Back in Black

Time von Louis Cole

Das Vinyl der Woche

Die CD ist längst vom Aussterben bedroht und das MP3 viel zu virtuell. Darum feiert radioeins das schwarze Gold – zusammen mit den Berliner Plattendealern unseres Vertrauens. Jede Woche stellen sie uns ein Album vor, das nur auf Vinyl so klingt, wie es klingen soll. Die Schallplatte lebt - immer mittwochs um 13:40 live auf radioeins.

Time von Louis Cole
Time von Louis Cole | © Brainfeeder (Rough Trade)

In den zehn Jahren seines Bestehens hat uns das Plattenlabel Brainfeeder so manche neue musikalische Entdeckung beschert. Darunter den exorbitanten Bassisten Thundercat, den direkt vom Jupiter stammenden Beatmaker Ras G, oder auch Kamasi Washington, der nicht weniger als dem angestaubten Jazz-Genre zur neuen Blüte verhalf. Diese Fülle an Musikentdeckungen verwundert nicht, wenn man weiß, dass der Labelgründer Flying Lotus, ein Großneffe von Alice Coltrane, selbst als Innovator in der heutigen Popmusik gilt.

Der neueste Fund auf dem Label aus Los Angeles hört nun auf den Namen Louis Cole. Der ist ein cooler Typ. Einer der mit Hausschlappen und Tretroller zur Bandprobe fährt, wo er dann auf einer schattigen Veranda sämtliche Instrumente (geschlagene, gestrichene, getastete) selbst übernimmt. An der University of Southern California Thornton School of Music hat er bis 2009 Jazz studiert. Im Jahr seines Abschlusses gründete er mit Genevieve Artadi die Jazz-Funk-Band KNOWER. Einen ihrer Songs, »Fuck The Makeup, Skin The Shower« war in dem Videospiel »Grand Theft Auto V« zu hören. Live spielte man die Songs zu siebt, weil Musiker wie Tim Lefebvre, der auf David Bowie’s letztem Album »Blackstar« den Bass spielte, zur Band hinzustießen. 2017 gingen KNOWER mit den Red Hot Chili Peppers auf Tour durch Europa. Quincy Jones ließ sie bei, einer neue Künstler anpreisenden Konzertreihe in Los Angeles live auftreten.

Nun ist vor einigen Wochen mit »Time«, das auch schon dritte Soloalbum von Louis Cole, sein erstes für Brainfeeder, erschienen. Es ist sogar noch sonniger, lässiger, gefühliger, witziger auch als frühere Arbeiten. Alles ist selbst bei sich zu Hause aufgenommen, das Schlagzeug steht in der Garage, das Piano im Wohnzimmer, doch man fragt sich schon, wie er eine Blaskapelle in seine Wohnküche bekommt, oder das bei »Last Time You Went Away« zu hörende, 23-köpfige Streichorchester. Thundercat ist übrigens auch zu hören, auch der bekannte Jazzpianist Brad Mehldau. Grenzenloses Talent in jeder Note. Musik für den Spätsommer. Aber hört selbst.

Time von Louis Cole
Brainfeeder (Rough Trade)
Back in Black © radioeins/Warnow
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Norman Dietze

(Plattenladen: Bis Aufs Messer)

Back in Black © radioeins/Warnow
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Philipp Michalke

(Plattenladen: hhv Records)

Back in Black © radioeins/Warnow
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Thomas Spindler

(Plattenladen "Dodo Beach")

Der Beitrag ist noch bis zum 17.10.2019 00:00:00 verfügbar.