Back in Black

Satan In Love

Rare Finnish Synth-Pop & Disco 1979-1992

Die Nischen, aus denen den vernarrten Schallplattensammlern Musik zur Verfügung gestellt wird, werden enger und enger. Im letzten Jahr hoch im Kurs: Bubblegum aus Südafrika, Jazz aus Japan oder auch zu belgischen Off-Theater-Stücken der 1980er Jahre komponierte Begleitmusik. Fehlt eigentlich nur noch auf mongolischen Bergziegen gekämmter Bluegrass. Doch bevor dieses Vorhaben zur Realisierung gelangt, kümmert sich das in Turku ansässige Label Svart Records um finnische Discomusic.

Satan In Love – Rare Finnish Synth-Pop & Disco 1979-1992
Satan In Love – Rare Finnish Synth-Pop & Disco 1979-1992 | © Svart Records/Cargo

Das ist in zweierlei Hinsicht eine Überraschung. Erstens: Svart hat sich in der Vergangenheit eigentlich eher für sehr, sehr, sehr düsteren Metal verdient gemacht. Zweitens (und entscheidender): dass die unterkühlten Finnen sich für heißblütige Rhythmen interessierten, blieb bislang ein jenseits des Bottnischen Meerbusens wohlgehütetes Geheimnis. Das wird jetzt mit einer Hand voll Reissues und gleich zwei lohnenswerten Compilations gelüftet. Und wohl auch die Sicht auf die Finnen für immer verändern.

Die Compilation, die wir heute vorstellen wollen, heißt »Satan in Love – Rare Finnish Synth-Pop & Disco 1979-1992«. Das erste Stück heißt »Se outoa on«, was mit »it is strange« ins Englische zu übersetzen ist und durchaus programmatisch für die gesamte Musik hier verstanden werden darf. Die ist eine Mischung aus Schlager, Pop und Experiment, größtenteils mit finnischen Texten, was die Sache für unsere Ohren nur noch skurriler werden lässt. Es ist wahrscheinlich auch nicht anders als würden die Finnen Rheingold (»Dreiklangs-Dimensionen«) oder Deutsch-Österreichische Freundschaft (»Codo«) entdecken.

In den 1980er Jahren spielten die Discotheken in Finnland überwiegend Synth-Pop, aber 99% der Lieder waren nicht aus Finnland. Das Equipment war teuer und die Plattenfirmen sahen wenig Potenzial außerhalb des nur 5 Millionen Einwohner zählenden Finnlandes diese Musik zu verkaufen. Dennoch versuchten sich Bands aus Orten wie Imatra oder Lappeenranta, Kleinstädte, die nur eingefleischten Schneewanderern ein Begriff sein werden, mit ihren Möglichkeiten die bekannten Vorbilder zu imitieren. 30 Jahre später haben wir nun das große Vergnügen diese Bands wiederzuentdecken.

Sebastian Hinz, hhv

Satan In Love – Rare Finnish Synth-Pop & Disco 1979-1992
Svart Records/Cargo
Back in Black © radioeins/Warnow
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Norman Dietze

(Plattenladen: Bis Aufs Messer)

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Philipp Michalke

(Plattenladen: hhv Records)

Back in Black © radioeins/Warnow
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Thomas Spindler

(Plattenladen "Dodo Beach")

Der Beitrag ist noch bis zum 23.01.2020 00:00:00 verfügbar.