Stalking per Smartphone, Tablet oder Computer

Stalking beschreibt das willentliche und wiederholte Verfolgen oder Belästigen einer Person, deren physische oder psychische Unversehrtheit dadurch unmittelbar, mittelbar oder langfristig bedroht und geschädigt werden kann. In Deutschland gilt das als Straftat.

Schatten einer Frau über einem Mann, der das Internet benutzt © imago images/Ikon Images
Der Weiße Ring beklagt ein "riesiges Defizit" in der Strafverfolgung von Stalking und will Opfern mit einer App helfen, sich zu schützen und zugleich Beweise für die Strafverfolgung zu sammeln | © imago images/Ikon Images

Laut Zahlen von Statista wurden im Jahr 2018 der Polizei ungefähr 19.000 Fälle von Stalking gemeldet. Die Dunkelziffer ist wohl noch größer. Stalking findet heutzutage auch auf dem Smartphone, Tablet oder Computer statt.

Was man dagegen tun kann, darüber spricht Christiane Falk mit unserem Experten Dennis Kastrup.

Schatten einer Frau über einem Mann, der das Internet benutzt © imago images/Ikon Images
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Kläre uns erst einmal auf: Was genau ist digitales Stalken?

Das unterscheidet sich nicht wirklich von dem, was in der analogen Welt Stalking ist: Jemand verfolgt jemanden ständig, lauert die Person auf und weiß genau, was sie den ganzen Tag macht. Digital bedeutet das: man hat zum Beispiel Zugang zu dem Handy des Opfers, so kennt die Stalkerin oder der Stalker, deine Fotos, Kontakte, Unterhaltungen, SMSs, Videos, Chats und Email, und er oder sie weiß, wohin du gehst, wo du dich aufhältst. Eva Galperin ist Direktorin von Cybersecurity bei der Electronic Frontier Foundation, einer gemeinnützigen Organisation, die sich um digitale Rechte kümmert. Sie betreut ein Projekt mit Stalking-Opfern, deren Smartphones, mobilen Geräte oder Computer infiziert sind:

„Die gewalttätigsten und beängstigenden Fälle, die mir begegnet sind, hatten was mit Stalkerware zu tun. Das ist Software, die man kommerziell erwerben kann und die geschrieben wurde, um heimlich auf einem Gerät zu laufen. Damit können die Täter das infizierte Gerät total kontrollieren.“

Diese Stalkerware wird heimlich auf einem Gerät wie z.B. dem Smartphone installiert und liefert dann ständig Informationen. Die Stalker können die Software installieren, weil sie das Passwort für das Handy kannten, da es vielleicht ein Ex Freund mit gemeinsamen Passwort ist, oder sie raten das Passwort einfach gut, weil man die Interessen des anderen kennt und so an das Passwort kommt.

Also niemals dieselben Passwörter teilen? Ist das eine Möglichkeit, sich zu schützen?

Auf jeden Fall, Galperin hat mir auch ein interessantes Beispiel zu den so genannten Sicherheitsfragen gegeben, die man manchmal beim Einloggen beantworten muss, also Fragen wie: „Wo bist du zur Schule gegangen“ oder „Wie hieß dein bester Freund“. Jemand hat vor ein paar Jahren den Zugang zu einem Konto der bekannten US-amerikanischen Republikanerin Sarah Palin bekommen, weil er ihre Biografie gelesen hat und so die Sicherheitsfragen richtig beantworten konnte. Deshalb: Man sollte Sicherheitsfragen nie ehrlich beantworten, denn: die Ex-Partner wissen diese Antworten oft:

„Die große Mehrheit der Menschen, die zu mir kommen, waren Frauen. Sie wurden von Männern gestalkt, entweder ein früherer männlicher Partner oder jemand, der ein Partner sein will. Aber nur, dass es die Mehrheit ist, bedeutet das nicht, dass es alle sind. Ich habe auf jeden Fall auch Frauen gesehen, die Männer stalken, Männer, die Männer starken oder Frauen, die Frauen stalken.“

Es kann also im Grunde genommen jeden treffen.

Aber wie weiß man denn, dass man gerade gestalked wird, also woran erkenne ich, dass ich so eine Software versteckt auf meinem Handy habe?

Direkt sehen kannst du das erst einmal nicht, die Software ist versteckt. Es kann sein, dass dein Gerät mehr Daten verbraucht oder auch öfter abstürzt. Du solltest stutzig werden, wenn eine nahe Person, oder ein Ex, plötzlich weiß, wo du dich befindest, mit wem du dich triffst und worüber du gerade oft redest. Und um dann zu testen, ob dein Handy infiziert ist, kannst du kostenlose Anti-Virus-Software installieren, die die Stalkerware erkennt und entfernt. Malwarebytes ist so eine, die Eva Galperin für Android empfiehlt. Das iPhone ist generell sicherer, weil Apple sich bemüht, keine Stalkerware im App-Shop zuzulassen:

„Man muss sich nicht mit Technologie auskennen, um ein Anti-Virus-Programm zu installieren oder dein Gerät zu scannen. Es ist gemacht dafür, total einfach zu sein. Es ist kostenlos und kann dir ein ruhigeres Gewissen verschaffen, was sehr wichtig ist. Das andere, was ich immer sage, ist: Wenn man sich Sorgen darum macht, dass ein Gerät durch ein anderes infiziert wird, sollte man Two-Factor-Authentification anstellen.“

Zwei-Faktor-Authentifizierung bedeutet: zwei Codes müssen eingegeben werden, um ein Gerät zu entsperren: also ein Handy zeigt z.B. eine Zahl, die dann vom Computer kontrolliert wird. Das kann man bei vielen Geräten als Standard einstellen. Wer trotzdem sich ein wenig allein mit all dem fühlt, der sollte mal auf der Homepage vom Weißen Ring nachschauen, Eva Galperin kooperiert mit denen.

 



Dennis Kastrup twittert unter @cyborgparade

Der Beitrag ist noch bis zum 07.01.2021 00:00:00 verfügbar.