Aktuell

Urteil im NSU-Prozess - trotzdem bleiben Fragen offen

Der NSU-Prozess in München ist nach mehr als fünf Jahren vorbei. Das Oberlandesgericht in München hat die Haupt-Angeklagte Beate Zschäpe zu lebenslanger Haft verurteilt. Sie wurde des zehnfachen Mordes, der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und schwerer Brandstiftung schuldig geprochen. Doch es bleiben weiterhin Fragen offen.

Ein Schild mit der Aufschrift "Angeklagte Zschäpe" im Gerichtssaal © imago/Sebastian Widmann
Ein Schild mit der Aufschrift "Angeklagte Zschäpe" im Gerichtssaal | © imago/Sebastian Widmann

Im NSU-Prozess ist die Hauptangeklagte Zschäpe zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Oberlandesgericht München entschied, sie sei Mittäterin bei den zehn Morden, den Anschlägen und Raubüberfällen des NSU-Trios gewesen. Außerdem wurde eine besondere Schwere der Schuld festgestellt - damit ist eine vorzeitige Haftentlassung für Zschäpe nach 15 Jahren unwahrscheinlich.

Politiker, Menschenrechtsorganisationen und Verbände haben den Schuldspruch im NSU-Prozess begrüßt. Gleichzeitig forderten viele von ihnen aber eine weitere Aufarbeitung des Falles. Vor allem über die Rolle der Sicherheitsbehörden und mögliche, noch unbekannte Komplizen müsse weiter ermittelt werden, hieß es.

Auch für den ehemaligen Staatsanwalt, Richter und Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung Heribert Prantl sind nicht alle Fragen geklärt. Katja Weber und Holger Klein sprachen mit ihm darüber.

Ein Schild mit der Aufschrift "Angeklagte Zschäpe" im Gerichtssaal © imago/Sebastian Widmann
imago/Sebastian Widmann
Download (mp3, 6 MB)


Die Ombudsfrau der Bundesregierung für die Hinterbliebenen der NSU-Opfer, John, hat das Urteil gegen Zschäpe und ihre Mitangeklagten begrüßt. Gleichzeitig bedauerte sie, dass die Hintergründe der Taten im Verlaufe des Verfahrens nicht vollständig aufgedeckt werden konnten.  

Wünschenswert wäre, jetzt eine unabhängige Kommission einzusetzen, die diesen Fragen nachgeht, sagte John im rbb. In anderen Ländern gebe es für solche Fälle sogenannte Enquete-Kommissionen. Ihr Vorteil liege unter anderem darin, dass sie keine so große Nähe zu Polizei und Verfassungsschutz hätten.