Medizin

Über eine mögliche Immunisierung nach einer Corona-Erkrankung

Wie ist der aktuelle Erkenntnisstand, wenn es darum geht, ob ein Mensch nach überstandener Corona-Erkrankung immun ist? Und: kann diese Person – selbst bei Immunität – das Virus weiterhin übertragen kann?

Coronavirus © imago images/Future Image
Coronavirus | © imago images/Future Image

Möglicherweise haben Sie es diese Woche schon bei uns gehört: Holger Klein war an Covid-19 erkrankt und hatte glücklicherweise einen vergleichsweise milden Verlauf und musste auch nicht in die Klinik.

Covid-19 ist eine Viruserkrankung und normalerweise ist man nach einer solchen erstmal immun. Könnte Holger SARS-CoV-2 also ohne Mund-Nasen-Schutz und gelassen ins Gesicht gucken. Oder vielleicht doch nicht?

Wir fragen jemenden, der sich damit auskennt: Till Koch. Der forscht in der Abteilung für Klinische Infektionsimmunologie am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) und betreibt Wissenschaftskommunikation in seinem eigenen Podcast.

Coronavirus © imago images/Future Image
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Ich bin seit ungefähr einer Woche wieder draußen, also aus meiner Quarantäne raus. Bin ich jetzt immun?


Ja, das ist eine der ganz großen Fragen. Und definitiv beantworten können wir das leider noch nicht. Was wir aber schon sagen können, ist, dass die allermeisten Menschen, die die Erkrankung durchgemacht haben, eigentlich eine sehr stabile Immunantwort bilden. Das heißt, auf der einen Seite werden sowohl Antikörper gebildet, aber auch die Immunzellen, B-Zellen oder T-Zellen, vor allem auch, die mit der Abwehr in diesem Fall von SARS-CoV-2 beschäftigt sind, die steigen bei den allermeisten Menschen, die diese Erkrankung durchgemacht haben, gut an, und die bleiben vor allem auch viele Monate bestehen. Da gibt es jetzt ganz aktuell ein Paper, sehr hochrangig im „Science“ veröffentlicht, was gezeigt hat, dass es eigentlich bis acht Monate, so lange hat man es schon nachgeguckt, sehr gute Immunantworten gibt. Das ist leider nicht ganz das Gleiche, wie wirklich ein Schutz auch, aber das ist schon mal ein guter Hinweis, den wir im Labor haben.

Kann ich andere denn anstecken?


Ja, auch das geht ja gewissermaßen miteinander einher. Es ist wichtig, diese Unterscheidung vorzunehmen, die sie jetzt auch schon angesprochen haben, zwischen der Infektion mit SARS-CoV-2 einerseits und der Erkrankung Covid-19 andererseits. Und ähnlich, wie bei der Immunität nach der Erkrankung, ist es zum Beispiel auch bei den Impfstoffen im Moment noch nicht ganz klar, ob die mich jetzt nur vor der Erkrankung Covid-19 oder auch vor der eventuell asymptomatischen Infektion mit SARS-CoV-2 schützen.

Was ist denn überhaupt mit Impfung? Muss ich jetzt auch zweimal zur Impfung oder reicht bei mir einmal oder keinmal?


Also im Moment ist die Empfehlung noch, die ich geben würde, dass man auch tatsächlich Leute, die die Erkrankung durchgemacht haben, dass die sich doch auch impfen lassen sollten, einfach um ganz sicher zu gehen. Irgendetwas Schlimmes passieren kann da - nach bis jetzigem Wissensstand - eigentlich nicht. Und es sind auch schon viele Leute geimpft worden, die die Erkrankung mal durchgemacht haben, bei denen es auch nichts Schlimmes passiert. Und im Gegenteil hat man eher die Chance, dass man das Immunsystem noch mal so richtig gut stimuliert und dann eine noch bessere Immunität nach der Impfung hat.

Jetzt wird empfohlen, den Impfstoff von BioNTech und Pfizer spätestens drei Wochen nach der ersten Impfung noch mal zu verimpfen, sagen die Hersteller. Weil aber der Impfstoff gerade so knapp ist, wird diskutiert diese zweite Impfung rauszuschieben - auf 42 Tage ist manchmal zu lesen. Manchmal wird auch gesagt: vielleicht noch länger. Halten Sie das für eine gute Idee?


Die Studien haben prinzipiell nur eine diesen Zeitabstand, den Sie gerade genannt haben, drei Wochen bei Pfizer/BioNTech und vier Wochen bei Moderna, untersucht. Und das würde ich prinzipiell auch empfehlen, dass man sich daran hält. Jetzt wissen wir von Impfungen, dass es für den Impferfolg letztendlich nicht so schlimm ist, wenn man die zweite Impfung, diese Booster-Impfung, um ein paar Wochen ruhig auch nach hinten verschiebt. Das heißt, nach der zweiten Impfung werde ich dann, selbst wenn ich einige Wochen später die zweite Impfung erst mache, trotzdem noch einen Erfolg haben. Man muss aber sagen, dass zwischen diesen beiden Impfungen der Impferfolg, also die Protektion, die Wirksamkeit, der Schutz nicht hundertprozentig gegeben ist. Und da können wir wirklich jetzt noch keine definitive Aussage drüber machen. Das sieht in den Studien, die veröffentlicht wurden, so aus, aber sagen kann man es im Moment wirklich noch nicht. Und deswegen würde ich es nicht empfehlen.

Ich würde es tatsächlich empfehlen, dass man sich an diese vom Hersteller empfohlenen Zeitabstände hält, um ganz sicher zu gehen. Weil nur dann können wir sicher sein, dass die Leute wirklich einen sehr hohen Schutz vor der Erkrankung Covid-19 haben.