Di 14.01. 17:38
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Zehn Jahre Canisius-Skandal

Katholische Kirche hat die Aufarbeitung lange verschleppt

Zehn Jahre nach Bekanntwerden der Missbrauchsfälle am Berliner Canisius-Kolleg werfen Opfer der katholischen Kirche vor, die Aufarbeitung zu verschleppen. Der Sprecher der Betroffenen-Initiative "Eckiger Tisch", Matthias Katsch, sagt, erst jetzt gehe es um tatsächliche Entschädigung.

Kreuz in einer Kirche © imago/epd
Kreuz in einer Kirche | © imago/epd

Vor zehn Jahren gab es die ersten Hinweise auf Missbrauch am Canisius-Kolleg in Berlin. Es folgte die Aufdeckung des schwersten Missbrauchsskandal der katholischen Kirche in Deutschland.

Ehemalige Schüler des Berliner Canisius-Kollegs machten öffentlich, dass sie als Jugendliche in den 1970-er und 80-er Jahren dort sexuell missbraucht worden waren. Die Täter waren zwei Jesuiten-Pater, die an der Schule unterrichteten. Die Kirche spricht inzwischen von bundesweit mehr als 3.500 Opfern. Die tatsächlichen Zahlen dürften weit darüber liegen.

Der Sprecher der Betroffenen-Initiative "Eckiger Tisch", Matthias Katsch, sagt, die katholische Kirche habe die Aufarbeitung lange verschleppt. Tatsächlich gehe es erst jetzt um konkrete Fälle und um Entschädigung. Bisher seien nur "lächerliche Summen" bis zu 5.000 Euro gezahlt worden. Es gehe aber um ein gesamtes Leben nach dem sexuellen Missbrauch. Katsch spricht sich für eine Entschädigung in Höhe von bis zu 400.000 Euro aus.

Max Spallek sprach darüber mit Matthias Katsch, dem Sprecher der Betroffenen-Initiative "Eckiger Tisch".

Der Leiter der Verwaltung des Erzbistums Berlin, Pater Manfred Kollig, betonte im rbb, man habe sehr viel getan. Es sei jedoch kompliziert, die Akten aufzuarbeiten. Das würden auch unabhängige Juristen bestätigen.  

Man müsse aus der Vergangenheit lernen, damit man es in Zukunft besser machen könne, sagte Kollig. Gänzlich vermeiden könne man solchen Missbrauch wohl nicht. Der einzelne sei ein freier Mensch und wie er sich letztendlich entscheide, für gut oder böse, das könne man nur bedingt beeinflussen, so Kollig.