"Corona-Monitoring lokal" des Robert Koch-Instituts

Große Corona-Antikörper-Studie in Berlin-Mitte

2000 Personen aus dem Berliner Bezirk Mitte sollen für eine Studie auf Coronavirus-Antikörper untersucht werden. Der Bezirk erklärte, das Robert Koch-Institut wolle damit herausfinden, wie viele Menschen ohne Symptome infiziert waren.

Stephan von Dassel, Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte © imago images/Bernd Friedel
Stephan von Dassel, Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte | © imago images/Bernd Friedel

Die Corona-Antikörperstudie in Berlin-Mitte ist Teil der deutschlandweiten Untersuchung "Corona-Monitoring lokal" des Robert Koch-Instituts (RKI). In vier von der Corona-Pandemie besonders betroffenen Regionen werden jeweils 2.000 Menschen auf Antikörper getestet.

Berlin-Mitte ist seit Beginn der Pandemie nach Neukölln der Bezirk mit den zweitmeisten erfassten Corona-Fällen. Die Studie soll morgen beginnen. Bis jetzt haben sich in Berlin-Mitte nachweislich rund 6.000 Menschen mit dem Coronavirus angesteckt. Doch die Dunkelziffer dürfte laut Experten deutlich höher liegen.

Sonja Koppitz und Max Spallek sprachen über die Studie zu Corona-Antikörpern mit dem Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel (Bündnis90/Die Grünen).

Stephan von Dassel, Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte © imago images/Bernd Friedel
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Morgen startet ja diese Studie des RKI in ihrem Bezirk. Was ganz genau soll denn da bitte schön herausgefunden werden?


Es werden hoffentlich 2000 Menschen getestet, die jetzt über einen Zufallsgenerator über die Melderegister ausgewählt worden sind. Man will dann zwei Dinge testen. Das erste ist, gibt es Menschen, die im Moment akut infektiös sind, keine Symptome haben und deswegen unter dem Radar des Gesundheitsamtes langlaufen? Und zweitens, wie sieht es aus mit den Personen, die vielleicht erkrankt waren, ohne es zu merken? Also wie viele Menschen haben auch wirklich Antikörper?

Und was machen wir dann, wenn sie diese ganzen Daten haben?


Also für uns ist natürlich erstmal wichtig, angesichts der angespannten Testkapazitäten, dass uns das RKI mit dieser Studie noch mal hilft, 2000 zusätzliche Tests durchzuführen, um zu sehen, gibt es eben Menschen, die andere anstecken können, ohne dass sie es wissen. Und dann ist natürlich im Gesamtzusammenhang mit Covid-19 einfach klarer, dass wir noch mehr wissenschaftliche Erkenntnisse brauchen. Und dazu gehört beispielsweise, wie viele Personen eben auch Antikörper gebildet haben oder wie viele Personen auch unerkannt erkrankt waren.

Das machen wir natürlich unter anderem auch bei ihnen im Bezirk deswegen auch, weil sie ja in den Charts der Corona-Neuinfektionen immer ganz, ganz weit oben sind. Jetzt gerade auf Platz zwei, hinter einem Ort in Bayern. Wie ist denn die Stimmung bei ihnen so im Bezirk?


Ja, das ist natürlich ein Spitzenplatz, um den wir uns nicht gerissen haben. Aber es ist völlig richtig, dass das RKI, wenn sie so eine Studie durchführen, das auch in einem urbanen Raum machen, und auch einmal zu einem Zeitpunkt, wo die Pandemie auch wirklich wütet. Die Stimmung ist natürlich nicht gut, nicht nur in unserem Gesundheitsamt, was ja schon seit Monaten an der Belastungsgrenze arbeitet, was wir deutlich verstärkt haben. Aber wir sind da in einem „Hase und Igel Wettlauf“. Wir haben das Personal innerhalb von kurzer Zeit verdoppelt. Die Zahlen haben sich verzehnfacht und, dass alle gastronomischen und kulturellen Einrichtungen im Moment keine gute Laune haben, das ist, glaube ich, auch allen klar. Insofern ist natürlich auch alles, was uns wissenschaftliche Erkenntnisse bringt, wie wir diese Pandemie bekämpfen können, sehr willkommen.

Haben Sie denn das Gefühl, dass diese ganzen Maßnahmen, die ja eingeleitet worden sind, diesen quasi Lockdown auch richtig überprüfen können? Haben sie dafür genug Leute? Weil, das ist ja oft so ein Kritikpunkt, dass Menschen sagen: ja, also wenn das alles richtig überprüft werden würde und daraus dann die Konsequenzen gezogen werden, dann hätten wir vielleicht gar nicht diese Zahlen.


Ja, das kann man vielleicht für den Sommer oder für den Spätsommer sagen. Wenn wir jetzt sagen alle Gaststätten haben zu, ist das natürlich leichter zu überprüfen als beispielsweise eine Sperrstunde. Aber man muss natürlich selbstkritisch sagen, das wir im Spätsommer, glaube ich, restriktivere Maßnahmen hätten ergreifen müssen. Ich kann mich noch gut an die Debatte, an die erste Debatte erinnern, ist das so sinnvoll, dass man sich über die ganze Nacht Alkohol kaufen kann und dann einen sehr, sehr großen Gruppen zusammenstehen und im Prinzip draußen Party machen kann. Da war die Gesellschaft, die Politik eben noch nicht bereit zu sagen, dass wir bereits zu einem Zeitpunkt, wo es noch nicht viele Infektionen gab, doch deutlich restriktiver hätten vorgehen müssen. Im Moment habe ich das Gefühl, halten die Menschen sich weitestgehend dran. Von den 300 Kontrollen, die das Ordnungsamt da wöchentlich macht, da gibt es vielleicht noch so zehn bis 15 Prozent, das überhaupt Ordnungswidrigkeiten aufgeschrieben werden müssen. Das ist schon deutlich anders als im Frühjahr und im Sommer.

Wie geht es Ihnen eigentlich persönlich? Weil im März diesen Jahres, März, April war das, da waren sie ja auch mit Corona infiziert? Spüren sie noch irgendwelche Einschränkungen? Oder ist das ganz weg?


Nein, ich spüre eigentlich keine Einschränkungen. Ich bin im Moment etwas müde. Aber ich glaube, das hängt damit zusammen, dass die Zeiten wirklich sehr herausfordernd sind.