Spanisch lernen mit der App Lirica

Um eine neue Sprache zu lernen, reicht es nicht, bloß im Unterricht anwesend zu sein. Man muss selber sprechen und auch im Alltag zuhören.

App Lirica © Lirica
App Lirica | © Lirica

Viele Menschen schauen Filme oder Serien oder hören Radio in der neuen Sprache. Die App „Lirica“ geht einen anderen Weg: Sie will mit Hilfe von Musik, von Songs, das Lernen unterstützen.

radioeins-Experte Dennis Kastrup hat es ausprobiert und weiß mehr darüber.

   

Ich musste sofort daran denken, wie ich als Kind immer Songs auf Englisch falsch mitgesungen habe. Das wäre wir mit Lirica nicht passiert, oder?


Nein, wahrscheinlich nicht, und ich hätte als 13-Jähriger auch nicht ständig gedacht, David Hasselhoff singt: I’ve been looking for FRIEDEN...obwohl ich es sehr ehrenvoll fand, dass er nach „Frieden“ gesucht hat.

Lirica ist eine Idee von Paul Custance, einem ehemaligen Finanzdirektor von  Sony Music, der für ein Jahr in Miami gelebt. Weil dort viel Spanisch gesprochen wird und er das lernen wollte und er aus der Musikbranche kommt, dachte er sich: Warum nicht das verbinden?

So entstand Lirica, eine App, die einem Songs vorspielt und dazu langsam den Text abfragt, also was man hört. Es gibt verschiedene Lektionen, die sich eigentlich auch nicht viel von anderen Apps unterscheiden, außer, dass das alles eben mit Musik passiert. Und das hat einen großen Vorteil, wie mir Marketing und Content Manager Conor Fitzpatrick verraten hat:

„Songs sind unvergesslich. Untersuchungen zeigen, dass das Lernen einer Sprache für eine Melodie oder einen Rhythmus besser im Gedächtnis bleibt. Ein Lied gibt dem Benutzer die Möglichkeit, im Kontext einer Sprache zu lernen. Die Sprache hat ein Gesicht und eine Persönlichkeit, die vom Künstler repräsentiert wird, der eine Kultur repräsentiert auch.“

Bisher gibt es die App nur mit Songs in spanischer Sprache, Sie arbeiten aber an Deutsch, Französisch und Englisch.

Das musst du ein bisschen genauer erklären: Wie sehen solche Lektionen aus? Was genau passiert da? Und: Muss man da gar noch selber singen?


Nein, Gott sei Dank nicht, man kann das also schön in der U-Bahn leise machen. Also als erstes suchst du dir einen Song und dein Lern-Niveau aus. Dann geht es los: eine Zeile des Stücks erklingt und du musst aus zwei Antworten auswählen, was du grad gehört hast, also ein Wort z.B. Nach ein paar Durchläufen musst du eine inhaltliche Frage beantworten, was sie oder er da grad inhaltlich gesungen hat, danach gibt es die Textzeilen, die du in die richtige Reihenfolge bringen musst, dann richtige Wörter einsetzen, buchstabieren, ein paar Grammatikfragen und so weiter, und das alles eben mit genau der Textzeile, die man auch hört.

Es gibt auch ein Spiel, bei dem der Song ganz durchläuft und man synchron die Wörter finden muss, die gesungen werden. Für die Entwicklung davon haben sich die Macher Spezialisten dazu geholt:

„Das Instituto Cervantes hat uns dabei geholfen, Spanischlehrer zu finden, mit denen wir zusammen arbeiten können. Die sind erfahrene Lehrer, die an einer Reihe von Bildungseinrichtungen unterrichten, einschließlich einiger der großen Londoner Universitäten. Aber wir haben auch Inhouse-Linguisten. Dazu zähle ich. Persönlich habe ich einen Bachelor in Französisch und einen Master in Kommunikation.“

Und nicht nur das: Conor spricht sieben Sprachen, darunter auch sehr gut Deutsch.

Kann man sich das Genre aussuchen, zu dem man lernen will?


Ja, es gibt verschiedene Genres, aber in einem Abo, für das man monatlich bezahlen muss. In der kostenlosen Version, die ich getestet habe, gab es nicht so viel Auswahl:

„Generell ist Reggaeton sehr beliebt. Dieses spiegelt sich auf unserer Plattform wieder. Was wir bemerkt haben, ist, dass Songs, die große Hits waren, allgemein auch bei Lirica beliebt sind. Wir haben jedoch einige Songs in der App, die kleinere Hits waren. Dennoch sind auch diese Songs bei unseren Nutzern beliebt.“

Und da soll demnächst noch einiges dazu kommen: sie wollen demnächst noch andere Labels neben Sony mit ins Boot holen, die Labels verdienen übrigens natürlich auch daran, dass sie die Songs dafür freigeben und dann von den Usern gespielt werden.

Lohnt es sich?


Wenn man Spaß bei einer Sache hat, dann lernt man ja generell besser, und Musik macht ja Spaß, also ja, ich fand das gut.

Aber Lirica ist ein nettes Spielzeug, ein Hilfsmittel, das man so zwischendurch mal machen kann und ich glaube auch, dass da was hängen bleibt, aber natürlich wird man dadurch nie eine Sprache ganz lernen, das behaupten die Macher selber auch nicht.

Ich sage es mal so: es schadet nicht, außer vielleicht dem Geldbeutel bei der Premiumversion mit mehr Songs: da muss jede und jeder selber entscheiden, ob es einem 5,49 pro Monat wert sind.

 


Link:

Lirica

Dennis Kastrup twittert unter @music_is_future

Der Beitrag ist noch bis zum 15.10.2020 00:00:00 verfügbar.