Neuer Intendant gefunden

René Pollesch übernimmt die Berliner Volksbühne

Kultursenator Lederer verspricht sich eine große Vielfalt, unterschiedlichste Stile und eine Bühne für Berlin

Der Regisseur und Autor René Pollesch wird neuer Intendant der Berliner Volksbühne. Das hat Kultursenator Klaus Lederer heute Mittag auf einer Pressekonferenz bestätigt. Pollesch werde zur Spielzeit 2021/22 sein Amt antreten, sagte der Linken-Politiker.

René Pollesch (re.) zusammen mit Kultursenator Klaus Lederer in der Volksbühne © dpa/Britta Pedersen
Mit René Pollesch kehrt ein bekanntes Gesicht an die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz zurück | © dpa/Britta Pedersen

Die Volksbühne unter ihrem Langzeit-Intendanten Frank Castorf hat viele Menschen geprägt: Künstler, die an dem Haus gearbeitet haben, Zuschauer, die dort Sehgewohnheiten oder Techniken des Theaterschlafes erlernt haben, und auch Menschen, die nicht so oft ins Theater gehen, haben mitbekommen, dass da einiges los ist am Rosa-Luxemburg-Platz.

Doch das Haus schlingerte in der jüngeren Vergangenheit gehörig rum: Castorf wurde durch den glücklosen ungeliebten Intendanten Chris Dercon ersetzt, der jedoch im April 2018 wieder das Halstuch schmiss.

Derzeit wird die Volksbühne von Klaus Dörr geführt. Und der soll zur Spielzeit 21/22 durch einen ersetzt werden, der das Haus in den Nuller Jahren mitgeprägt hat – durch den Autor und Regisseur René Pollesch.

Katja Weber und Holger Klein sprechen darüber mit Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke).

René Pollesch (re.) zusammen mit Kultursenator Klaus Lederer in der Volksbühne © dpa/Britta Pedersen
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Auf die Frage "Warum denn jetzt Pollesch?" antwortete Lederer:


"Es war irgendwie die relativ schwierige Frage, was macht eigentlich diese Volksbühne aus. Es haben immer ganz viele von der Volksbühnentradition oder von dem ganz besonderen dieses Theaters gesprochen. Und wenn man genauer nachgefragt hat, dann stellte sich raus, da versteht jeder was anderes darunter. Und insofern habe ich mir sehr viel Zeit genommen – mal darüber nachzudenke, was ist es eigentlich, was diese Volksbühne ausmacht. Und es war - glaube ich - immer diese Verbindung von Sprechensemble und Repertoiretheater mit prägenden Regiehandschriften, die auch nebeneinander her existierten. Sie haben es ja selber in der Anmoderation schon gesagt – es ist so eine spezifische Verbindung aus ästhetischer Avantgarde und kritischer künstlerischer Verhandlung politischer Themen. Und da suchte ich jetzt jemanden, der dafür steht, dass nicht völlig alleine sondern tatsächlich im „Wir“ mit vielen anderen, mit den Gewerken, und mit vielen neuen Gesichtern, aber auch einigen alten Gesichtern, wieder zu etablieren. Und nachdem wir jetzt ein halbes Jahr mit einem Mann da sehr intensiv im Gespräch waren, bin ich fest davon überzeug, dass René Pollesch genau der richtige ist!"

Pollesch hat bereits lange an der Volksbühne gearbeitet: Von 2001 bis 2007 hat er während der Intendanz von Frank Castorf die Nebenbühne Prater geleitet. Bei der Pressekonferenz kündigte Pollesch heute Mittag an, auch einige bekannte Schauspielerinnen und Schauspieler zurück ins Ensemble der Volksbühne zu holen. Dazu gehören Martin Wuttke, Sophie Rois und Fabian Hinrichs.

Zuletzt hat Pollesch in Berlin am Deutschen Theater "Cry Baby" mit Sophie Rois und "Black Maria" inszeniert. Der 56-Jährige war auch an Theatern in Stuttgart, Hamburg, Wien und Frankfurt am Main engagiert.