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"Courage" von Aliaksei Paluyan

Immer wieder sorgen die Protestbewegungen in Belarus für Schlagzeilen, immer wieder ist man erschüttert mit welcher staatlichen Gewalt gegen die Demonstrierenden vorgegangen wird. Aus nächster Nähe begleitet der belarussische Regisseur Aliaksei Paluyan die Protestbewegungen der Zivilbevölkerung im Kampf um ihr Recht auf Demokratie, freie Wahlen und Meinungsfreiheit. Dieser mutige Film ist jetzt beim Summer Special der Berlinale zu sehen und ab Juli auch im Kino.

Vor 15 Jahren schon haben Maryna, Pavel und Denis die engen Toleranzgrenzen des autoritären Regimes nicht länger hingenommen: Sie verließen das Staatstheater Minsk, um für das neu gegründete Belarus Free Theatre zu spielen. Zivilcourage als Gebot der Moral. Die Proben laufen heimlich, der Regisseur wird per Skype aus dem Exil zugeschaltet, die Mittel sind knapp, die Themen brisant. Das aktuelle Stück handelt (wie das Leben zwischen Alltag und Untergrund) von verschwundenen Oppositionspolitiker*innen und dem Verlust jeglicher Existenzgrundlage. Von Wahrheit. Wer sie ausspricht, nimmt Repressionen und sogar den Tod in Kauf. Denis hat sich deshalb bewusst für den „Verrat an der Kunst“ entschieden, wie er sagt, und sich zurückgezogen, um seine Familie zu schützen. Doch auch wer „nur“ zuschaut, setzt mittlerweile alles aufs Spiel. Denn Hinsehen heißt Wissen.

Seit den Präsidentschaftswahlen im August 2020 sind es Hunderttausende, die nicht mehr wegschauen. Die „laut schweigend“, gewaltfrei für einen friedlichen Machtwechsel in Belarus protestieren. Von diesem Sog, die drei mittendrin, handelt Courage. Ein Film, der schmerzhaft anzusehen ist, gerade weil er mit Ruhe und äußerster Geduld den fragilen Handlungsspielraum der Massenprotestbewegung vermisst. Und der nachvollziehbar macht, warum dieser Widerstand für so viele selbstverständlich geworden ist. Wer hier als Mensch leben – und überleben – will, braucht Mut.

Über seinen Film "Courage", der jetzt auf dem Berlinale Summer Special läuft, spricht Holger Klein mit dem Regisseur Aliaksei Paluyan.


Quelle: Berlinale