Strom und Drang

Konzerthaus goes Virtual und Augmented Reality

von Dennis Kastrup

Das Konzerthaus Berlin am Gendarmenmarkt hat eine lange Geschichte: Es wurde 1821 eröffnet, damals als Königliches Schauspielhaus, im zweiten Weltkrieg zerstört, 1984 wieder eingeweiht und ab 1992 heißt es nun Konzerthaus Berlin.

Virtuelles Konzerthaus © Pablo Castagnola
Virtuelles Konzerthaus | © Pablo Castagnola

Gerade arbeiten sie daran, eine neue Geschichte zu schreiben: Virtual und Augmented Reality ziehen in die altehrwürdigen Gemäuer ein.

Unser Experte Dennis Kastrup hat sich das mal genauer angeschaut.

Virtuelles Konzerthaus © Pablo Castagnola
Pablo Castagnola
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Erzähl uns mal, was genau da passiert.


Angefangen hat alles 2014, als dem Publikum die Möglichkeit gegeben wurde, mitten im Orchester zu sitzen, das heißt Zuschauer und Musiker saßen bei einem Konzert direkt nebeneinander. Dieses Gefühl sollte dann quasi eingefangen werden und so entstand die Idee einer Virtual Reality Brille, mit der man dieselbe Erfahrung dann noch einmal in der virtuellen Welt machen konnte. Daraus entstand dann wiederum die Idee, eine Augmented Reality App zu entwickeln. „Konzerthaus Plus“ heißt die und es gibt sie im Apple und Google Play Store kostenlos.

Um sie zu benutzen, muss man sich verschiedene Sachen ausdrucken, die dann, wenn man sein Smartphone oder Tablet draufhält, digitale Animationen auf dem Bildschirm starten, wie zum Beispiel das „Virtuelle Quartett“, zu dem mir Elena Kountidou, Leiterin der Kommunikation, mehr erzählt hat:

"Was man da erlebt, ist, wenn man sein Smartphone auf vier Karten, die wir haben, also drüber hält, dann erscheinen auf einmal vier Musiker auf dem Tisch oder wo auch immer man das jetzt ausprobiert, und spielen die ersten Minuten aus dem Streichquartett 'Der Tod und das Mädchen' von Schubert. Man hat also vier Musiker, die quasi ein Privatkonzert für einen spielen."

Und das Spannende daran ist, dass man die natürlich aus verschiedenen Perspektiven sehen kann, aber man kann sie auch einzeln spielen lassen, wenn man zum Beispiel eine Karte wegnimmt. Man sucht also aus: die 1. Violine, 2. Violine, Viola oder Violoncello.

Das muss ja alles vorher aufgenommen werden, um es dann in der Augmented Reality wieder zu sehen und zu hören. Wie haben sie das gemacht?


Das war gar nicht so einfach und schon eine Herausforderung für die Musiker. Man muss wissen, Kammermusik ist dann sehr gut, wenn die vier Musiker zusammen in einem Raum spielen und zusammen „atmen“, wie man das in der Klassik sagt.

Da man in der App aber die einzelnen Instrumente gesondert von den anderen hören kann, musste man die auch einzeln aufnehmen:

"Wir waren im schallarmen Raum der TU Berlin und da saßen sie ungefähr sieben Meter auseinander hinter Schallwänden und konnten sich lediglich über Kopfhörer hören. Und das war schon eine sehr spezielle Situation, eigentlich wenn man ehrlich ist eine mega unmusikalische Situation. Aber sie haben das wirklich gut gemacht und konnten auch ihren Ansprüchen gerecht werden, die sie natürlich auch schon haben."

Als das dann eingespielt wurde, mussten sie dazu natürlich noch das bewegte Bild aufnehmen. Dafür haben sie etwas getan, was in der Popmusik gang und gebe ist, aber eben nicht in der Klassik: Sie mussten zu den Aufnahmen Playback spielen.

Und, ist ihnen das gut gelungen?


Ja, ich habe mir das wirklich gerne angeschaut. Es gibt aber auch noch andere Anwendungen mit der App: man kann in die Anfänge des Hauses zurück reisen und seine Kenntnisse prüfen, also wie gut man sich im Orchester auskennt. Hält man das Handy oder Tablet über ein Blatt, wird man gefragt, wo sich welche Instrumente in einem Orchester befinden. Ein Rundgang im Konzerthaus Berlin wird auch angeboten.

"Wir haben ein 3D-Modell unseres Hauses, also der ganzen Außen- und Innenarchitektur erstellen lassen, so dass man die Möglichkeit hat, ein fotorealistisches 3D-Modell des Konzerthauses zu sehen auf seinem Smartphone oder andere Devices."

Das ist alles wirklich sehr schön und mit viel Liebe gemacht. Und ich denke auch, dass es für alle Altersgruppen ist: Kinder können das spielerisch entdecken und ältere Menschen auch noch einmal einen anderen Blickwinkel bekommen.

Wer übrigens nicht so gut mit Apps und der Nutzung auf Tablets oder Smartphones umgehen kann, der oder die kann das auch direkt vor Ort im Konzerthaus: dort gibt es all das auch in einer kostenlosen Ausstellung zu erkunden.

 



Link: Virtuelles Konzerthaus

Dennis Kastrup twittert unter @music_is_future

Der Beitrag ist noch bis zum 09.04.2020 00:00:00 verfügbar.