Strom und Drang

KI und Dadabots

von Dennis Kastrup

Künstliche Intelligenz (KI) in der Musik ist seit einiger Zeit total hip. Immer mehr KünstlerInnen experimentieren mit dem neuen Hilfsmittel, um neue Songs zu schreiben.

Eine Roboterhand schnipst eine Frau an einem Schreibtisch © imago/Ikon Images
Dadabots schreibt die Musik indem die KI beobachtet und lernt, quasi wie ein Kind | © imago/Ikon Images

Vor kurzem veröffentlichte zum Beispiel Holly Herndon ein ganzes Album, das mit Unterstützung von KI geschrieben wurde. Auch wir haben an dieser Stelle schon oft über neue Entwicklungen in dem Bereich gesprochen.

radioeins-Experte Dennis Kastrup behauptet, er habe eine andere Art von KI gefunden: die Dadabots.

Eine Roboterhand schnipst eine Frau an einem Schreibtisch © imago/Ikon Images
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Du behauptest, eine andere Art von Künstlicher Intelligenz gefunden zu haben. Kläre uns da doch mal bitte auf.


Ich habe vor kurzem einem Vortrag von CJ Carr zugehört. Der Amerikaner hat über seine programmierten neuronalen Netzwerke gesprochen, die Musik erzeugen können. Zusammen mit seinem Partner Zack Zukowski programmieren die beiden seit mehreren Jahren unter dem Namen „Dadabots“. Sie füttern eine Künstliche Intelligenz mit Musik, mit ganzen Alben oder auch YouTube-Streams. Das Netzwerk erkennt dann Muster wie Gesang, Schlagzeug oder Gitarre und schreibt dann mit diesen Informationen Musik in einem ähnlichen Stil.

Carr vergleicht die Herangehensweise mit einer Wettervorhersage, bei der ein Programm, basierend auf Beobachtungen der Tage vorher, das Wetter der kommenden Tage errechnet:

„Wir benutzen ein ähnliches Modell und wenden es auf die Klangwellen an. Wir fragen uns: Wenn die Wellenformen der Musik ein bestimmtes Muster auf dem gesamten Album haben, was wäre dann eine zehntägige Vorhersage für dieses Album? Wohin würde der Klang als nächstes gehen? Da gibt es natürlich keine eindeutige Antwort drauf, aber man könnte eine plausible Vorstellung davon entwickeln, was mit der Musik als nächstes passiert. Und das hört man dann.“

Und ich finde, das Resultat ist ganz schön beeindruckend.

Gib uns doch mal bitte ein Beispiel!


Sie bevorzugen dabei gerne Metal, weil sie selber Fans sind - auch Punk haben sie genommen, zum Beispiel von Propaganda. Oder aber auch die Beatles, und hier kann man schön erkennen, wie die Software erst einmal selber lernen muss, Musik zu schreiben. 19 Versuche später hört sich die Musik deutlich strukturierter an und erinnert schon eher an die Beatles.

Die Herangehensweise unterscheidet sich übrigens stark von Künstlicher Intelligenz, die zum Beispiel Apps wie Endel, Jukedeck oder Amper verwenden. Diese Anbieter nutzen das musikalische Wissen von Entwicklern und Musikwissenschaftlern. Sie sagen der Künstlichen Intelligenz, welche Sound-Muster bestimmte Künstler oder Epochen der Musikgeschichte haben und daraus entwickelt die KI dann Musik:

"Uns interessiert mit Dadabots irgendwie das totale Gegenteil davon. Wir füttern es mit rohem Klang, unbeaufsichtigt. Wir schauen dann, ob sie daraus neue Klänge kreieren kann, die nie vorher existiert haben, auch wenn es ein bisschen chaotisch, experimentell und Avantgarde ist"

Dadabots schreibt die Musik also, indem die KI beobachtet und lernt, quasi wie ein Kind.

In welchem Bereich kannst du dir vorstellen, dass diese Art in die Musik integriert wird?


In vielen, denn man hat so ein bisschen das Gefühl, dass die KI hier wirklich antwortet, Technologie und Künstler sprechen miteinander. Da gibt es gerade auch ein beeindruckendes Video des Beatboxers Reeps One zusammen mit den Dadabots: „Second Self“ heißt das. Er macht Beats, und die KI antwortet in seinem Stil. Ich habe Künstliche Intelligenz in Musik noch nie so menschlich empfunden.

"Wir trainieren das Netzwerk mit Daten, und das tun wir mit Bands, besonders Musik, die wir mögen. Wir haben unterschiedliche Genres ausprobiert. All die Modelle der Musik, die man bisher hören kann, wurden mit Hilfe eines einzigen Albums trainiert. Metall funktioniert tatsächlich sehr gut. Und wir lieben Metall. Das war also ein großartiger Zufall."

Sie haben vor ein paar Wochen sogar einen 24 Stunden Stream ins Leben gerufen, der also ohne Pause Heavy Metal schreibt, basierend auf genau ihrer Künstlichen Intelligenz.

 



Links:

dB DADABOTS

Dennis Kastrup twittert unter @music_is_future

Der Beitrag ist noch bis zum 04.06.2020 00:00:00 verfügbar.