Strom und Drang

KI, wir müssen reden - Ein Comic-Essay über Künstliche Intelligenz

von Dennis Kastrup

Mal ehrlich: Wenn von Künstlicher Intelligenz gesprochen wird, wissen Sie da genau, was das eigentlich ist? Ok, eine vage Vorstellung haben wir wohl alle...

Ki, wir müssen reden © epubli
Ki, wir müssen reden | © epubli

Computer übernehmen Aufgaben von Menschen und führen diese immer öfter auch besser aus als wir. Trotzdem: Wie das funktioniert, ist kompliziert. Der Comic „We need to talk, AI“ ist im Mai bereits auf Englisch erschienen und versucht, Künstliche Intelligenz einfach zu erklären. Seit vergangener Woche gibt es ihn auch auf Deutsch: „KI, wir müssen reden“.

Unser Experte Dennis Kastrup hat ihn durchgelesen.

Wer hatte die Idee dazu?


Geschrieben wurde der Comic von der Datenwissenschaftlerin und Ökonomin Dr. Julia Schneider. Die Künstlerin Lena Kadriye Ziyal hat die grafische Gestaltung übernommen. Und alles ist dabei in schwarz-weiß gehalten. Unterteilt sind die in die einzelnen Kapitel in „Grundlagen, Beispiele, Chancen, Risiken und Ausblick“, eine Seite hat sechs Rechtecke mit nochmal einzelnen Themenbereichen, in denen verschiedene Geschichten erzählt werden. Das kann man sich gut, schnell und einfach durchlesen.

Als Zielgruppe sehen die beiden Macherinnen junge Erwachsene und Menschen bis ins hohe Alter, oder eigentlich einfach alle, die sich schwer mit dem Begriff „Künstliche Intelligenz“ tun. Dabei geht es darum, den Begriff nicht abstrakt darzustellen, sondern zu verbildlichen, wie mir Schneider verraten hat:

„Was wir tatsächlich auch im Buch mal aufgreifen ist eben, dass Computer heute sehr schnell, Katzen von Hunden bei Bildmaterial unterscheiden lernen. Und zwar lernen sie das eben alleine, je mehr Bilder sie bekommen. Und da spricht man dann eben von Maschinenlernen und beziehungsweise, wenn kein Mensch da mehr eingreift, dann heißt das Deep Learning.“

Und diese Erklärung war jetzt ein schönes Beispiel wie das Comic funktioniert: Damit hat sie gerade ganz einfach erklärt, dass Künstliche Intelligenz noch viele andere Bereiche hat, die auch alle miteinander verbunden sind.

Viele malen ja ein sehr negatives, fast schon apokalyptisches Bild, was die Zukunft mit Künstlicher Intelligenz angeht: Roboter werden uns zerstören. Wie gehen die beiden damit um?


Also sie besprechen und erläutern, wo KI effizienter sein kann, z.B. beim selbstfahrenden Auto, in der Rechtsprechung oder in der Medizin, wenn Daten helfen, Krankheiten zu erkennen. Aber sie sprechen auch Risiken an, wie die Überwachung, die mit automatisierten Systemen, die Daten sammeln, gefährlich sein kann. Das gilt auch für Meinungsbildung durch Medien, sprich: Meinung kann mit dem Wissen von Daten über Einzelpersonen manipuliert werden. Ein großer Aspekt in dem Comic ist auch der Feminismus. Denn gerade arbeiten immer noch viele männliche Programmierer an Ideen für unsere Zukunft. Anhand des Beispiels einer Brustpumpe für junge Mütter hat mir Schneider erklärt, warum das ein Problem darstellt:

„Es ist ein ziemlich schmerzhaftes Prozedere. Irgendwann kam mal halt raus: 'Ach Mensch, das haben ja einfach nur Männer entwickelt, die es einfach nie an ihrem eigenen Körper ausprobieren konnten.‘ Dann irgendwann gab es einen Hackathon und dann haben sie eine Brustpumpe entwickelt, wo Frauen wirklich mitgemacht haben. Und siehe da, da kam einfach eine Brustpumpe raus, die anscheinend ziemlich angenehm ist. Das Gleiche gilt für alle Arten von Technologie. Es macht einfach Sinn, diverse Entwicklerteams in eine Technologie zu setzen.“

Sie spricht sich also für das Einbeziehen von Randgruppen aus, die in der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz zurzeit nicht so stark vertreten sind.

Und wie erreichen wir das? Wird in dem Comic dafür auch eine Lösung angeboten?


Die Lösung ist das Buch selber. Denn es will Menschen, die sich damit nicht so gut auskennen, die Angst vor Künstlicher Intelligenz nehmen. Sie sollen also aktiv werden:

„Es gibt auch irgendwo eine Szene, wo so zwei Girls, auch vielleicht eine mit Kopftuch, eine ohne, auf der Wiese sitzen und die eine sagt: 'Ey, ich möchte was Kreatives mal machen später.‘ Und die andere sagt: ‚Ja, so etwas wie Coden.' Und das macht total Sinn, weil Coden ist wirklich was sehr Kreatives, was sehr angenehmes. Also ich selber code gerne. Ich finde es was Schönes, was Kreatives. Und da muss man aber erst einmal drauf kommen.“


Das unterstreiche ich: Man sollte sich nicht von den Buchstaben und Zahlen abschrecken lassen. Einmal gelernt, kann man mit Künstlicher Intelligenz rein theoretisch alles erschaffen, was man will. Deshalb, auch in Hinblick auf Weihnachten: einfach mal ein paar Techno-Baukästen für Kinder unter den Baum legen, oder Bücher, die die Welt der Computer ein wenig menschlicher machen.

 



Dennis Kastrup twittert unter @cyborgparade

Der Beitrag ist noch bis zum 03.12.2020 00:00:00 verfügbar.