Di 12.03. 14:38

Strom und Drang

Die App "Endlesss"

von Dennis Kastrup

Wir leben in einer vernetzten Welt. Wir können jederzeit mit Menschen aus verschiedenen Ländern sprechen. Das gilt natürlich auch für Musik.

Mit dem Ziel ein lustiges, spontanes und kollaboratives Musikproduktionswerkzeug zu entwickeln, haben die Macher in den letzten 3 Jahren an Endlesss gearbeitet © Endlesss
Mit dem Ziel ein lustiges, spontanes und kollaboratives Musikproduktionswerkzeug zu entwickeln, haben die Macher in den letzten 3 Jahren an Endlesss gearbeitet | © Endlesss

Musik aus den entlegensten Orten kommt per Klick zu uns, weltweite Konzerte können gestreamt werden, während wir zuhause im Wohnzimmer sitzen. Also warum sollten wir nicht  auch live Musik machen mit Menschen, die sich am anderen Ende der Welt aufhalten? Das hat sich der Engländer Tim Shaw gefragt und eine App namens "Endlesss" entwickelt.

Dennis Kastrup stellt sie uns vor.

   

Erzähl uns doch erst einmal, wer Tim Shaw ist?


Man kennt ihn vielleicht unter dem Namen "Tim Exile". Fünf Platten hat er schon veröffentlicht, unter anderem auch bei „Warp Records“, alles elektronische Musik. Und genau in diesem Genre hat er bemängelt, dass die Menschen eher alleine vor ihren Computern sitzen und an Musik arbeiten. Früher, so sagte er mir, habe man zusammen gesessen, da war Musik eher ein soziales Ereignis, bei dem man sich austauschen konnte.

Shaw wollte also mit seinen Freunden irgendwie herumhängen, sich ganz entspannt unterhalten und dazu ein wenig elektronische Musik machen, ohne dafür einen gemeinsamen Proberaum zu finden und diesen auch noch teuer bezahlen zu müssen. "Endlesss" entstand, eine App, bei der man live vernetzt mit anderen Musikern auf der Welt spielen kann.

"Ich erzeuge also vielleicht einen Beat. Den sende ich dir dann. Du hast den danach auf deinem Handy und kannst da eine kleine Basslinie hinzufügen. Ich bekomme die und denke, dass ich die aber gerne remixen will. Das mache ich dann und daraus entsteht ein weiteres Riff und das bekommst du zurück. Durch das Interagieren wird die Musik also arrangiert. Wir besitzen eine Aufzeichnung all unserer Riffs. Das ist irgendwie das Arrangement, aber wir haben nicht wirklich daran gearbeitet", erklärt Tim Shaw.

Das ist also eher in einem "Jam" entstanden, völlig relaxt. Man hat dabei eine Oberfläche auf dem Smartphone oder Tablet, und kann eben Riffs oder Loops erzeugen, die man dann der oder dem anderen rüberschicken kann.

Kannst du das noch ein bisschen genauer beschreiben, wie das auf dem Bildschirm aussieht?


Du logst dich mit einem Profil ein. Man sieht da 16 rote Felder, die klickst du an und entscheidest eben, was dann ertönen soll: Bass, Kick Drum und so weiter. In der kostenlosen Version gibt es bestimmte Parameter, die man benutzen kann.

"Die App hat bereits eine Grundbasis an Sounds. Wir haben ein paar Drum Kicks, gut klingende Drums. Dann sind ein paar gute Bässe und melodische Klänge dabei. Man kann auch mit dem Mikrofon aufnehmen, dem Riff also eine weitere Ebene hinzufügen. Man aber auch mit dem Line-In Anschluss aufnehmen. Sagen wir mal du hast einen tollen Synthesizer, einen Moog, den kannst du anschließen", so Tim Shaw.

Stell dir also vor, du hast mit all den Sounds dann einen Loop gebastelt, Drums vielleicht. Den schickst du dann mit einem Klick an eine andere Musikerin, die sagen wir mal in Tokio sitzt. Die hört sich das an, ist spontan, weil sie gerade ein interessantes Buch liest. Ihren Gedanken lässt sie freien Lauf und singt dann darüber, nimmt das auf und schickt es sofort wieder zurück zu dir. Und du denkst: ah, da füge ich noch eines Synthesizer hinzu, oder verändere den bereits geschickten Beat. So entsteht dann ein Song.

Kannst du währenddessen auch mit der anderen Person kommunizieren?


Ja, ein Chat ist eingebaut, man kann sich also austauschen, wo auch immer man sich gerade auf diesem Planeten befindet.

"Stell dir vor, vier Leute machen zusammen in einem echten Zimmer Musik. Jeder muss dabei dem anderen immer wirklich zuhören, um sicher zu sein, dass da kein Chaos ensteht. Wenn du aber vier Leute in vier verschiedenen Städten auf der Welt hast, dann kann jeder sein eigenes Riff machen und das total im eigenen Rhythmus. Wenn die anderen aber etwas neues kreieren, kann jeder das abspielen und hören. Es ist also irgendwie sogar besser als im selben Raum zu sein", so Tim Shaw weiter.

Und das führt dann übrigens auch dazu, dass Menschen aus verschiedenen Ländern eben unterschiedliche Musik hinzufügen können. Ich bin sehr gespannt, was daraus für Songs entstehen werden.

Wer interessiert ist, der kann sich auf der Seite von "Endlesss" für die Beta-Version der App anmelden, sie befinden sich also noch in der Testphase. In ein paar Monaten soll die Anwendung dann kostenlos verfügbar sein.

 



Link: Endlesss

Dennis Kastrup twittert unter @music_is_future

Der Beitrag ist noch bis zum 12.03.2020 00:00:00 verfügbar.