Das hat Folgen

How to Sell Drugs Online (Fast)

mit Nilz Bokelberg

Um seine Ex-Freundin zurückzugewinnen, beginnt ein Nerd, von zu Hause aus im Internet Ecstasy zu verkaufen, und wird schon bald zu einem der größten Dealer Europas.

How to Sell Drugs Online (Fast) © Netflix
How to Sell Drugs Online (Fast) | © Netflix

Die Show, über die unser Serienexperte Nilz Bokelberg heute reden möchte, ist sicher keine Ratgeber-Sendung obwohl ihr Titel im ersten Moment serviceorientiert klingt. "How to sell drugs online (fast)" heißt sie.

   

Worum geht es denn da?


Hallo Christiane, ja, der Titel macht natürlich neugierig und ehrlich gesagt, geht es tatsächlich genau darum. Aber eingebettet in eine größere Geschichte natürlich: Der 17jährige Moritz freut sich wie bekloppt, dass seine Freundin wieder zurückkommt. Die war nämlich ein Jahr im Ausland und kommt jetzt endlich in die Heimat zurück. Aber noch während ein genervter Zollbeamter ihr Gepäck durchsucht, macht sie per Skype mit Moritz Schluss, bzw. meint es sei Zeit für eine "Beziehungspause". Und wir wissen alle, was das bedeutet.

Moritz beginnt zu recherchieren und findet heraus, dass Lisa viele neue Sachen ausprobiert hat und anscheinend mehr Leben als er gelebt hat. Auch Drogen sind auf manchen Fotos zu sehen. Partydrogen. Bunte Pillen. Ecstasy. Moritz, der eigentlich mehr der typische Nerd ist, begreift, dass er was tun muss, um für seine Freundin wieder attraktiv zu sein. Und er beginnt alles herauszufinden, was er über Drogen rausfinden kann. Er zockt einen Dealer ab und alles nur, um seine Lisa zurückzugewinnen. Aber schnell kapiert er, dass er ein bisschen mehr bieten muss, um gegen den coolen Typen der Schule zu bestehen. Und taucht in die wunderbare Welt des Online-Drogenhandels ein.

Das klingt...komisch?


Ja, das klingt jetzt etwas wirr, aber wenn man es guckt, ist alles ganz logisch. Moritz ist halt so ein Nerd, dass er sofort kapiert, wo die meisten Leute online Fehler machen und er ist so besessen, Lisa zurück zu gewinnen, dass er alles extra richtig macht. Das ist in den besten Momenten superclever, in anderen vielleicht etwas übertrieben, aber, und das ist ja das wichtigste, immer super unterhaltsam.

Die Serie ist eine Produktion der BTF aus Köln. Das ist die Produktionsfirma, die auch Böhmermann macht. Die probieren aber außerhalb des Neo Magazins auch eine Menge aus. Vor kurzem sogar ein Computerspiel. Und das Besondere ist bei denen immer, dass die Sachen, die sie machen, immer vor Liebe zum Detail nur so platzen und dass sich die Macher nie mit Kompromissen zufrieden geben. Damit sind sie bei Netflix natürlich bestens aufgehoben, weil das im Moment der einzige Platz zu sein scheint, an dem auch mal gewagtere, innovative Projekte realisiert werden können. Übrigens können die dort auch, wenn sie ihr Publikum nicht finden, genauso schnell wieder Geschichte sein. Aber es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn diese Serie nicht sofort ihre Fans findet.

Aber was ist denn daran nun so besonders? Klingt ja erstmal wie ein Teenie-Breaking-Bad?


Ja, das hab ich auch zuerst gedacht. Aber die Serie ist so frisch erzählt, dass es ein Jammer wäre, sie zu verpassen. Moritz, die Hauptfigur durchbricht immer wieder die vierte Wand, spricht den Zuschauer direkt an - macht sich sogar darüber lustig, dass er seine Geschichte auf Netflix erzählt. An einer Stelle, an der er etwas erklärt, blendet er den wirklich funktionierenden Skip-Button ein, den man davon kennt, damit die Vorspänne diverser Serien überspringen zu können. Hier bietet er an, die Erklärung zu überspringen, für diejenigen, die sie nicht interessiert.

Solche Meta-Gags und Ideen tauchen immer wieder auf und machen das gucken zu einem besonderen Erlebnis. Dazu zeigen die Macher ein so typisches Deutschland, wie das überhaupt keine Serien sonst schaffen. Und sind dabei trotzdem nie peinlich oder steril. Bei denen wirkt immer alles superecht und ausgedacht gleichzeitig. Ist das nicht toll?

Keine Ahnung. Ist das toll?


Ja! So muss Fernsehen sein, so muss aufregende Serie sein. Nicht einschlafen, sich nicht aufhalten lassen. Ausprobieren und machen - das ist doch das tollste, was man gucken kann.

Die Schauspieler sind durch die Bank weg toll und ein paar alte Bekannte, so wie Bjarne Mädel als Dealer, sieht man auch wieder. Eigentlich müsste sich jeder Sender alle Finger nach so einer Produktion lecken, die in einer Folge mehr Ideen hat, als so mancher Tatort in allen Folgen seit 20 Jahren.

Ich glaube, "How to sell" ist ein Ausblick in die Zukunft des deutschen Film und Fernsehens und wenn es einmal so sein wird, dann werden wir alle einen Heidenspaß haben. Anfangen kann man ja schon mal, mit dieser Serie. Ist jetzt auch Netflix zu sehen. Denkt an meine Worte: Mindestens die wichtigste deutsche Serie 2019.

Der Beitrag ist noch bis zum 11.06.2020 00:00:00 verfügbar.