Women in Tech

Julia Kloibers "Superrr Lab"

Sonntag vor einer Woche fand der „International Women's Day“ statt, oder auch „Weltfrauentag“.

Superrr Lab © superrr.net
Superrr Lab | © superrr.net

Weltweit demonstrierten Frauen für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung. Auch Julia Kloiber setzt sich dafür mit verschiedenen Projekten ein.

radioeins-Experte Dennis Kastrup hat sie gesprochen.

Stell sie uns doch erst einmal kurz vor.

Kloiber kommt aus dem Bereich Design und Medientheorie. Seit ungefähr zehn Jahren interessiert sie sich für netzpolitische Themen. Zum Beispiel war sie dabei, als es damals um die Netzneutralität ging. Zu der Zeit hat die Zivilgesellschaft versucht, sich einzumischen, eigene Gestaltungsmöglichkeiten zu entwickeln, also gegen neue, vielleicht in ihren Augen undemokratische Regelungen anzugehen. Da hat sie gesehen: Ja, das funktioniert, wir als Zivilgesellschaft können etwas erreichen. Daraus entstanden dann einige Projekte, unter anderem auch die gemeinnützige Organisation „Superrr“, mit drei R geschrieben:

„Wir beschäftigen uns hauptsächlich mit Visionen, also was sind Chancen und Möglichkeiten von Technologie für ein gerechteres, für ein sozialeres Zusammenleben. Welche Communities sind vielleicht im Bereich Technologieentwicklung nicht so repräsentiert wie sie sein könnten? Und wie stellen wir uns diese Welt vor? Was sind neue Narrative in der Zukunft und welche Werkzeuge brauchen wir dann vielleicht auch?“

Und daraus entstand dann das sogenannte „Feminist Tech Fellowship Programm“, wo sie Menschen, die an Technologien arbeiten, einladen, bei ihnen zu Gast zu sein und so den Projekten Sichtbarkeit geben.

Und worüber wird da genau gesprochen, was sind gerade so die wichtigsten Themen, die laut Kloiber bearbeitet werden müssen?

Ihr ist z.B. die Transparenz ganz wichtig, was machen die digitalen Systeme um uns herum, welche Daten verarbeiten sie, von wem werden sie gespeichert und wie lange werden sie gespeichert. Dann geht es auch um die Frage, wer entwickelt bestimmte Systeme und Technologien, oder wer ist davon auch ausgeschlossen. Darüber hinaus muss man eben aufklären und informieren, aber in dem Zuge dann eben auch selbst aktiv werden, um die Zukunft zu gestalten, eine gerechtere Welt, und da haben sie sich Fragen gestellt:

„Wie wäre es, wenn es in der Zukunft ein Recht gebe, ein Recht zu „disconnect“, also ein Recht, offline zu sein, nicht immer online mit allen Devices getrackt werden zu können. Wie würde so eine Zukunft aussehen? Oder wie würde eine Zukunft aussehen, in der Daten ein Ablaufdatum haben, also nicht unendlich alles gespeichert wird über uns, sondern dass sie irgendwann auch wieder verfällt, diese Information.“


Eine weitere interessante Idee: Eine europäische Mediathek, in der mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz alle Inhalte in Echtzeit nicht nur übersetzt werden, sondern auch Lippensynchron in einer anderen Sprache verfügbar sind. Außerdem haben sie an eine Künstliche Intelligenz gedacht, die Hass bekämpft, anstatt ihn zu schüren.

Hass wird ja oft gegenüber bestimmten Gruppen ausgeübt, was ja auch mit vielen Vorurteilen zu tun hat. Wie wollen sie das bekämpfen?

Indem sie einen Dialog führen. Machtverhältnisse werden angeschaut und Gleichberechtigung thematisiert. Daran mangelt es in Deutschland, da nur 16 Prozent Frauen an Künstlicher Intelligenz arbeiten, dafür gibt es viele Gründe, einer ist:

„Zum Beispiel bei Sprachassistenzen: Die verstehen weibliche Stimmen nicht so gut wie männliche Stimmen, weil sie hauptsächlich mit männlichen Stimmen trainiert wurden, weil es da auch so etwas gibt wie einen „Gender-Data-Gap“, so nennt das Caroline Criado-Perez, die sagt, dass Frauen in bestimmten Datensätzen einfach unterrepräsentiert sind, nicht erscheinen. Das ist sowohl in der medizinischen Forschung der Fall als auch bei anderen Datensätzen, wo Frauen dann einfach nicht als Gruppe hervorgehoben werden oder Daten einfach nicht erhoben werden.“

Criado-Perez ist eine britische Journalistin, Autorin, Feministin, die dafür kämpft, mehr Frauen als Expertinnen in den Medien einzuladen. Das passt auch ein bisschen zu Kloiber: sie wurde vor ein paar Wochen zum Thema „KI, Frauen und Fachkräfte“ in den Bundestag eingeladen, um vor der so genannten Enquete-Kommission zu sprechen. Wen das interessiert: Das Video dazu, findet man online.

 



Dennis Kastrup twittert unter @cyborgparade

Der Beitrag ist noch bis zum 17.03.2021 00:00:00 verfügbar.