Interview mit Prof. Gabriel Felbermayr (IfW Kiel)

Mindeststeuer: Globale Steuerreform in Sicht

Menschen arbeiten, verdienen Geld, zahlen Steuern. So läuft das für die meisten von uns. Egal ob auf privater oder auf geschäftlicher Ebene. Jetzt gibt es allerdings einige Konzerne, die so riesig und dadurch global-wirtschaftlich so wichtig geworden sind, dass sie nur wenig oder gar keine Steuern zahlen müssen. Das könnte sich bald ändern. Eine globale Steuerreform ist in Sicht.

Ein Geschäftsmann sitzt auf einem großen Geldstapel und schaut auf kleine klagende Menschen herab © imago images/Ikon Images
Die führenden Wirtschaftsnationen (G20) nehmen Kurs auf eine weltweite Steuerreform noch in diesem Sommer. "Ich bin so zuversichtlich wie schon lange nicht mehr", sagt Finanzminister Olaf Scholz (SPD) | © imago images/Ikon Images

Die Minister*innen und Notenbankchef*innen der führenden Wirtschaftsnationen tagen heute zum zweiten Mal in diesem Jahr unter Leitung der italienischen Präsidentschaft. Die G20-Finanzminister*innen diskutieren über eine globale Mindestbesteuerung von Unternehmensgewinnen.

US-Finanzministerin Janet Yellen hatte sich für die Einführung einer globalen Mindeststeuer für international tätige Unternehmen ausgesprochen. Eine Forderung, die viel Anklang gefunden hat. Der deutsche Finanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte am Dienstag gesagt, die Verständigung auf eine globale Steuerreform müsse in diesem Jahr gelingen. Nach den heutigen Beratungen der Finanzminister der G20-Gruppe erklärte er: "Ich bin so zuversichtlich wie schon lange nicht mehr".

Eine globale Mindeststeuer für international tätige Konzerne: Wie könnte ein Modell aussehen? Darüber sprachen Sonja Koppitz und Max Spallek mit Prof. Gabriel Felbermayr. Er ist Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel (IfW Kiel).

Felbermayr erklärte, dass die Idee dahinter simple ist. Es handelt sich um eine Vereinbarung, dass alle Gewinne auf der Welt mit einem Mindeststeuersatz besteuert werden. 21 Prozent sind im Gespräch. Das würde dann auch z.B. für Auslandstöchter amerikanischer Unternehmen in Europa, wie Google, Facebook, Apple oder Amazon, gelten und die Steuergerechtigkeit weltweit verbessern. Und wenn die USA jetzt wirklich Druck machen und es gelingt, die Steueroasen mit an Bord zu ziehen, dann könnte eine globale Mindeststeuer klappen.

Ein Geschäftsmann sitzt auf einem großen Geldstapel und schaut auf kleine klagende Menschen herab © imago images/Ikon Images
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