Das hat Folgen

Deadly Class

mit Nilz Bokelberg

Zur Schule gehen - nicht für jeden immer nur Spaß. Aber es gibt in Filmen, Serien und Büchern immer wieder diese Schulen, an die man dann doch liebend gern gegangen wäre.

Deadly Class © SYFY
Deadly Class | © SYFY

Das Internat, um das es hier geht, wirkt zwar gefährlicher als jedes andere - aber es sieht eben auch nach einer sehr aufregenden Zeit aus.

Mehr dazu weiß unser Serienexperte Nilz Bokelberg.

   

Aufregendes Internat, aufregende Serie - gibt es etwa eine Hogwarts Serie?


Ganz und gar nicht. Die Serie, über die ich heute sprechen will, ist so was wie die böse Variante von Hogwarts. Es geht um die Serie "Deadly Class". Die spielt mitten in den 80er Jahren in San Francisco und handelt von Marcus, einem Jungen aus recht gutem Hause, der aber auf der Straße landet, nachdem seine Eltern Opfer einer wahnsinnigen Killerin geworden sind. Marcus Leben geriet komplett aus der Bahn und jetzt versucht er, sich so gut es eben geht über Wasser zu halten. Aber die Straße ist kein Ort für einen Teenager, das Leben ist rau und hart dazu völlig desillusionierend. Bis er eines Tages von einer seltsamen Gang gleichaltriger vor der Polizei gerettet wird. Die nehmen ihn mit zur Kings Dominion Privatschule, wo der Direktor Master Lin möchte, dass Marcus lernt.

Die Kings Diamond ist aber keine normale Schule, sondern hier werden die Killer und Assassinen der Zukunft ausgebildet: Die jugendlichen Kinder von Gangstern und Clanbossen auf der ganzen Welt werden hierher geschickt, um die Sachen zu lernen, die vor allem sie für die Zukunft brauchen. Deswegen gibt es Lehrstunden in Nahkampf, Giftmischerei oder Manipulation. Doch was wie ein großer Spaß wirkt, wird schnell auch großer Ernst, denn die Mitschüler fackeln alle nicht lange, wenn es um typische Teenager-Konflikte geht.

Ein Ort, an dem man sich offensichtlich behaupten muss. Aber Marcus nimmt die Herausforderung an, um am Ende das Rüstzeug zu haben, den Mann umzubringen, der seines Erachtens nach am Tod seiner Eltern Schuld ist: der damalige amerikanische Präsident Ronald Reagan.

Killerschule, Reagan Attentat, Giftmischerei-Unterricht - das hört sich alles schon sehr plakativ an.


Ist es auch! "Deadly Class" basiert auf einem Comic und wurde von den Russo Brüdern produziert, die als Regisseure ein paar der wichtigsten Superheldenfilme der letzten Jahre zu verantworten haben - so auch den heiß ersehnten nächsten Teil der Avengers-Filmreihe. Es geht hier also nicht um subtile Zwischentöne oder tatortig dialoglastiges Krimi-Vergnügen, sondern "Deadly Class" ist voll auf die Zwölf. Aber wie!

Es macht einen riesen Spaß, diese Teenagerprobleme einfach in ein Profikiller-Milieu verfrachtet zu sehen, mit all seinen Konsequenzen. Schon Marcus erster Konflikt an der Schule mit Chico, dem Chef der Mexikaner-Gang, scheint darauf hinauszulaufen, dass einer von beiden am Ende des Tages auf jeden Fall tot sein muss. So viel zum Thema "Fallhöhe".

Und die Details stimmen auch: Das Internat hat schon eine Architektur, die etwas Schloss-Ähnliches hat. Noch dazu müssen alle Uniform tragen. Da wären wir wieder beim Hogwarts-Vergleich. Aber an den Wänden hängen Exponate wie zum Beispiel ein Gewehr auf dessen Plakette steht "Besitz von Lee Harvey Oswald". Oder bei der Schulbuchausgabe ist auch das Anarchist Cookbook dabei, das in Zeiten des Vietnamkriegs in den WGs jeglicher Protestierer zu finden war und das angeblich Bombenbauanleitungen bereit hielt. Solch liebevollen Details machen die Serie saftig, machen das Bild rund. Da hat sich jemand wirklich Mühe gegeben.

Gut, bleibt nur noch dir Frage nach dem Look. Ist da jetzt alles nur laut und grell und schnell geschnitten?


Zum Glück nicht - sonst hätte ich das auch nicht ausgehalten. "Deadly Class" hat sehr gut choreographierte Action-Sequenzen, aber konzentriert sich auch ausreichend auf seine Kernstory. Dazu kommt ein herrlich cooler 80er Jahre Soundtrack mit Depeche Mode, Cure oder Killing Joke und ihrer "Come as you are"-Blaupause "Eighties". Also cooler, credibiler 80er Jahre Sound. Ein bisschen Punk, ein bisschen Wave.

Und die Besetzung ist wirklich stark. Benjamin Wadsworth spielt seinen Marcus genauso cool wie unsicher, auch seine Kolleginnen wie Lana Condor als Saya oder die aufregende Maria Gabriela de Faria als Maria, in die sich jeder mit 16 Hals über Kopf verliebt hätte, sind sehr präsent und machen ihre Sache wirklich gut.

Schöner Cameo als Giftmischerlehrer hat in der ersten Episode auch der geniale Henry Rollins, den man sowieso viel öfter als Schauspieler sehen will. Hier wurde wirklich ganz viel richtig gemacht und da die Geschichte verspricht, aufregend zu bleiben, darf das von mir aus gerne eine Serie sein, von der wir noch lange etwas haben werden.

Und wo können wir das sehen?


Ab dem 27. Februar 2019 auf SYFY.

Der Beitrag ist noch bis zum 11.02.2020 00:00:00 verfügbar.