Berliner Clubs dürfen wieder öffnen

2G-Regelung: Clubcommission hätte sich PCR-Test-Option gewünscht

In Berlin dürfen Clubs wieder öffnen, aber nur für von Corona-Genesene und vollständig Geimpfte. Das hat der Senat beschlossen und setzt damit ein Gerichtsurteil um. Die Clubcommission freut sich grundsätzlich über die Öffnung, hätte jedoch die Option für PCR-Tests begrüßt, für die sie sich eingesetzt hatte.

Discokugel © imago/blickwinkel
Discokugel | © imago/blickwinkel

Die Berliner Clubs dürfen ab der Nacht auf Samstag wieder öffnen, allerdings nur für Gäste, die vollständig gegen Corona geimpft sind oder genesen. Das hat der Senat beschlossen. Getestete müssen draußen bleiben.

Berlin übernimmt damit die sogenannte "2G-Regelung". Davor hatte das Berliner Verwaltungsgericht entschieden, dass das generelle Verbot von gewerblichen Tanzveranstaltungen in geschlossenen Räumen für geimpfte und genesene Personen unzulässig ist. Die Regelung gilt übrigens nicht für Konzerte.

Meili Scheidemann und Max Ulrich sprechen darüber mit Lutz Leichsenring von der Berliner Clubkommission.

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Das Interview mit Lutz Leichsenring in voller Länge:


radioeins: Sind Sie zufrieden mit der Entscheidung des Senats?

Leichsenring: Na ja, also wir hatten hier eine andere Forderung gestellt, aber es geht auf jeden Fall jetzt voran. Und das ist auf jeden Fall schon mal positiv. Unsere Forderung, die wir gestellt haben, war ja, dass wir auch ein PCR-Test integrieren in das Angebot, damit wir eben nicht wieder eine Spaltung der Clubszene haben, und denen, die eben weder geimpft noch genesen sind, auch noch ein Angebot machen können. Die müssten zwar für diese PCR-Test bezahlen, aber da hatten wir auch einen Preis schon verhandelt mit den Anbietern, der um die 15 Euro liegt. Und das, glaube ich, würden sich dann auch die Menschen leisten können.

radioeins: Das war er auch mal so ein Pilotprojekt. Wir haben darüber vor, glaube ich, einem Monat gesprochen, dass die Besucher sich vorher einen PCR-Test holen und dann hinterher auch noch mal. Ich glaube, das Pilotprojekt war erfolgreich, weil es keinen einzigen positiven Fall hinterher gab. Warum hat sich denn der Senat jetzt dagegen entschieden?

Leichsenring: Unser Modellprojekt war ja, dass es für alle PCR-Testungen voraussetzt, also auch die Geimpften und Genesenen. Und dann war auch unser Vorschlag, wenn man das so handhabt, dass man dann den Geimpften den PCR-Test kostenlos gibt. Das heißt, es müssten dann auch wieder Mittel freigegeben werden dafür. Das war alles nach diesem Urteil, das uns jetzt sozusagen uns alle auch überrascht hat, dann aus Senatssicht dann nicht mehr notwendig. Die meinten dann, das aktuelle Recht wäre eben dann, Clubs zu öffnen für Geimpfte und Genesene. Wir sind froh, zumindest keine Masken Indoor haben zu müssen. Das war noch ein großes Bedenken, wo wir auch nicht sicher waren, ob das eine Mehrheit findet in der Senatsabstimmung. Und da sind wir froh. Das bedeutet, die Clubs öffnen Freitagnacht, Samstagmorgen für Geimpfte und Genesene - ohne Abstand, ohne Maske und auch ohne Kapazitätsbeschränkungen.

radioeins: Diese Entscheidung kann man jetzt recht plötzlich. Sind die Clubs eigentlich darauf vorbereitet, dass ab Samstag wieder Party ist?

Leichsenring: Ich würde sagen, in Ausnahmefällen sind sie vorbereitet, nämlich alle, die bisher ihre Außenbereiche bespielen, für die ist es einfach, sie haben Personal und sie müssten einfach ihre Innenräume aufschließen. Für alle die, die jetzt seit 18 Monaten dicht sind, für die wird es auf jeden Fall schwierig, weil sie müssen erst mal Personal organisieren, haben teilweise auch Baustelle in ihren Clubs, weil dort Renovierungsarbeiten stattfinden oder stattgefunden haben.

Was ein ganz großes Problem ist: Für die Konzert-Venues, die Live-Venues, die auf Touren mit Künstler*innen angewiesen sind, die müssen auf jeden Fall die nächsten zwei bis drei Monate jetzt noch Vorlaufzeit haben. Die müssen jetzt anfangen, ihre Bookings zu organisieren und auch in Vorleistung gehen, Hotelzimmer buchen, Reise, Flüge buchen und so weiter. Und da gibt es ja nach wie vor auch Reisebeschränkungen und Quarantäneregeln mit manchen Ländern. Das wird sehr, sehr kompliziert bleiben.