunkt eigentlich noch nicht so intensiv, wie’s möglich wäre – für Feste, Filmabende, Skatrunden oder so. Da bleiben die ausländischen Nachbarn noch oft unter sich. Auch beim Kindernachmittag zum Beispiel. Das müsse auch nicht zwingend was mit Ausgrenzung zu tun haben, meinte Susanne Herms. Vielleicht haben viele Nachbarn auch einfach keine Lust auf neue Kontakte. Und ich habe mich natürlich auch mal umgehört draußen auf dem Fußweg – und da fiel mir schon auf: Viele wissen gar nicht, dass das Quartier 53 auch für sie gedacht ist.

Andererseits sagen aber auch viele: Schön, dass es jetzt mal wieder einen Treffpunkt im Wohngebiet gibt – auch wenn ich selbst noch nie da war.

Das heißt, wirklich fertig ist man mit der Integration dort am Mühlberg auch noch nicht, oder?

Da geht auf jeden Fall noch mehr – aber andererseits merkt man eben auch, dass es schon sehr viel gebracht hat, dass es da im Wohngebiet eine zentrale Anlaufstelle und auch Ansprechpartner bei Problemen im Zusammenleben gibt. Monika Zacher wohnt schon seit 50 Jahren am Mühlberg – und sie hat mittlerweile kaum noch Probleme mit ihren ausländischen Nachbarn.

Sich einfach mal freundlich grüßen – damit fängt es ja manchmal schon an.