Berlin

BVG: 30.000 Passagiere ohne Maske unterwegs - 200 bestraft

Interview mit BVG-Sprecherin Petra Nelken

Seit drei Wochen kontrolliert die BVG in Bussen und Bahnen die Maskenpflicht - und hat bisher 30.000 Fahrgäste ohne Mund-Nasen-Schutz erwischt. Etwa 1.300 Masken hat die BVG verteilt, rund 100 Fahrgäste hatten ein Attest und müssen deshalb keine Maske tragen. Ungefähr 200-Mal wurde laut BVG eine Strafe verhängt.

Zwei Personen mit Mund Nasen Maske sitzen in uterschiedlichen Waggons der U-Bahn in Berlin
Zwei Personen mit Mund Nasen Maske sitzen in uterschiedlichen Waggons der U-Bahn in Berlin | © imago images / photothek

Eigentlich gilt in allen Verkehrsmitteln Maskenpflicht, zumindest bei der BVG wird diese neuerdings auch durchgesetzt. Aber Dummheit und Egoismus bleiben stark, sodass in den letzten drei Wochen 30.000 Passagiere ohne Maske angetroffen worden sind. 200 mal hat die BVG eine Strafe verhängt.

Warum nur so selten, darüber hat Holger Klein mit der Pressesprecherin der BVG, Petra Nelken, gesprochen.

Zwei Personen mit Mund Nasen Maske sitzen in uterschiedlichen Waggons der U-Bahn in Berlin
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200 Strafen bei 30.000 ohne Maske. Was haben Sie mit den restlichen 29.800 Leuten gemacht?


Nein, also es ist tatsächlich so, und ich verstehe da auch ihren Ärger und den Ärger vieler Menschen völlig. Es ist eine Geste der Höflichkeit, eine Maske zu tragen. Ob ich daran glaube oder nicht, ist eigentlich ziemlich egal, aber ich kann doch einfach mal nett sein.

Also, meine Kollegen sprechen die Menschen an und, wie wir uns das alle vorstellen können, da wir auch alle in den nächsten Supermarkt gehen wollen, haben die meisten Menschen eine Maske – nun muss ich allerdings auch sagen, so haben mir das meine Kolleginnen und Kollegen gesagt, dann wird die Maske auch aus der Tasche gezogen, dann wird sie auch aufgesetzt. Die meisten Leute reagieren freundlich oder es kommt zu einem „Oh Mist, habe ich vergessen“.

Vergessen? Da steht doch überall, dass man eine Maske tragen soll.


Ja, wir haben wirklich, wirklich an jeder Tür – egal, ob sie in den Bus, in die U-Bahn oder Straßenbahn einsteigen. Aber, wie gesagt, das ist so, denn wir haben das natürlich, das ist ein bisschen ein Novum, wir haben ja das Maskentragen in unsere Nutzungsbedingungen aufgenommen, d.h. sie gehen mit uns einen Vertrag ein. Sie bezahlen und wir bringen sie von A nach B. Und da gibt es allerdings ein paar Regeln, die man sagen kann. Im Flugzeug könnte man sagen „Schnallen sie sich bitte an“ oder bei uns sagt man den eben „Haben sie bitte keine offenen Speisen und Getränke“. Und die Möglichkeit ist zu sagen, das ist in meinem Verkehrsmittel so und wenn du dich nicht dran hältst, dann musst du es bitte verlassen.

Nochmal: Wir setzen hiermit nicht die Verordnung des Landes Berlins um, das können wir auch gar nicht, weil wir sind keine Ordnungsmacht, wir sind ein Verkehrsunternehmen, aber wir können herumgehen und können die Leute darauf hinweisen. Die meisten tun es dann und wir haben auch schon mal Fahrgäste, dass wissen sie, die sagen „Oh Gott, ich habe kein Geld, ich habe keine Maske“, wir haben auch Fahrgäste, die obdachlos sind, denen geben wir eine Maske.

Jetzt haben wir ja das Problem, die meisten mögen das machen mit der Maske, aber es braucht im Zweifelsfall auch nur einen einzigen symptomlos Infizierten in der vollen U-Bahn und die Masken aller Vernünftigen sind quasi wirkungslos. Gibt es irgendeine Chance, dass sie die Maskenquote auf 100 Prozent erhöhen?


Nein. Wir haben sie deutlich erhöht. Das muss man wirklich sagen. Durch unsere Maßnahmen haben wir sie Deutlich erhöht. Da sind wir auch schon ganz froh. Besonders in den Berufsverkehren ist die Disziplin deutlich besser geworden. Aber wir haben natürlich, sie dürfen nicht vergessen, auch wenn wir jetzt sagen, wir haben vielleicht so 70-75 Prozent unserer normalen Fahrgastzahlen, heißt es aber immer noch, dass über zwei Millionen Menschen bei uns unterwegs sind. Das kriegen sie nicht kontrolliert. Bedenken sie, wie viele U-Bahnlinien wir haben, wie viele Busse wir haben und, wie viele Straßenbahnen wir haben – und die fahren im Fünf- bis Zehn-Minuten-Takt.

Sie könnten mehr Kontrolleure einstellen!?


Da würden wir von einigen Hundert reden, um in jedem Fahrzeug jemanden zu haben. Und dann erhöhen wir die Tarife und sie sind bereit, den höheren Tarif zu bezahlen.

Ich persönlich wäre das, aber ich kenne sehr viele Leute, die mir was husten würden. Wie hoch ist denn eigentlich die Strafe, wenn ich ohne Maske angetroffen werde?


Wenn sie ohne Maske angetroffen werden, können wir von ihnen eine Vertragsstrafe von 50 Euro erheben.

Wenn sie die Masken in die Beförderungsbedingungen geschrieben haben, dann ist diese Maskenpflicht unabhängig vom Pandemiegeschehen bezogen auf den Senat. Gibt es da irgendein Verfallsdatum oder gucken sie bei Gelegenheit nochmal drauf?


Wir haben „Bis auf Weiteres“ geschrieben und das bitte nicht durcheinanderbringen – es steht eben nicht in den Beförderungsbedingungen. Die Beförderungsbedingungen in Berlin und Brandenburg sind die gleichen. Wir sind in einem Verkehrsverbund. Wir gehen hier als BVG einen Extraweg und haben die in unsere, nur für die BVG geltenden Nutzungsbedingungen geschrieben. Deshalb ist da der kleine Unterschied.

Insofern haben wir einfach mal gesagt „Bis auf Weiteres“. Und in dem Moment, wo jemand sagt „Hurra, wir haben einen Impfstoff gefunden, hurra, es ist vorbei“, dann werden wir auch ganz schnell alle Aufkleber wieder abmachen und sagen: Wir wünschen euch einen superschönen Tag und lächelt euch doch jetzt bitte mal alle an.