Das Vinyl der Woche

Revelation Time von Max Romeo

Die CD ist längst vom Aussterben bedroht und das MP3 viel zu virtuell. Darum feiert radioeins das schwarze Gold – zusammen mit den Berliner Plattendealern unseres Vertrauens. Jede Woche stellen sie uns ein Album vor, das nur auf Vinyl so klingt, wie es klingen soll. Die Schallplatte lebt - immer mittwochs um 13.40 Uhr auf radioeins.

Revelation Time von Max Romeo
Revelation Time von Max Romeo | © 17 North Parade

Max Romeo (aka Maxwell Livingston Smith) wurde am 22. November 1944 in Saint Ann an der Nordküste Jamaikas geboren (ebenfalls Geburtsort von u.a. Bob Marley, Burning Spear und Justin Hines). Nachdem seine Mutter 1954 die Familie verließ, um nach England zu gehen, zog Max zu seinem Vater nach Kingston. Da er sich mit seiner Stiefmutter nicht verstand, verließ er im Alter von 14 Jahren die Familie und streunte ziellos durch die Gegend. Schließlich reifte in ihm der Wunsch, Sänger zu werden. Mit 18 gewann er seinen ersten Talentwettbewerb, dem noch einige folgen sollten.

Es glingt ihm, Probeaufnahmen für Duke Reid (Treasure Isle), Coxone Dodd (Studio One) und Leslie Kong (Beverly’s) zu machen, die aber zu keinem Ergebnis führten. Stattdessen heuerte er bei Ken Lacks (Blondel Keith Calneck) neu gegründeten Caltone Label als Verkäufer an. Während dieserZeit gründet er 1965 mit Kenneth Knight und Lloyd Shakespeare, dem Bruder von Robbiedie Emotions. Es entstehen einige zum Teil erfolgreiche Rocksteady Singles. Im nächsten Schritt wird er Lead Sänger der Hippie Boys, deren Musiker den Kern der späteren Wailersvon Bob Marley bilden. 1968 nimmt er dann unter seinem Namen “Wet Dreams” auf. Von Coxone produziert wird es sein erster weltweiter Hit, und obwohl er wegen seines anzüg-lichen Textes in Großbritannien nicht im Radio gespielt werden darf, erreicht er dort Platz 10 der Charts. Singles nach ähnlich gestrickten Muster folgen. Ende der sechziger Jahrewendet er sich dem Rastafari Glauben zu und veröffentlicht entsprechend religiös geprägte Singles. Wie viele seiner Glaubensbrüder fängt er an, sich zunehmend politisch zu artikulieren. Im Wahlkampf 1971/72 unterstützt er Michael Manley und dessen sozialistische PNP (People’s National Party). Manley gewann die Wahl deutlich, aber bereits 1974 wendet sich Romeo enttäuscht ab, weil es Manley nicht gelang, alle Wahlversprechen umzusetzen, nachzuhören in dem Song “No, Joshua, No”. In der Folge veröffentlicht Romeo Roots orientierte Stücke, hauptsächlich produziert von Niney und Lee “Scratch” Perry.

1975 beginnt er unter der Obhut des freien Produzenten Clive “Azul” Hunt mit den Arbeiten zu “Revelation Time”, einem stark politisch und religiös gefärbten Album, das heute zu den wegweisenden Reggae Alben zählt. Künstlerisch ein Erfolg geriet die Produktion in Perry’s Black Ark Studios zum finanziellen Fiasko. Das Album erscheint zunächst nur in Jamaika, erst 1977 wird es unter dem Titel “Warning Warning” in den USA und 1978 unter dem Titel “Open The Iron Gate” in Europa veröffentlicht. Erst sein Folgealbum “War Ina Babylon” (1976) wird für Max Romeo zu seinem größten kommerziellen Welterfolg.

Max Romeo pendelte fortan zwischen Jamaika, den USA und Großbrittannien, veröffentlicht immer noch in regelmäßigen Abständen Platten und geht auf Tourneen, ohne dabei an seine großen Erfolge anknüpfen zu können.

Thomas und Bernd (Rocksteady Records)

Revelation Time von Max Romeo
17 North Parade
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Thorsten Pfeiffer

Der Beitrag ist noch bis zum 24.06.2021 00:00:00 verfügbar.