Sister Moon

Der Mond begleitet uns Tag und Nacht am Himmelszelt, wie ein großer Bruder, oder eine große Schwester.

Der Mond - aufgenommen von ESA-Astroneut Alexander Gerst aus der ISS © imago/ZUMA Press
Der Mond - aufgenommen von ESA-Astroneut Alexander Gerst aus der ISS | © imago/ZUMA Press

Falls Sie manchmal davon träumen, auch einmal dort oben auf dem Mond zu sein, dann kann das Projekt „Sister Moon“ Ihnen das ermöglichen: Mit seiner Hilfe können sie den Mond betreten, bleiben dabei aber trotzdem auf der Erde.

Wie genau das gehen soll, das erzählt unser Experte Dennis Kastrup.

Der Mond - aufgenommen von ESA-Astroneut Alexander Gerst aus der ISS © imago/ZUMA Press
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Kläre uns auf!

Dahinter steckt Martine-Nicole Rojina. Der Weltraum faszinierte die Münchnerin von klein auf an: sie wollte Astronautin werden, ein Kindheitstraum. Geklappt hat das leider aber nicht, heute ist sie Klang- und Installationskünstlerin. Trotzdem hat sie einen Weg gefunden, auf dem Mond zu sein.

Im Rahmen eines Wettbewerbs für eine echte Mondlandung, wurde sie gefragt, ob sie nicht als Repräsentantin etwas Besonderes entwickeln könnte. Es ging darum, Menschen zum Mond zu schicken und wieder zurück, aber eben nicht wirklich den Körper, sondern nur die Stimme. So ist sie auf das so genannte Moonbounce gestoßen, eine „Mond-Echo-Technologie, die Amateurfunker bereits seit 1946 anwenden.

Das funktioniert so: Hier unten auf der Erde wird etwas in ein Mikrofon gesprochen, das Audio wird dann zum Mond gesendet, der reflektiert die Wellen, schickt sie zurück und ein Empfänger auf der Erde hört es dann wieder, man spricht also mit dem Mond. Länger als 2,5 Sekunden darf so ein Audio aber nicht sein:

„Mit Hilfe dessen können wir akustische Klänge auf Radiowellen modulieren. Also wir setzen uns quasi mit dem akustischen Klang auf die Radiowelle drauf. Dann können wir mit Lichtgeschwindigkeit fliegen. Deswegen dauert das Ganze auch nur zweieinhalb Sekunden ungefähr zum Mond und zurück, weil Radiowellen sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegen.“

Hochgeschickt werden kann eigentlich alles, was klingt: entweder eine Stimme oder auch Musik.

Das musst du mir ein bisschen mehr erklären: Wo und wie genau schickt sie das hoch?

Den Vorgang übernehmen Wissenschaftler im niederländischen Dwingeloo, wo sie ein riesiges Radioteleskop betreiben. Im Februar 2018 war Rojina zum ersten Mal da:

„Unser erster Besuch war einer mit Fagott und Cello und Ukulele und Schlagzeug. Das heißt wir sind mit Musikern tatsächlich zu diesem Radioteleskop gefahren. Das steht im Norden von Holland, hat 25 Meter Durchmesser und ist 1953 in Konstruktion gegangen, 1956 fertiggestellt worden.“

Musiker und Grammy Gewinner Steve Ai hat das so fasziniert, dass er es auch ausprobiert hat. Er hat seinen Gesang hochgeschickt, in einzelnen 2,5 Sekunden Schnipsel, die empfangenden Audio-Teile wurden nachher wieder zusammengesetzt als Ganzes.

Klanglich erinnert mich das eher an eine schlechte Tonaufnahme. Was erhofft sich Rojina von „Sister Moon“?

Dem stimme ich zu, das ist jetzt nichts neues, was Klang angeht. Sie nennt es Klangerweiterung, und es geht ihr darum, den Klangraum neu zu erforschen, den Horizont zu erweitern. Das Gefühl ist wichtig, die eigene Vorstellung, dass man wirklich zum Mond gereist ist:

„Das, was da zurückkommt, war tatsächlich auf dem Mond. Das war halt in Form von einer Welle auf dem Mond. Ich war jetzt nicht als Mensch selbst physisch auf dem Mond. Ich bin nicht darum gelaufen und habe irgendwie Mondstaub in der Hand gehabt. Aber auf eine Art und Weise war ich dort eben, indem ich meine Stimme dort hingeschickt habe, oder mein Klang dort hingeschickt habe. Deswegen bin ich da vielleicht sehr romantisch, aber sage ich: Wir waren da alle!“

Und damit alle von radioeins, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Hörerinnen und Hörer, auch dieses Gefühl teilen können, habe ich eine kurze Station ID vom Sender zum Mond geschickt. Bitteschön: radioeins auf dem Mond!

Link:

 



Dennis Kastrup twittert unter @cyborgparade

Der Beitrag ist noch bis zum 28.01.2021 00:00:00 verfügbar.